Diagnostische Manuale zur Klassifikation der malignen Lymphome, wie die 2001 erstmals veröffentlichte und 2008 aktualisierte WHO-Klassifikation der myeloischen und lymphatischen Neoplasien, stellen den Versuch dar, eine gemeinsame Sprache unter Experten zu finden – im Wissen um ihre zeitliche Begrenztheit angesichts ständig neuer Erkenntnisse zu biologischen Merkmalen und sich ändernder Therapiestrategien.
Das Buch basiert auf der WHO-Klassifikation hämatologischer Neoplasien mit Schwerpunkt indolente Lymphome und gibt in neun Kapiteln einen aktuellen Überblick über die biologischen Charakteristika und klinischen Therapieempfehlungen der indolenten B-Zell- und peripheren T-Zell-Lymphome. Neben den Herausgebern haben zehn Hämatoonkologen und ein an der oben genannten WHO-Klassifikation aktiv beteiligter Pathologe Beiträge zu diesem Buch geschrieben. Bei den in der Regel chronisch verlaufenden hämatologischen Neoplasien können Heilungen trotz unbestreitbarer Fortschritte in der medikamentösen Therapie nur selten erzielt werden. Als wichtige Faktoren für die Information und gemeinsame Therapieentscheidung bei Patienten mit indolenten Lymphomen betonen die Herausgeber in ihrem Vorwort: „Die richtige Therapieindikation, ein Therapiekonzept, das eine lange Remission gewährleistet und dennoch eine akzeptable Lebensqualität erlaubt, und Behandlungsalternativen für die zu erwartenden Rezidive.“ Die Beachtung dieser Aspekte und individueller Patientenmerkmale ist von großer Bedeutung – besonders in fortgeschrittenen Stadien der indolenten Lymphome, bei denen häufig keine zwingende Therapieindikation besteht und eine „Watch-and-wait“-Strategie gerechtfertigt ist.
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Die ersten beiden Kapitel, die sich ausführlich mit aktuellen Aspekten der WHO-Klassifikation sowie Diagnostik und prognostischen Faktoren bei indolenten Lymphomen beschäftigen, sind sehr informativ und werden durch Tabellen, Abbildungen und (immun-)histologische Darstellungen anschaulich illustriert. Ausführlich wird auf Merkmale und Besonderheiten bei einzelnen Entitäten indolenter Lymphome eingegangen. Dabei werden offene Fragen zur aktuellen Klassifikation ebenso angesprochen – zum Beispiel klinische Relevanz der Unterscheidung follikulärer Lymphome in Grad 3 a und 3 b oder chronischer lymphatischer Leukämien in zwei Krankheiten anhand des Mutationsstatus – wie die derzeit noch geringe Bedeutung zellbiologischer prognostischer Faktoren für die Therapieentscheidung bei einzelnen Patienten. Auch auf ein heute in Leitlinien zu indolenten Lymphomen häufig unzureichend behandeltes Thema wird ausführlich eingegangen: die Diagnostik nach Therapieende beziehungsweise im weiteren Krankheitsverlauf (Nachsorge). Dabei wird sowohl auf sinnvolle Intervalle in der Diagnostik als auch auf die zu häufig durchgeführten Computertomographien mit der damit verbundenen Strahlenbelastung hingewiesen.
Einer weitgehend einheitlichen Struktur folgen die Kapitel zu den verschiedenen Entitäten der indolenten B-Zell-Lymphome und auch das Kapitel neun zu der biologisch, histologisch und auch klinisch heterogenen Gruppe der peripheren T-Zell-Lymphome. Diese Abschnitte des Buches sind jedoch recht unterschiedlich in der Ausführlichkeit der Darstellung von beispielsweise Ätiologie und Pathogenese, heute gebräuchlichen Stadieneinteilungen und etablierten Therapiestrategien. Ergänzt werden diese Kapitel jeweils durch ein Literaturverzeichnis und mehr oder weniger ausführliche Hinweise auf aktuell laufende beziehungsweise geplante klinische Studien zur Optimierung der Therapiestrategien auf nationaler und internationaler Ebene. Eine Zusammenfassung mit den aktuellen, nicht immer evidenzbasierten Therapieempfehlungen für indolente Lymphome hätte sich der interessierte Leser nicht nur am Ende der Kapitel zum follikulären und Mantelzell-Lymphom gewünscht.
Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch sehr informativ und vermittelt Hämatoonkologen, aber auch Kollegen anderer Fachdisziplinen, wie Innere Medizin, Pathologie, Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin, einen aktuellen und fundierten Überblick über alle für die Diagnostik und Therapie indolenter Lymphome relevanten klinischen Aspekte. Wolf-Dieter Ludwig
Christian Buske, Stefan Mahlmann (Hrsg.): Indolente Lymphome. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2011, 170 Seiten, gebunden, 79,95 Euro
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