Die Hoffnung stirbt zuletzt: Fresenius-Chef Ulf M. Schneider prüft die Handlungsmöglichkeiten. Foto: dapd
Fresenius scheitert vorerst mit dem Versuch, die Rhön-Klinikum AG zu übernehmen. Konkurrent Asklepios als Spielverderber
Das nennt man wohl einen gelungenen Coup: Um zu verhindern, dass die Nr. 1 der Branche die Nr. 2 schluckt und damit zum unangefochtenen Marktführer aufsteigt, erwirbt die Nr. 3 ein erkleckliches Aktienpaket an der Nr. 2 und verhindert, zumindest vorerst, den Milliardendeal. So geschehen auf dem deutschen Krankenhausmarkt.
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Am 29. Juni meldete der Gesundheitskonzern Fresenius SE, zu dem auch die Helios-Kliniken GmbH gehört, dass ihm zum Ende der Angebotsfrist am 27. Juni „nur“ 84,3 Prozent der Aktien der Rhön-Klinikum AG angedient worden seien. Damit wurde die Mindestannahmequote von 90 Prozent nicht erreicht, und der geplante Zusammenschluss von Helios und Rhön ist erst einmal geplatzt. Just am 27. Juni hatte die Asklepios-Kliniken GmbH überraschend bekanntgegeben, 5,01 Prozent der Rhön-Aktien erworben zu haben. „Das erhebliche Handelsvolumen am letzten Tag der Annahmefrist, ausgelöst durch die Meldung über Anteilsbesitz der Asklepios-Kliniken GmbH, hat die Annahme und Abwicklung des Angebots beeinträchtigt“, heißt es in der Fresenius-Mitteilung.
Fresenius-Vorstandschef Dr. Ulf M. Schneider war entsprechend schlecht auf die Hamburger Konkurrenz zu sprechen: „Die große Mehrheit der Rhön-Aktionäre hat unser Angebot angenommen. Daher ist es bedauerlich, dass es blockiert wurde, ohne eine konstruktive Alternative aufzuzeigen.“ Die unklare Situation führe zu Verunsicherungen, die man den Patienten, Mitarbeitern und Aktionären gerne erspart hätte. Dazu muss man wissen, dass Asklepios bislang nicht sagt, was es mit den Rhön-Anteilen anfangen will. Dr. Bernard gr. Broermann, Asklepios-Gründer und Gesellschafter, ließ lediglich verlauten, man sei „langfristig orientiert“ und wolle sich „alle Gestaltungsmöglichkeiten offenhalten“.
Gespräche im Hintergrund
Helios und Rhön seien jeweils auch alleine wettbewerbsfähig, unterstreichen indes die Beteiligten: „Helios ist bestens positioniert, um aus eigener Kraft weiter zu wachsen“, stellte Schneider klar. „Der Markt ist in Bewegung geraten. Wir sind stark genug, hier selbst einen aktiven Part zu spielen“, erkärte Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG.
Doch noch ist die Megafusion auf dem deutschen Krankenhausmarkt nicht vom Tisch. Er sei weiterhin von den Vorteilen des Zusammenschlusses von Helios und Rhön überzeugt, sagte Schneider: „Wir werden unsere Handlungsmöglichkeiten in den kommenden Tagen eingehend prüfen.“ Ein erneutes Übernahmeangebot wäre aktienrechtlich innerhalb des nächsten Jahres aber nur erlaubt, wenn der Rhön-Vorstand dies goutiert. Alternativ könnte Fresenius 30 Prozent der Rhön-Aktien über den Markt kaufen und dann ein Pflicht-Übernahmeangebot abgeben.
„Ich glaube, dass es ziemlich zügig eine Lösung geben wird“, sagte Rhön-Gründer Eugen Münch gegenüber Reuters. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Ankeraktionär (gemeinsam mit seiner Frau hält er 12,5 Prozent der Rhön-Aktien) war von vornherein in die Übernahmepläne eingebunden und stützt sie aktiv. Er werde das Gespräch mit Asklepios-Eigner Broermann suchen, kündigte Münch an. Dieser habe in der heißen Phase des Übernahmeprozesses Gespräche abgelehnt – aber angedeutet, dass man im Anschluss reden könne.
Eine Alternative, um die Übernahme doch noch zu vollziehen, wäre die Änderung der Rhön-Satzung. Diese sieht für wichtige Entscheidungen eine Zustimmungsquote von 90 Prozent plus eine Aktie vor (weshalb Fresenius die Mindestannahmequote so hoch ansetzte). Aber auch eine Satzungsänderung könnte von interessierter Seite blockiert werden. Paradox: Rhön-Gründer Münch hat die 90-Prozent-plus-eine-Aktie-Hürde selbst in der Satzung verankert, damit „seine“ Klinikkette niemals ohne seine Zustimmung den Besitzer wechseln kann. Und jetzt verhindert sie den Besitzerwechsel trotz seiner Zustimmung . . .
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