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PHARMA

Transfusionsbedingte Eisenüberladung: Chelatgabe senkt Mortalität

Dtsch Arztebl 2012; 109(27-28): A-1447

Siegmund-Schultze, Nicola

Eisenchelatoren können bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom auch die Hämatopoese günstig beeinflussen und zu hämatologischen Remissionen führen.

Bei den über 70-Jährigen ist das myelodysplastische Syndrom (MDS) die häufigste hämatologische Erkrankung; circa zwei Drittel dieser Patienten erhalten Bluttransfusionen. Schon 20 Einheiten aber können zur Eisenüberladung führen, denn jede Bluttransfusion enthält bis zu 250 mg Eisen, der Tagesbedarf liegt aber nur bei ein bis zwei Milligramm. Damit wird die Kapazität des Körpers, Eisen in stabiler Form zu binden, überschritten. Das ungebundene Eisen gelangt in die Zelle und führt zur Bildung freier, zytotoxischer Sauerstoffradikale. Herzinsuffizienz, Leberzirrhose und Diabetes sind mögliche Folgen.

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Überschüssiges Eisen wird gebunden und ausgeschieden

Durch Eisenchelate wird überschüssiges Eisen gebunden und ausgeschieden. Studien, die bei der 53. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) im Dezember 2011 in San Diego präsentiert wurden, weisen darauf hin, dass sich durch eine Eisenchelattherapie nicht nur hämatologische Parameter wie Serumferritinwerte und Transferrinsättigung bessern. „Eine effektive Chelattherapie ist bei Patienten mit MDS auch mit einem besseren Gesamtüberleben assoziiert“, berichtete Prof. Dr. med. Detlef Haase von der Universitätsklinik Göttingen bei einem Symposium des Unternehmens Novartis Oncology beim Deutschen Krebskongress in Berlin.

In einer retrospektiven Analyse der Datenbank des Lee Moffitt Cancer Centers (MCC) in Tampa, Florida, wurde das Gesamtüberleben bei 97 Patienten mit MDS ermittelt (Low bis Intermediate Risk nach dem International Prognostic Score System, IPSS; Diagnose zwischen 2001 und 2009). 46 Prozent hatten eine Chelattherapie erhalten, meist mit Deferasirox (DFX), das nur einmal täglich oral eingenommen wird. Der mittlere Ausgangswert des Serumferritins betrug in dieser Gruppe 2 680 ng/ml. Bei Patienten ohne Chelate (54 Prozent) lag der mittlere Ausgangswert des Serumferritins bei 3 038 ng/ml. Durchschnittlich wurde 85,7 Monate ab Diagnose beobachtet.

Für die Gruppe, die den Chelatkomplexbildner erhalten hatte, ermittelten die Forscher ein durchschnittliches Gesamtüberleben von 59 Monaten, in der Gruppe ohne Chelattherapie lag es bei 33,7 Monaten, ein statistisch hochsignifikanter Unterschied (p = 0,013). Auch die Transformationsrate in eine akute myeloische Leukämie (AML) unterschied sich, wenngleich statistisch nicht signifikant: Sie betrug 15,6 Prozent in der Gruppe mit und 21,2 Prozent in der Gruppe ohne Chelattherapie.

Ein ähnlicher Trend ergab sich nach den Worten von Haase aus einer ebenfalls US-amerikanischen nichtinterventionellen prospektiven Registerstudie: Von 600 Patienten mit Low- und Intermediate-Risk-1-MDS (int-1, vergleichbar der MCC-Studie) und Serumferritinkonzentrationen über 1 000 ng/ml erhielten 44 Prozent eine Chelattherapie. In dieser Gruppe betrug das Gesamtüberleben 99,3 Monate, in der Gruppe ohne Chelattherapie lag es bei 52,2 Monaten (p < 0,0001). Unterschiede bestanden vor allem für Tod durch AML, Herzversagen und Infektionen.

Auch Daten des Düsseldorfer MDS-Registers, die von Judith Neukirchen und Kollegen beim 17. Kongress der European Hematology Association in Amsterdam präsentiert wurden, belegen einen klaren Überlebensvorteil durch Eisenchelattherapie bei diesen Patienten. 374 von 417 von ihnen waren transfusionsabhängig. Erhielten sie eine Chelattherapie (Deferasirox, Derferoxamin oder beides) lebten die Patienten durchschnittlich 67 Monate im Vergleich zu 30 Monaten ohne Eisenchelatoren.

Offenbar gibt es Unterschiede zwischen den Chelatkomplexbildnern in der Rate des hämatologischen Ansprechens und des Zeitraums der Response.

Unterschiede zwischen den Chelatkomplexbildnern

Darauf weisen die Ergebnisse einer retrospektiven Studie an sechs italienischen Zentren unter Federführung von Daniela Cilloni (Universität Turin) hin. Eingeschlossen wurden 105 Patienten mit verschiedenen hämatologischen Malignomen und Eisenüberladung. Sie erhielten entweder Deferoxamin (DFO) oder Deferasirox. So benötigten 21 Prozent unter DFX keine Erythrozytenkonzentrate mehr und 17,2 Prozent unter DFO (komplettes hämatologisches Ansprechen).

Die durchschnittliche Zeit bis zum Ansprechen betrug 15 Monate für DFO und drei Monate für DFX. Bei allen Patienten mit aplastischer Anämie, die in komplette Response kamen, stieg die Zahl der Thrombozyten: um durchschnittlich 35 000/mm3 nach sechs, und um 55 000/mm3 nach zwölf Monaten, so dass die Patienten auch keine Thrombozytentransfusionen mehr benötigten.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Quellen:
Neue Daten zur Therapie myeloischer Erkrankungen beim ASH-Kongress 2011 in San Diego.

Symposium Novartis Oncology beim Deutschen Krebskongress 2012 in Berlin

17. Kongress der European Hematology Association vom 14. bis 16. Juni in Amsterdam


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