BRIEFE
Sterbehilfe: Wenig Alternativen
Dtsch Arztebl 2012; 109(27-28): A-1436 / B-1240 / C-1218

. . . Annähernd einmal pro Woche kann man im Radiosender Bayern 5 hören: Wegen eines Notarzteinsatzes auf der Strecke Nürnberg-Bamberg oder auf der S-Bahnlinie . . . in München ist die Verkehrsverbindung derzeitig unterbrochen – mit anderen Worten: Dort hat ein Selbstmordversuch stattgefunden! Was das für den Zugführer bedeutet, ist kaum nachvollziehbar. Aber welche Möglichkeiten gibt es in unserem Land, seinem Leben ein Ende zu setzten? Von einem Gebäude zu springen, sich zu erhängen oder vor einen Zug zu werfen. Welch verlockenden Alternativen!
Wir Ärzte haben da weniger Probleme: Falls uns nicht unsere religiöse Einstellung an einem Selbstmord hindert, stehen uns ausreichend Medikamente zur Verfügung, um aus dem Leben zu scheiden – in diesem Fall gilt für uns natürlich der hippokratische Eid nicht, wir werden schon eine Rechtfertigung finden.
Wir leben in einem Land, in dem fast alles erlaubt ist – nur nicht, in Würde und im Vollbesitz unserer geistigen und körperlichen Kräfte aus dem Leben zu scheiden, in Dankbarkeit auf ein erfülltes Leben zurückblickend . . .
Dr. med. Barbara Kurzweil, 91054 Erlangen
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