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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ischämischer Schlaganfall: Intravenöse Thrombolyse ist bis ins hohe Alter möglich

Dtsch Arztebl 2012; 109(27-28): A-1432 / B-1236 / C-1214

Vetter, Christine

Etabliert ist die intravenöse Thrombolyse beim akuten ischämischen Schlaganfall innerhalb eines Zeitraums von maximal viereinhalb Stunden und bei Patienten bis 80 Jahre. Ob die Lyse auch bei Älteren und bis zu 6 Stunden nach Schlaganfall indiziert ist, hat die Studie IST-3 bei 3 035 Patienten untersucht, von denen 1 515 randomisiert mit rekombinantem Tissue Plasminogen Activator (rTPA; bis 0,9 mg/kg) lysiert wurden. 53 % der Patienten waren älter als 80 Jahre.

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 6 Monaten am Leben und in der Lage waren, ihren Alltag selbst zu bewältigen, was anhand des Oxford Handicap Scores (OHS 0–2) beurteilt wurde. In der rTPA-Gruppe erreichten 37 % der Patienten den primären Endpunkt, in der Kontrollgruppe 35 %, der Unterschied war nicht signifikant (OR 1,13; 95-%-KI 0,95–1,35; p = 0,181). Es zeigte sich aber eine signifikante Veränderung im OHS zugunsten der Thrombolyse (OR 1,27; 95-%-KI 1,10–1,47; p = 0,001). Hinweise auf einen verminderten Vorteil bei alten Menschen gab es nicht. Symptomatische intrakranielle Blutungen innerhalb von 7 Tagen traten bei 7 % der Patienten unter rTPA gegenüber 1 % in der Kontrollgruppe auf, und es waren in der Verumgruppe auch mehr Todesfälle (11 versus 7 %) zu verzeichnen. In der Folgezeit starben jedoch weniger Patienten in der rTPA-Gruppe, nach 6 Monaten war die Mortalität mit 27 % in beiden Gruppen gleich.

Aktuell hat außerdem eine Metaanalyse den Nutzen der rTPA untersucht, wobei die Daten der IST-3-Studie mitberücksichtigt wurden. Die Metaanalyse umfasste 12 Studien mit insgesamt 7 012 Patienten, die innerhalb von 6 Stunden nach dem akuten Ereignis behandelt wurden. Das Ergebnis: Der Anteil der Patienten, die nach 6 Monaten am Leben waren und selbstständig ihren Alltag bewältigen konnten, war nach einer Thrombolyse signifikant höher (1 611/3 483 = 46,3 % versus 1 434/3 404 = 42,1 %; OR 1,17; 95-%-KI 1,06–1,29; p = 0,001). Patienten, die innerhalb eines Zeitraums von 3 Stunden behandelt wurden, profitierten von der rTPA-Gabe am meisten. Die Mortalität war nach 7 Tagen in der rTPA-Gruppe höher (250/2 807 = 8,9 % versus 174/2 728 = 6,4 %; OR 1,44; 95-%-KI 1,18–1,76; p = 0,003), kein signifikanter Unterschied bestand jedoch nach 6 Monaten (679/3 548 = 19,1 % versus 640/3 464 = 18,5 %; OR 1,06; 95-%-KI 0,94–1,20; p = 0,33).

Fazit: Die IST-3 Studie wie auch die Metaanalyse bestätigten den Nutzen der systemischen Thrombolyse beim akuten ischämischen Insult, erläutert Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Neurologische Universitätsklinik Essen. Die Studien unterstreichen zugleich, wie zeitkritisch die Therapie ist: „Je früher lysiert wird, umso besser ist der Outcome der Patienten“, sagte Diener. Neu an der aktuellen Untersuchung ist nach seiner Darstellung der Nachweis, dass auch Patienten im Alter von mehr als 80 Jahre von der Lyse profitieren. Christine Vetter

  1. The IST-3 collaborative group: The benefits and harms of intravenous thrombolysis with recombinant tissue plasminogen activator within 6 h of acute ischaemic stroke (the third international stroke trial [IST-3]: a randomized controlled trial. Lancet 2012; 379: 2352–63. MEDLINE
  2. Wardlaw JM, et al.: Recombinant tissue plasminogen activator for acute ischaemic stroke: an update systematic review and meta-analysis, Lancet 2012; 379: 2364–72. MEDLINE

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