MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Postoperatives Delir: Kognitive Einbußen bleiben längerfristig bestehen
Dtsch Arztebl 2012; 109(31-32): A-1557 / B-1341 / C-1317

Ein postoperatives Delir ist bei herzchirurgischen Patienten häufig. Ob kognitive Einbußen über den perioperativen Zeitraum hinaus bestehen, war Fragestellung einer Studie mit 225 Patienten im Alter von mindestens 60 Jahren. Bei ihnen war eine Koronarbypass-Operation oder ein Herzklappenersatz geplant. Die kognitive Funktion der Patienten wurde am Tag zwei vor der Operation mit dem Mini-Mental State Examination (MMSE) untersucht und im ersten, sechsten und zwölften Monat postoperativ. Das Vorliegen eines Deliriums wurde mit Hilfe des Algorithmus der Confusion Assessment Method diagnostiziert mit den Kriterien unstrukturiertes Denken, fehlende Aufmerksamkeit, Bewusstseinsveränderungen und Fluktuationen.
46 % der Patienten entwickelten ein postoperatives Delir. Die meisten erholten sich in den ersten Tagen von dem früher als „Durchgangssyndrom“ bezeichneten Zustand. Bei einer ersten Untersuchung am zweiten Tag postoperativ hatten die Delirpatienten 7,7 Punkte im MMSE eingebüßt gegenüber nur 2,1 Punkten bei Patienten ohne Delir. Auch bei einer Nachuntersuchung nach einem Monat, die Patienten waren längst entlassen, war noch ein Defizit nachweisbar (24,1 versus 27,4 Punkte im MMSE; p < 0,001). Ein größerer Anteil der Patienten mit Delir als auch ohne Delir hatte 6 Monate postoperativ den präoperativen MMSE-Level nicht erreicht (40 vs. 24 %, p = 0,01), auch ein Jahr später bestanden Unterschiede, aber statistisch nicht mehr signifikant (31 vs. 20 %; p = 0,055). Prädiktoren für eine langsame Erholung waren niedrige MMSE-Werte vor der Operation und eine längere Dauer des postoperativen Delirs.
Fazit: Ein postoperatives Delir kann auch 6 bis 12 Monate nach der Anästhesie mit einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert sein, vor allem bei Patienten mit präoperativ kognitiven Störungen. Dr. med. Arne Hillienhof
Saczynski , Marcantonio ER, Quach L, et al.: Cognitive trajectories after postoperative delirium. NEJM 2012; 367: 30–9.
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