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POLITIK

Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz: Mehr Qualität in der Krebstherapie

Dtsch Arztebl 2012; 109(35-36): A-1739 / B-1409 / C-1389

Korzilius, Heike

Ortstermin: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr besucht die onkologische Tagesklinik am Universitätsklinikum Münster. Foto: dapd

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will, dass mehr Menschen zur Krebsvorsorge gehen und flächendeckend klinische Krebsregister eingerichtet werden.

Daniel Bahr (FDP) fährt mit dem Fahrrad vor. Der Bundesgesundheitsminister ist auf Sommertour durch seinen Wahlkreis im westfälischen Münster. Trotz Temperaturen von um die 30 Grad Celsius wirkt er frisch und voller Tatendrang, als er den Direktor des Zentrums für Krebsmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM), Prof. Dr. med. Jörg Haier, begrüßt. Bahr wirbt für sein Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz, das am folgenden Tag, dem 22. August, vom Bundeskabinett gebilligt werden wird.

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„Die Regierung sagt dem Krebs den Kampf an“, erklärt Bahr in Münster. Denn künftig sollen gesetzlich Krankenversicherte – ähnlich wie beim Brustkrebsscreening – von einem bestimmten Alter an persönlich zu Früherkennungsuntersuchungen auf Darm- und Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden. Außerdem sollen die Länder flächendeckend klinische Krebsregister einrichten. Deren Aufgabe ist es, möglichst vollzählig und einheitlich die Daten über das Auftreten, die Behandlung und den Verlauf von Krebserkrankungen in der ambulanten und stationären Versorgung auszuwerten. Mit dem Gesetzentwurf werden Empfehlungen des Nationalen Krebsplans umgesetzt, den das Bundesgesundheitsministerium im Juni 2008 mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren aufgelegt hat.

Von den Einladungen zur Krebsvorsorge verspricht sich Bahr, dass mehr Menschen das bestehende Vorsorgeangebot in Anspruch nehmen. „Wir appellieren damit an die Eigenverantwortung der Versicherten“, sagt der Minister. Aber auch die Krankenkassen profitierten von der verbesserten Früherkennung. Denn vermiedene oder in frühem Stadium erkannte Krebserkrankungen sparten Behandlungskosten.

Für die Teilnahme an der Krebsvorsorge wirbt auch Prof. Dr. med. Matthias Brüwer. Seit der Einführung der Vorsorgekoloskopie für Versicherte ab dem 55. Lebensjahr im Jahr 2002 habe sich die Sterblichkeit von 58 Prozent (2001) auf 41 Prozent (2007) verringert, berichtet der Leiter des Darmzentrums am UKM. Dass sich Effekte messen lassen, findet er umso beachtlicher, als jährlich nur drei Prozent der Berechtigten die Untersuchung wahrnehmen. Warum das so ist? „In 80 Prozent der Fälle bleiben die Gründe unklar“, sagt Brüwer. Deshalb setzt auch er auf Einladungsprogramme, um die Inanspruchnahme zu verbessern.

Das zweite zentrale Element des Gesetzentwurfs, die flächendeckende Errichtung klinischer Krebsregister, schafft nach Ansicht von Bahr ein wichtiges Instrument zur Qualitätsverbesserung in der onkologischen Versorgung. Erstmals ermöglichten bundesweit einheitliche Dokumentationsstandards, die gesammelten Daten zu vergleichen, und auszuwerten, welche Therapieverfahren den größten Erfolg versprechen.

Obwohl das Ziel des Gesetzentwurfs generell auf Zustimmung stößt, gibt es auch Kritik. So bemängelt die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Martina Bunge, dass es nicht gelungen sei, ein nationales Krebsregister einzurichten. Die Kassen kritisieren, dass sie überwiegend allein die Finanzierung der Krebsregister übernehmen sollen. Der Gesetzentwurf beziffert die zusätzlichen Ausgaben mit jährlich 43 Millionen Euro.

Die Münsteraner Onkologen unterstützen die Errichtung der Krebsregister dagegen vorbehaltlos. „Wir brauchen sie dringend für die Qualitätssicherung“, erklärt Zentrumsdirektor Haier. Der Direktor der Kinderonkologie, Prof. Dr. med. Heribert Jürgens, verweist auf das erfolgreiche Beispiel des deutschen Kinderkrebsregisters. Es bestehe seit 1980 und habe über die Jahre zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsergebnisse geführt.

Heike Korzilius


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