POLITIK

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patienten

Dtsch Arztebl 2012; 109(43): A-2112 / B-1722 / C-1690

Feldmann, Regina

Die niedergelassenen Ärzte und Vertragspsychotherapeuten können der KBV dabei helfen, den bürokratischen Aufwand in den Praxen drastisch zu reduzieren. Wie und auf welchen Wegen, erläutert KBV-Vorstand Regina Feldmann im folgenden Beitrag.

Mit dieser Anzeige will die KBV in ihren eigenen Printmedien und in Publikationen der KVen für die Initiative zum Bürokratieabbau werben.

Sind es die zahllosen Anfragen von Krankenkassen und Versorgungsämtern, die täglich in den Praxen landen? Oder ist es der steigende Dokumentationsaufwand, der den Ärzten Zeit für die Versorgung ihrer Patienten raubt? Fakt ist: Der bürokratische Aufwand für die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

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Ärztemonitor zeigt akuten Handlungsbedarf

Ein Vertragsarzt verbringt inzwischen durchschnittlich 14 Prozent seiner Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben. Das ergab der im Juni dieses Jahres veröffentlichte Ärztemonitor – eine Befragung von 11 000 Vertragsärzten und -psychotherapeuten im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des NAV-Virchow-Bundes. Die Erhebung zeigte auch, dass 57 Prozent der Ärzte nicht ausreichend Zeit für die Behandlung ihrer Patienten haben. Keine Frage: Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf.

Für die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist der Abbau von Bürokratie eine der wichtigsten Aufgaben, nicht zuletzt deshalb, weil der Arztberuf insgesamt wieder attraktiver werden muss. Da die Vertragsärzte und -psychotherapeuten am besten einschätzen können, wodurch die Bürokratie in den Praxen reduziert werden könnte, will die KBV sie stärker in den Prozess des Bürokratieabbaus einbinden. Ab dem 30. Oktober steht dazu im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) das onlineForum bereit, das zum Dialog einlädt. Der Name des Portals ist zugleich das Ziel: „Mehr Zeit für Patienten“. Ärzte und Psychotherapeuten sind aufgerufen, über das Portal der KBV Hinweise zu geben, an welchen Stellen im Praxisalltag Bürokratie reduziert werden kann.

In der Rubrik „Im Dialog“ können Nutzer des Forums Hinweise direkt an die KBV senden. Jeder eingehende Vorschlag wird geprüft, in erster Linie unter dem Aspekt, ob er geeignet ist, die Bürokratiebelastung in den Praxen zu reduzieren und ob eine Umsetzung möglich ist. Nach der Prüfung soll der Einsender eines Vorschlags eine Antwort erhalten und erfahren, was aus seinem Vorschlag wird.

Besonders konstruktive Ideen werden – gekoppelt mit der Antwort der KBV – auf der Website veröffentlicht. Regelmäßig wird auf der Startseite der „Vorschlag des Monats“ vorgestellt. Die Nutzer des Portals haben die Möglichkeit, die eingestellten Vorschläge zu kommentieren. Außerdem gibt es eine regelmäßige Blitzumfrage sowie Informationen dazu, was bereits im Kampf gegen die Bürokratie erreicht wurde. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen können das Forum als Instrument zum Dialog nutzen. Bereits zum Start des Forums sind Lösungen zum Bürokratieabbau aus verschiedenen KVen eingestellt, die alle nutzen können. Weitere sollen folgen.

Mit der neuen Kommunikationsplattform will die KBV einen offenen Dialog zum Bürokratieabbau in Gang setzen und die Ärzte und Psychotherapeuten aktiv am Bürokratieabbau beteiligen. Je mehr Praxen mitwirken, desto größer wird der Druck auf die Krankenkassen und die Politik, die Entbürokratisierung gemeinsam mit der Ärzteschaft anzugehen.

Bereits seit mehreren Jahren durchforstet die Kassenärztliche Bundesvereinigung alle Regelungen und Bestimmungen, die mit einem zusätzlichen Aufwand für die Praxen verbunden sind und prüft, inwieweit diese „entschlackt“ werden können. Erste Ergebnisse sind da: Ärzte mit einer Abrechnungsgenehmigung für Koloskopien müssen nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre ihre Dokumentationen einreichen. Die Änderung des Prüfintervalls war möglich, weil bei den Kontrollen keine Mängel mehr festgestellt wurden. Weitere Ziele stehen auf der Agenda – unter anderem die Abschaffung der Praxisgebühr und des „Musters 60“, dem Antrag zum Antrag auf Verordnung einer Rehabilitation.

Bürokratie verhindern, bevor sie entstanden ist

Bürokratie als solche zu identifizieren und abzubauen ist ein wichtiges Ziel der KBV-Initiative „Mehr Zeit für Patienten“. Aber es ist nicht das einzige. Noch besser ist es, Bürokratie künftig erst gar nicht entstehen zu lassen. Deshalb hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung schon vor einiger Zeit das sogenannte Ex-ante-Verfahren eingeführt. Damit werden neue Regelungen, zum Beispiel im Bereich der Qualitätssicherung, unter die Lupe genommen, bevor sie in Kraft treten. Mit dem Standardkosten-Modell – einem etablierten Verfahren zur Messung von Bürokratiekosten – wird vorab untersucht, wie viel Zeit beispielsweise die geplante Dokumentation kosten würde. Dazu finden Tests in Arztpraxen statt. Stimmt die Kosten-Nutzen-Relation nicht, setzt sich die KBV dafür ein, dass der Aufwand deutlich reduziert wird. Ärzte und Psychotherapeuten, die an solchen Einschätzungen von Bürokratiefolgekosten teilnehmen wollen, können sich über das neue onlineForum als Ansprechpartner für die KBV registrieren lassen.

In der vertragsärztlichen Versorgung gibt es noch viele Regelungen und Vorgaben, die effizienter gestaltet oder gar abgeschafft werden können. Mit dem neuen onlineForum im Sicheren Netz möchte die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Erfahrungen der Ärzteschaft aus dem Praxisalltag sammeln, um gezielt gegen die überbordende Bürokratie vorgehen zu können. Das Portal im Sicheren Netz der KVen soll allen interessierten Vertragsärzten und -psychotherapeuten die Möglichkeit bieten, eine offene Diskussion zu führen. Jeder Vertragsarzt und Vertragspsychotherapeut mit einem KV-SafeNet*- oder einem KV-FlexNet-Anschluss hat Zugang und kann mitdiskutieren.

Hohe Beteiligung kann die Belastung verdeutlichen

Die KBV hofft, dass sich möglichst viele Praxen beteiligen. Dies würde nicht nur deutlich machen, wie groß die Belastung der Ärzte und Psychotherapeuten durch die zunehmende Bürokratie ist, sondern dass es effektive Möglichkeiten gibt, diese zu reduzieren. Es geht um ein wichtiges Gut: um mehr Zeit für die Patienten.

Dipl.-Med. Regina Feldmann,
Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

@Das onlineForum „Mehr Zeit für Patienten“ ist im Sicheren Netz
der KVen unter der Adresse http://buerokratieabbau.kv-safenet.de erreichbar.

* Bitte beachten Sie, dass KV-SafeNet nicht mit der Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder vertraglicher Verbindung steht.

Das onlineForum in Kürze

Was ist das onlineForum?

Das onlineForum „Mehr Zeit für Patienten“ ist ein interaktives Portal, das die Kassenärztliche Bundesvereinigung eingerichtet hat, um den Abbau von Bürokratie in Arztpraxen voranzutreiben. Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten haben die Möglichkeit, sich direkt mit ihren Vorschlägen und Ideen einzubringen. Darüber hinaus können sich Nutzer darüber informieren, gegen welche bürokratischen Ärgernisse die KBV bereits vorgeht und was sie bisher erreicht hat. Auch die KVen stellen dort Lösungen vor.

Was passiert mit den Vorschlägen?

Unter dem Menüpunkt „Im Dialog“ können Ärzte und Psychotherapeuten Hinweise geben, an welchen Stellen Bürokratie abgebaut werden kann. Die KBV prüft in jedem einzelnen Fall, ob der Vorschlag geeignet ist, die Bürokratiebelastung in den Praxen zu reduzieren und ob eine Umsetzung möglich ist. Ist dies der Fall, wird die KBV sich dafür einsetzen, eine Lösung zu finden. Besonders konstruktive Vorschläge und auch die Antworten der KBV darauf werden im onlineForum veröffentlicht. Die Nutzer des Portals haben die Möglichkeit, die eingestellten Ideen zu kommentieren.

Wer kann das onlineForum nutzen?

Alle Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, die über einen KV-SafeNet*- oder einen KV-FlexNet-Anschluss verfügen. Damit haben sie Zugang ins Sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen und können das Forum nutzen. Mehr Information dazu finden Interessierte auf der Internetseite der KBV unter
www.kbv.de/buerokratieabbau.html

Der direkte Weg ins onlineForum:

Besucher des onlineForums geben nach der Anmeldung im Sicheren Netz in das Browser-Fenster die Adresse http://buerokratieabbau.kv-safenet.de ein oder gehen über das Portal ihrer KV und den dort eingestellten Link zum onlineForum.

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Dreismann
am Samstag, 27. Oktober 2012, 17:30

Teilnahme am onlineForum Bürokratieabbau

Für die Teilnahme am onlineForum Bürokratieabbau ist ein KV-SafeNet oder KV-FlexNet-Anschluss zwingend erforderlich. Wenn die Resonanz auf die eigentlich lobenswerte Idee, eigene Vorschläge zum Abbau der Bürokratie einzubringen, relativ gering ist, dann sollte sich die KBV mal Gedanken darüber machen, wie viel Kollegen bereits über einen KV-SafeNet*- oder einen KV-FlexNet-Anschluss verfügen. Ich selber bin im Bereich der KV Baden-Württemberg tätig. Nachdem die KBV Versatel die KV SafeNet Lizenz entzogen hat, ohne die betroffenen Kollegen darüber zu informieren, habe ich nur noch einen KV Ident Zugang. Die Teilnahme an dem OnlineForum ist mir also nicht möglich. Vielleicht sollte sich die KBV eine intelligentere Lösung einfallen lassen, um der Mehrheit der Kollegen einen Zugang zu dem Forum zu erlauben.

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