POLITIK

Zwangsbehandlungen: Psychiater fordern ein neues Gesetz

Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2170 / B-1770 / C-1737

Richter-Kuhlmann, Eva A.

Die Isolierung ist momentan die einzige Handlungs­option, wenn akut psychisch Kranke sich selbst oder Dritte gefährden. Foto: Laif

Psychisch Kranke dürfen einem Urteil des Bundesgerichtshofs zufolge auch in einer akuten Krise nicht gegen ihren Willen behandelt werden. Für Ärzte bedeutet dies eine Erschwernis ihrer Tätigkeit. Eine gesetzliche Regelung soll nun Abhilfe schaffen.

Postpartale Depressionen sind zwar meist medikamentös gut zu behandeln. Doch eine 28-jährige Frau lehnt jegliche Behandlung ab. Sie hat die wahnhafte Vorstellung entwickelt, alles sei sinnlos und sie trage die Schuld an den Nöten in der Welt. Sie kündigt an, sich durch einen Sprung von der Brücke das Leben zu nehmen und ihr Neugeborenes mitzunehmen.

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Nach gegenwärtiger Rechtslage sei eine gerichtliche Unterbringung in einer Klinik möglich, nicht jedoch die Behandlung der Erkrankung, erklärte Prof. Dr. med. Peter Falkai, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, an diesem Beispiel. „Wir befinden uns im Dilemma zwischen einer als Körperverletzung gewerteten Zwangsbehandlung und unterlassener Hilfeleistung“, sagte er am 18. Oktober in Berlin.

Rechtsunsicherheit bei Ärzten

Die Fachgesellschaft fordert deshalb in einem Memorandum neue gesetzliche Regelungen für die Behandlung von nichteinwilligungsfähigen Menschen mit akuten psychischen Erkrankungen. Notwendig ist diese Forderung aus Sicht der Psychiater aufgrund der geänderten Rechtslage* infolge der UN-Behindertenkonvention sowie aufgrund von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts sowie des Bundesgerichtshofs. Dieser stellte am 20. Juni klar, dass eine medizinisch indizierte Behandlung gegen den Willen eines Patienten nicht mehr zulässig ist – auch nicht, wenn dieser einen Betreuer hat. „Das Urteil hat zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit bei der Klinikunterbringung und Zwangsbehandlung akut Erkrankter geführt“, erläuterte Falkai und verwies auf die Größenordnung des Problems: Erhebungen hätten ergeben, dass es sich bei etwa zehn Prozent der circa 1,2 Millionen Menschen, die in der Psychiatrie jährlich stationär behandelt werden, um sogenannte Unterbringungen handele – also um gerichtliche Klinikeinweisungen in akuten Krisensituationen gegen den Willen des Betroffenen. Das Gros dieser Menschen hätte in der Vergangenheit dann in eine medizinische Behandlung eingewilligt, aber etwa zehn Prozent wären auch gegen ihren Willen therapiert worden. „Das ist seit dem Sommer nicht mehr möglich. Betroffene müssten akute Psychosen oder Wahnphasen seitdem allein durch Isolation und Fixierung durchstehen“, berichtete der Präsident.

Die Psychiater und Psychiaterinnen wollten nicht die Selbstbestimmungsrechte psychisch kranker Menschen beschneiden, betonte Falkai. Doch für Krisenfälle solle via Gesetz eine mehrstufige Behandlungsstrategie möglich sein, die als letzte Option auch eine Zwangsbehandlung erlaube. Falkai schlug einen Maßnahmenkatalog vor, der Gespräche, die Gabe eines Schlafmittels oder – in einem dritten Schritt – die Verabreichung von Neuroleptika beinhalten könne.

Betroffene gegen Zwang

Der Patientenverband lehnt indes jegliche Zwangsbehandlungen ab. Auch Zwangsunterbringungen dürften nur in wenigen, gut geprüften Fällen zulässig sein, fordert Jurand Daszkowski, Vorstandsmitglied des Betroffenenverbandes PsychiatrieErfahrener. „Aber Zwangsbehandlung ist für uns immer inakzeptabel“, betonte er. Allein eine Patientenverfügung, mit der ein Betroffener vorab schon einer medikamentösen Behandlung in einer psychischen Krise zugestimmt habe, dürfe eine solche Therapie erlauben.

Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, kann die Sorgen der Betroffenen verstehen: „Selbstbestimmung ist das höchste Gut. Eine Ablehnung der Therapie muss akzeptiert werden, auch wenn sie für andere nicht nachvollziehbar ist“, sagte er. Andererseits müsse für die Ärzte Rechtssicherheit geschaffen werden. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung“, sagte er. Es könne nicht sein, dass es große Unterschiede bei der Unterbringung von psychisch Kranken in den einzelnen Bundesländern gebe. Hüppe geht davon aus, dass das Bundesjustizministerium bald einen Vorschlag vorlegt, der im Bundestag diskutiert wird.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

*Hintergründe dazu in DÄ, Heft 5/2012: Zwangsbehandlungen bei psychisch Kranken: Fixieren statt behandeln?

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mkohlhaas
am Donnerstag, 1. November 2012, 14:12

Daten-Blackout um Zwangsbehandlungen


http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/medizinethik/article/823059/regierung-ueberfragt-daten-blackout-zwangsbehandlungen.html
mkohlhaas
am Donnerstag, 1. November 2012, 13:23

Mal wieder Peter Falkeis konstruierte Fälle

Was will Peter Falkei denn mit der jungen Frau, in letzter Konsequenz, machen,
Sie nackt ans Bett binden und Ihr jeden Tag ein Neuroleptikum oder Antidepressivum reinwürgen.
Glaubt er wirklich, dass die Frau durch so eine Traumatisierung Ihren Lebensmut zurückbekommt.
Was will er in der Zeit mit dem Kind in der Zeit machen. Ins Säuglingsheim ??
Da ist doch erste Psychiatrieaufenthalt schon vorprogrammiert.
Das ist doch vollkommen daneben.
Natürlich muss man die Frau davon abhalten vom Hochhaus zu springen.
Aber doch nicht mit einer Zwangsbehandlung

Hinzu kommt das, das was Peter Falkei als "Behandlung" bezeichnet, nichts anderes ist als das Herumpfuschen im Hirnstoffwechsel mit folgenden grausamen Wirkungen

- Plötzlicher Herztod
- Malignes Neuroleptisches Syndrom
- Muskelverkrampfungen wie Zungenschlundkrämpfe, mit dem subjektiven Gefühl zu ersticken
- seelisch-geistige Abstumpfung und Einengung und Gefühlslehre viele fühlen sich wie „Roboter“
- Demenz
- Depressionen
- unbestimmte Angstzustände
- Einschränkung der Spontanbeweglichkeit, Zittern, kleinschrittiger Gang (Parkinsonsyndrom)
- Akathisie, der Unmöglichkeit, ruhig zu sitzen
- Spät-Dyskinesien – entstellende Bewegungsstörungen vor allem der Gesichtsmuskulatur,oft unheilbar sind
- vegetative Störungen, Herz-Kreislauf-Probleme, hormonelle Störungen
- Dämpfung der sexuellen Lust, Potenzstörungen,
- Gewichtszunahme, Diabetes
- 25-32 Jahren Lebensverkürzung durch psychiatrische Behandlung.

Dauermedikation, Gemeindepsychiatrie, Wohnheime und Behindertenwerkstätten tragen erfahrungsgemäß zu einer Ghettoisierung der Betroffenen bei.
Als Heilbehandlung kann dies nicht bezeichnet werden.
Ebenso wenig trägt die Medikation mit Neuroleptika zur sozialen Integration bei.
In vielen Fällen führen gerade Psychiatrie Erfahrene, die sich aus dem psychiatrischen System befreit haben, in vielen Fällen ein selbständiges erfülltes Leben.

Wie traumatisierend eine Zwangsbehandlung ist kann man hier

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/08/29/712/
http://www.freie-radios.net/50422
http://www.youtube.com/watch?v=dzbtXUUTydE
hier erfahren

Wie schnell man einen Betreuungsantrag am Hals hat hier:
http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/04/11/wunderheilung-in-der-stiftung-tannenhof-remscheid/

Aber es betrifft mittlerweile nicht nur Psychiatrie-Erfahrene sondern auch alte Menschen in Altersheimen
wie man hier

http://zoom.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/befc0476-9f54-36cb-bcb9-43012ec8ac62/20052355

nachlesen kann.

Den größten Unsinn verzapft Peter Falkai aber mit:
"Betroffene müssten akute Psychosen oder Wahnphasen seitdem allein durch Isolation und Fixierung durchstehen"

Menschen brauchen in dieser Situation weder das Anbinden ans Bett noch Isolation.
Ebenso brauchen sie keine Zwangsbehandlung mit Nervengiften.

In solchen Situation brauchen Menschen menschliche Zuwendung.

Wer dazu nicht Willens und in der Lage ist, ist in der Pflege und Behandlung von Menschen fehl am Platz.
Der sollte sich einen Job suchen wo er nichts mit Menschen zu tun hat.

Johannes Georg Bischoff
Diplom-Psychologe

Wohlfeil 3
67489 Kirrweiler

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