MEDIEN

Demenz: Die Perspektive des Kranken

Dtsch Arztebl 2012; 109(48): A-2424 / B-1979 / C-1938

Ludwig, Svenja

Ein 58-jähriger Akademiker verliert innerhalb von drei Jahren die meisten seiner sozialen Rollen. Definierte er sich bisher als erfolgreicher Unternehmer, entscheidungsfreudiges Familienoberhaupt und guter Sportsmann, ist ihm jetzt durch eine präsenile Demenz vom Alzheimer-Typ davon nichts übrig geblieben. Wie soll dieser Mann seinen Selbstwert aufrechterhalten, auf welche Säulen seine neue Identität bauen? Wie können Ärzte und Angehörige mit ihm umgehen, wie seine neue Welt begreifen und zugleich professionell sein, auch jenseits von Leitlinien? Viele fragen sich, was eine frühzeitige Diagnose bringt, wenn doch keine Therapie bereitsteht, was man machen soll, wo doch die meisten Antidementiva nicht kausal wirken.

Die Autoren um die Forschungsgruppe Geriatrie der Charité geben mit ihrem ausführlichen Praxishandbuch einen ausgezeichneten Überblick über die medizinischen, psychologischen und sozialen Aspekte der Demenzdiagnostik und die Versorgung von Kranken. Es geht ihnen um ein besseres Leben für alle Beteiligten. Dabei ist ihnen das zentrale Kriterium für ihr Buch die Perspektive des Kranken. Wie nimmt er Defizite wahr, wie bewältigt er Ängste?

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Die sorgfältig recherchierten und gut lesbaren Kapitel führen ein in die Erlebniswelt von Demenzpatienten, den Umgang mit ihnen, ihre Aufklärung und die therapeutischen Möglichkeiten in den verschiedenen Stadien. Sie erklären das Schmerzerleben, die Probleme bei fortschreitender Krankheit und nahendem Tod. Eine jedem Kapitel anhängende Auswahl von Literatur vervollständigt das Bild über die aktuelle Studienlage zu präventiven Maßnahmen, Leitlinien, rechtlichen Fragestellungen und relevanten Sozialleistungen. Das informationsreiche Handbuch überzeugt zudem mit einer Vielzahl von Fallbeispielen, die die Schwierigkeiten für medizinisches Personal anschaulich darstellen.

Wie geht man vor bei einer 78-Jährigen, die sich mit Merkfähigkeitsstörungen in der Gedächtnisambulanz vorstellt? Was unterscheidet sie von Herrn B., der Wortfindungsstörungen hat und seit geraumer Zeit eine depressive Störung? Wie sollte man die Demenz beim Morbus Parkinson behandeln, wie eine vaskuläre Variante? Was versteht man unter den klinisch-diagnostischen Konsensuskriterien einer Lewy-Body-Demenz?

Die Verfasser leiten durch dieses riesige Thema, ohne zu überfordern. Konrad Beyreuther spricht begeistert in seinem Vorwort von einem „ersten ganzheitlichen Ansatz zur Frage, was auf die Diagnosestellung folgen sollte“. Svenja Ludwig

Elisabeth Stechl, Catarina Knüvener, Gernot Lämmler, Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Gabriele Brasse: Praxishandbuch Demenz. Mabuse, Frankfurt am Main 2012, 336 Seiten, kartoniert, 37,90 Euro

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