MEDIEN

Palliativmedizin: Zwischen Tradition und aktueller Praxisrelevanz

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2472 / B-2025 / C-1981

Fetzner, Ulrich K.; Hölscher, Arnulf H.

Die Wurzeln der Palliativmedizin reichen in die mittelalterlichen Hospize zurück: „Guérir – quelquefois, soulager – souvent, consoler – toujour“ (Heilen – manchmal, lindern – oft, trösten – immer). Über die Cura palliativa des 16. Jahrhunderts und erste Euthanasieansätze des 19. Jahrhunderts werden heute die Londoner Kliniken St. Luke’s und St. Christopher’s als „Keimzentren“ der modernen Hospizmedizin gesehen. Die erste deutsche Palliativstation mit fünf Betten wurde vor gerade 30 Jahren am 7. April 1983 an der Kölner chirurgischen Universitätsklinik eröffnet, 1992 wurde das Dr.-Mildred-Scheel-Haus ebendort gegründet. Der erste Kongress der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin fand 1996 ebenso in Köln statt.

1997 erschien die erste Auflage des Buches, 1999 wurde in Bonn von dem Erstherausgeber der erste Lehrstuhl für Palliativmedizin in Deutschland gegründet. Diese Tradition des nun in der dritten Auflage vorliegenden Buches bürgt selbstredend auch für die Qualität. Das Buch bleibt bis dato das umfassendste, kompetenteste deutschsprachige Lehrbuch zum Thema.

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Mehr als 100 Autoren decken die Palliativmedizin in ihrer gesamten Breite ab. Sie sprechen zu Ärzten, Pflegenden, Physiotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern bis hin zu Seelsorgern. Das Buch ist Forum aller assoziierten Fachgesellschaften und deckt sämtliche Curricula ab. Unter den Autoren findet man neben Gründungsautoren zahlreiche jüngere, aktiv in die Klinikarbeit eingebettete Autoren. Das Buch schafft so gekonnt den Spagat zwischen Tradition und hochaktueller Praxisrelevanz. Der Text ist durchweg sehr wissenschaftlich gehalten, auch erkennbar an kapitelweiser Zitation der in die Tiefe führenden Originalliteratur. Ein sehr umfangreiches Sachverzeichnis rundet das Werk ab.

In dem trotz des Umfanges von mehr als 1 200 Seiten flüssig und schnell zu lesenden Werk schwingt allzeit eine gute Seele, welche dem Leser durchgängig vermittelt, dass Palliativmedizin nicht etwas Lästiges und Überflüssiges für den Kliniker ist oder etwa gar mit institutionalisierter Sterbehilfe gleichzusetzen ist: Die Palliativmedizin versteht sich als ganzheitliche, ärztlich geführte Behandlung und Begleitung von Patienten mit progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankungen mit begrenzter Lebenserwartung, welche auf kurative Behandlung nicht mehr ansprechen (WHO).

Fazit: Ein Buch, das nicht nur exzellente Sachkenntnisse vermittelt. Es ist ein großartiges Buch mit schwerer Historie, verfasst mit spürbarem Herzblut von den Pionieren der deutschen Palliativmedizin. Ein Buch, das für seine Verbreitung und Akzeptanz eigentlich keiner Besprechung bedarf. Unbedingt zu empfehlen.

Ulrich K. Fetzner, Arnulf H. Hölscher

Eberhard Aulbert, Friedemann Nauck, Lukas Radbruch: Lehrbuch der Palliativmedizin. 3. Auflage, Schattauer, Stuttgart 2011, 1392 Seiten, gebunden, 129 Euro

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