MEDIEN

Palliativmedizin: Abschied braucht Zeit

Dtsch Arztebl 2012; 109(50): A-2529 / B-2071 / C-2027

Hempel, Ulrike

„Ja, auch ich wünsche mir, genügend Zeit zum Abschied zu haben“, schreibt H. Christof Müller-Busch in seinem im August 2012 erschienenen Buch über Palliativmedizin und Ethik des Sterbens. Vielleicht gelingt es, so hofft er für sich und die Bleibenden, im Abschied Erinnerung zu finden, die dann für die Zukunft ein kostbarer Schatz wird. Müller-Busch selbst, bis 2008 Leitender Arzt am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe sowie Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, hat, so schreibt er, „von Sterbenskranken und Sterbenden in dieser Hinsicht viel gelernt“. Er bewahre diesen Schatz mit großer Sorgfalt.

Der persönliche Ton des Arztes, der an einigen Stellen bereitwillig Einsichten in sein Privatleben erlaubt, verdeutlicht, worum es Müller-Busch geht: Das vorliegende Buch ist ein Resümee seiner Erfahrungen im Umgang mit Sterbenden „sowie der Gedanken und Erkenntnisse, die mich zu der Überzeugung gebracht haben, dass durch die ,Wiederentdeckung’ des palliativen Gedankens in der Medizin ein wichtiger Schritt geleistet wurde, dem Thema Sterben und Tod in der Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert zukommen zu lassen – besonders auch im Hinblick auf die Bestimmung eines würdigen Sterbens“. Explizit wendet er sich an Angehörige und Begleiter schwerstkranker Menschen, aber auch an Studierende und Pflegende, die sich vielleicht zum ersten Mal mit einer Sterbesituation professionell konfrontiert sehen. Insofern verwundert es nicht, dass sich die Lektüre gelegentlich wie eine Lehrrede gestaltet, auch wenn Müller-Busch den Anspruch auf ein Lehrbuch, das alle Aspekte des Themas behandelt, nicht verfolgt.

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In 14 Kapiteln eröffnet der Palliativmediziner einen breiten Diskurs, der aktuelle Fakten darstellt und bei dem es nicht nur um die Frage geht: Was nutzt dem Patienten, und was will er? Im Respekt vor Autonomie, dem Recht des Schwächeren und der Dominanz des Stärkeren stellt sich auch die Frage: Kann das, was der Arzt tun möchte, gegebenenfalls mehr schaden als nutzen? Verantwortung in der Palliativmedizin bedeutet, Schaden und eine Verschlechterung der Lebensqualität zu vermeiden. Stets sollten die Werte und Vorstellungen der Menschen, um die es geht, der Schwerstkranken und Sterbenden, berücksichtigt werden.

Müller-Busch plädiert dafür, die Lebensqualität der Patienten in der letzten Lebenszeit zu fördern und ihnen die Möglichkeit für einen würdigen Tod zu geben. Schmerztherapie, Angstlinderung, Trost und Beistand für die Sterbenden und ihre Angehörigen gehören für den Autor ebenso zu einem guten Tod wie dem Tod Raum und Zeit zu geben. „Ich habe im Laufe der vielen Jahre in der Begleitung Sterbender gelernt, auf Zeichen zu achten, die den Beginn eines guten Sterbens ankündigen. Diese Zeichen möchte ich auch in mir finden, wenn die Zeit gekommen ist.“ Ulrike Hempel

H. Christof Müller-Busch: Abschied braucht Zeit. Palliativmedizin und Ethik des Sterbens. Suhrkamp, Berlin 2012, 295 Seiten, kartoniert, 10 Euro

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