POLITIK

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung: Angebote nehmen zu

Dtsch Arztebl 2013; 110(4): A-118

Meißner, Marc

Die Zahl der Verträge zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung stieg um 40 Prozent. Der Strukturaufbau ist auf einem guten Weg.

Die meisten Palliativpatienten wünschen sich, die ihnen verbleibende Zeit möglichst selbstbestimmt und in ihrem gewohnten Lebensumfeld – idealerweise zu Hause – zu verbringen. Dies erfordert ein professionelles Umfeld von Ärzten und Pflegern, die auf die Bedürfnisse des Sterbenden und seiner Angehörigen eingehen. Für besonders pflege- und behandlungsintensive Patienten soll dies durch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) gewährleistet werden. Ein Schwerstkranker wird dabei von einem spezialisierten Palliative Care Team betreut, das ihn nicht nur berät, sondern auch eine Palliativversorgung rund um die Uhr sicherstellt.

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Eingeführt wurde die SAPV 2007 mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz und der Auflage, dass ab 2009 der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) jährlich Berichte zur Entwicklung des SAPV-Leistungsgeschehens für die Bundesregierung verfasst. Trotz Förderung lief der Aufbau einer flächendeckenden Versorgung langsam an: Ende 2010 hatten die Krankenkassen 123 Verträge mit Leistungserbringern für die SAPV geschlossen. Der Deutschen Stiftung Patientenschutz zufolge ist damit nur ein Viertel der Betroffenen versorgt.

Zahl der Abrechnungsfälle und Verträge steigt deutlich

Der aktuelle Bericht über die SAPV-Leistungsentwicklung im Jahr 2011 zeigt allerdings, dass der Strukturaufbau an Fahrt aufgenommen hat: Hatten die Kassen im zweiten Halbjahr 2010 gerade einmal 13 neue Verträge geschlossen, waren es 2011 insgesamt 53. Dies reicht sicher noch nicht für eine flächendeckende Versorgung, aber die Zahl der Verträge ist 2011 immerhin um mehr als 40 Prozent gestiegen. Darüber hinaus wurden Ende 2011 nach Angaben des GKV-Spitzenverbands über weitere 55 Verträge Verhandlungen geführt, die bis zum Stichtag für den Bericht noch nicht abgeschlossen waren.

Auch bei den ärztlichen Vertragspartnern sind Fortschritte zu erkennen. So stieg die Zahl der Ärzte mit einer Zusatz-Weiterbildung in Palliativmedizin 2011 um fast ein Viertel von 5 147 auf 6 415.

Besonders deutlich wird die Entwicklung der SAPV bei den Verordnungen. Diese nahmen 2011 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent zu. Das spiegelt sich auch in den Kosten wider: Lagen die Ausgaben der Kassen für ärztliche und pflegerische Leistungen 2010 für etwa 29 000 Abrechnungsfälle noch bei knapp 48 Millionen Euro, mussten sie 2011 für circa 47 000 Fälle fast 85 Millionen Euro zahlen.

Ein Augenmerk ist bei den Berichten des G-BA auf die SAPV von Kindern und Jugendlichen gerichtet. Auch hier ist die Zahl der Behandlungsfälle seit 2009 deutlich gestiegen. Allein 2011 gab es mit 267 Leistungsfällen etwa 40 Prozent mehr Kinder und Jugendliche in SAPV als im Vorjahr. Da die meisten Verträge für Erwachsene geschlossen werden, wird die Palliativversorgung von Minderjährigen häufiger über Kostenerstattung abgewickelt. Nach Angaben der Krankenkassen ist die Zahl der Kostenerstattungen in diesem Bereich nun rückläufig, was auf den Ausbau von SAPV-Strukturen für Kinder und Jugendliche zurückzuführen sein könnte. Ende 2011 gab es elf Verträge zwischen Ärzten und Kassen, die speziell für Minderjährige abgeschlossen wurden.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

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