TECHNIK

Krankenhaus: Sicherheit für demente Patienten

Dtsch Arztebl 2013; 110(10): A-462 / B-410 / C-410

Krüger-Brand, Heike E.

Als „Wohnzimmer“ eingerichteter Aufenthaltsraum im Albertinen-Haus, Hamburg. Foto: dpa

Die Betreuung von Demenzpatienten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen erfordert ein umfassendes Risikomanagement.

Bis 2050 erwarten Experten, dass sich die Anzahl von derzeit 1,4 Millionen Demenzpatienten nahezu verdoppelt. Eine Folge davon ist, dass in Krankenhäusern zunehmend mehr demente Patienten betreut werden müssen. Darauf sind die Einrichtungen jedoch nicht ausreichend vorbereitet. „50 Prozent der Patienten in den Krankenhäusern sind älter als 60 Jahre, mehr als zwölf Prozent davon sind dement. Daher müssen unsere Krankenhäuser künftig ein wesentlicher Teil der Versorgungskette von Menschen mit Demenz werden“, erklärte Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wilhelm Stuhlmann, der Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V.*

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Laut Stuhlmann gibt es bundesweit bislang nur circa 30 Krankenhäuser mit einer eigenen Demenzstation. Viele Patienten dekompensieren erst während ihres stationären Aufenthalts, weil sie sich dort nicht an die Abläufe in einer für sie unüberschaubaren Umgebung gewöhnen können. Bei einem Teil der Patienten ist zudem die Demenz bei der Aufnahme nicht bekannt. Dies ist vor allem bei Notfällen problematisch. Bei Verdacht auf Demenz sollte das Krankenhaus ein Screening durchführen, empfahl der Experte. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könne die Einrichtung besser für die Sicherheit des Patienten sorgen und so Regresse vermeiden.

Die Betreuung von Demenzpatienten erfordert ein umfassendes Risikomanagement und die Ausrichtung der Technik und der architektonischen Gestaltung an den speziellen Bedürfnissen dieser Patienten. Menschen mit Demenz sind in bestimmten Fähigkeiten eingeschränkt, so beispielsweise in der dreidimensionalen Wahrnehmung. Schatten etwa können sie nicht mehr zur räumlichen Orientierung nutzen. „Handelt es sich um eine Stufe oder nur um einen Farbunterschied? Für einen Dementen ist das nicht zu unterscheiden“, erläuterte Stuhlmann. Ein Risikomanagement muss dies berücksichtigen und beispielsweise sichere, geschützte Bereiche in der Einrichtung schaffen, die gut ausgeleuchtet (500 Lux) und vor allem auch schattenfrei sind. Sturzereignisse und andere Eigen- und Fremdgefährdungen lassen sich dadurch verringern. Hüftprotektoren reduzieren zusätzlich das Risiko eines Oberschenkelhalsbruches Stuhlmann zufolge um 80 Prozent.

Dem Bewegungsdrang Raum geben

Ein weiteres Merkmal ist das ständige Erleben von Unruhe und ein ausgeprägter Bewegungsdrang bei dementen Patienten. Das Laufen hat dabei viele Aspekte: Häufig handelt es sich um ein „Weglaufen-Wollen“, etwa aus Ratlosigkeit, Überforderung oder fehlendem Reizschutz. Ebenso kann es ein „Hinlaufen“ sein – der Patient will nach Hause oder zur Arbeit gehen. Laufen zu dürfen, sei für diese Patienten daher wichtig, damit sie Unruhe abbauen können, meinte Stuhlmann. Gleichzeitig trage dies zum Erhalt ihrer Selbstbestimmung und zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen bei. Außerdem verbessere Tagesaktivität die Nachtruhe.

Lösungsmöglichkeiten, um den Bewegungsdrang aufzufangen, bieten Rundwege und der gezielte Einsatz von Farben, Kontrasten und Beleuchtung. „Gelbtöne werden besser wahrgenommen als Rot- oder Blautöne“, meinte Stuhlmann. Zudem laufen die Menschen ins Helle, nicht ins Dunkle. Beachtet werden müsse auch das „Sundowning“-Phänomen: Nachmittags und abends werden viele Patienten unruhiger.

Technische Assistenz im Hintergrund

Ebenso wichtig ist die Ausstattung mit Orientierungshilfen und einem „weichen“ Sicherungssystem (optische Barrieren, akustische Signale). Eine automatisierte Alarmauslösung beim Passieren von gesicherten Türen verhindert zum Beispiel, dass sich verwirrte Personen unbemerkt entfernen können, und entlastet dadurch das Pflegepersonal. Ein Betten-Monitoring mit Sensor-Druckmatten, automatischer Beleuchtung und Benachrichtigung bei ausbleibender Rückkehr des Patienten ins Bett ermöglicht bei Bedarf eine schnelle Intervention durch die Pflegekräfte. Mit Transpondersystemen auf Basis von RFID- und Infrarottechnik sowie Echtzeit-Lokalisierungssystemen ist es zudem möglich, dem Patienten Bewegungsfreiheit innerhalb festgelegter Schutzzonen zu geben.

Heike E. Krüger-Brand

* Vortrag auf dem Messestand von ADT und Total Walther, Medica 2012

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