66 Artikel im Heft, Seite 43 von 66

MEDIZIN: Diskussion

Einfluss durch unterstützende Rückmeldungen

Influence of Supporting Feedback

Dtsch Arztebl Int 2013; 110(12): 211; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0211a

Moreno, Beatrice

Die Implementierung klinischer Leitlinien in den medizinischen Versorgungsalltag gilt als zentrale Forderung zur zukünftigen Ausgestaltung der Qualitätssicherung. Die von den Autoren dargestellte aktive Dissemination der evidenzbasierten Pfade über zeitnahe Rückmeldungen schafft eine praxisnahe Ergänzung zur heutigen retrospektiv dominierten Praxis der nationalen Qualitätssicherungsverfahren (1). Der Umfang und die Inhaltsdichte der verfügbaren Leitlinien hoher methodischer Güte erfordern allerdings neue Wege ihrer praktischen Umsetzung in der Fläche über flexibilisierte und fallbezogene Workflows (2). Wenn Leitlinienwissen allein – wie in der Studie zurecht hingewiesen – keinen nennenswerten Einfluss auf das individuelle Therapieverhalten ausübt, sollten geeignete Rückmeldungen den behandelnden Arzt auf das Verlassen des Leitlinienkorridors aufmerksam machen.

Unterstützende Rückmeldungen durch intelligente softwaretechnische Lösungen finden einen zunehmenden klinischen Einsatz. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Nutzer IT-gestützter Systeme die Rückmeldungen mit Hinweisen auf das Verlassen des Pfades einfach „wegklicken“ kann und dürfen sollte. Die erfolgte Pfadverletzung wird jedoch bei nahezu allen Systemen dokumentiert und kann später im Rahmen der reflektierenden Qualitätssicherung in geeigneter Weise ausgewertet werden. Es bleibt außer Frage, dass eine enge und kontinuierliche Diskussion über die Pfadtreue mit einem fachlich respektierten und anleitenden Arzt von hohem Wert ist. Daraus ist jedoch nicht die Schlussfolgerung „entweder oder“, sondern „sowohl als auch“ zu ziehen. IT-gestützte Systeme sollen nicht fachlich anleitende Ärzte ersetzen, sondern diese in ihrem Bemühen um Qualität durch Bereitstellung stets wachsender Datenmengen mit Patientenbezug unterstützen.

Die Arbeit von Steinacher und Mitarbeiter ist als ein Schritt in die richtige Richtung zu werten.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0211a

Dr. med. Beatrice Moreno MPH, MSc
Information und Dokumentation im
Gesundheitswesen GmbH & Co. KGaA, Berlin
B.Moreno@id-berlin.de

Interessenkonflikt

Die Autorin ist wissenschaftliche Leiterin für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „SIMPLE–Semantisch fundierte Implementierung klinischer Leitlinien“.

1.
AHRQ: Enabling Health Care Decisionmaking through Clinical Decision Support and Knowledge Management. Evidence Report/Technology Assessment No. 203. 2012.
2.
Greiner U, Müller R, Rahm E, Ramsch J, Heller B, Löffler M:
Protocol-based medical treatment using adaptive workflows.
Methods Inf Med 2005; 44: 80–8. MEDLINE
3.
Steinacher B, Mausolff L, Gusy B: The effects of a clinical
care pathway for schizophrenia—a before and after study in 114 patients. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(46): 788–94 VOLLTEXT

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
66 Artikel im Heft, Seite 43 von 66

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTM PDF 
11 / 2014 4 1
10 / 2014 2 0
9 / 2014 9 0
8 / 2014 3 0
7 / 2014 3 0
6 / 2014 4 0
2014 62 10
2013 215 29
Total 277 39

Leserbriefe

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in