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Bundeskongress Gendergesundheit: Es darf geforscht werden

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-585 / B-521 / C-521

Rieser, Sabine

Etliche Männer gingen vermutlich lieber zur Untersuchung ihrer Prostata als zu einem Gender-kongress. Ausführliche Diskussionen über die Notwendigkeit von geschlechtsspezifischer Medizin und geschlechtsspezifischen Gesundheitsversorgungsangeboten erscheinen aber nicht nur ihnen, sondern auch manchen Frauen als säuerlicher Ableger von Feminismus- und Quotenfrauendebatten.

Dabei sind Genderfragen im Gesundheitswesen ein spannendes Feld für Frauen und Männer. Vernachlässigte Studiendaten und männerdominierte Gremienarbeit sind das eine, interessante Forschungsfragen und Aufbruchstimmung das andere. Das zeigte im November bereits der Kongress „Gendermedizin“ an der Berliner Charité, veranstaltet vom dortigen Institut für Geschlechterforschung in der Medizin, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin (www.gendermed.info). Das belegte Ende März auch der 1. Bundeskongress Gendergesundheit in Berlin, den Dr. Martina Kloepfer veranstaltete, die seit längerem rund um das Thema bloggt (www.female-resources.blogspot.de).

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„Gendermedizin orientiert sich ganz klar an beiden Geschlechtern und sucht eine optimale Therapie für beide“, betonte die Kardiologin Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek, Charité, beim Bundeskongress. Einfach ist das nicht, denn es fehlen Studien oder die Bereitschaft, vorhandene geschlechtsbezogene Daten auszuwerten und zu veröffentlichen. Nur ein paar Beispiele: Nach Darstellung von Regitz-Zagrosek behandeln Ärztinnen Diabetikerinnen und Diabetiker teilweise anders als Ärzte. Sie erklären beispielsweise notwendige Diätmaßnahmen besser. Auswertungen des Chronikerprogramms Diabetes hätten zudem ergeben, dass einbezogene Frauen schlechter versorgt würden als Männer. Die entsprechenden Daten seien bis heute aber nicht publiziert, kritisierte die Ärztin.

„Es geht nicht um einen Kampf Frauen gegen Männer“, stellte sie klar. Bei Krankheiten wie Osteoporose oder Depression seien Männer „das benachteiligte Geschlecht“. Ihnen wird weniger präventive Aufmerksamkeit gewidmet, manche Medikamente stehen ihnen nicht zur Verfügung, beide Diagnosen liegen Ärztinnen und Ärzten bei Männern ferner als bei Frauen – ohne böse Absicht. Es ist also im Interesse beider Geschlechter, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genauer hinsehen, wie und womit Frauen und Männer versorgt werden. Fortschritte gibt es durchaus.

So verwies Dr. Beate Wieseler, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, darauf, dass inzwischen mehr Frauen als früher in Arzneimittelstudien einbezogen würden. Prof. Dr. Gerd Glaeske, Universität Bremen, betonte, der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen kümmere sich seit langem um Unter-, Über- und Fehlversorgung. Dank entsprechender Versorgungsforschung sind deshalb bestimmte Fragestellungen bearbeitet, eben auch solche zu geschlechtsspezifischen Versorgungsaspekten.

Sabine Rieser, Leiterin der Berliner Redaktion

Kongressfazit? Die Benachteiligung von Frauen darf man nicht übersehen. Grundsätzlich geht es bei der Genderdebatte im Gesundheitswesen aber, so wie bei der um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um gute Lösungen für Frauen und Männer. Dr. med. Christoph Straub, Barmer-GEK, formulierte es so: „Eigentlich wollen wir eine angemessene Medizin.“

Sabine Rieser
Leiterin der Berliner Redaktion

Leserkommentare

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Norwegen
am Donnerstag, 25. April 2013, 17:55

Männer - Depression

Ein Artikel zum Thema - Depression

Das Fazit des Männergesundheitsberichts 2013 ist, dass psychische Erkrankungen bei Männern oft unzureichend diagnostiziert und behandelt werden. Psychische Leiden sind bei Männern immer noch ein Tabu. Depressionen vieler Betroffener bleiben unbehandelt.

Männer - traurig, krank und depressiv

http://www.mz-web.de/gesundheit/krankheiten-maenner---traurig--krank-und-depressiv,20643030,22573620.html
Meinung
am Sonntag, 31. März 2013, 19:00

Es darf geforscht werden

Hallo Frau Rieser,

ich glaube Sie haben Humor.

"Etliche Männer gingen vermutlich lieber zur Untersuchung ihrer Prostata als zu einem Gender-kongress."

Die weiße privilegierte Frau mit dem Opfer-Abo, naja, das ist schon irgendwie komisch.
Wahrscheinlich reizt es auch gelegentlich Ihre Lachmuskulatur, aber das Lachen soll ja, rundum gesund sein.
Könnten auch Männer öfter mal lachen, dann hätten sicherlich weniger Depressionen und die Suizidrate, wäre auch bei Männern niedriger. Dass diese einfach nur nicht einsehen wollen, dass sie zu dem privilegierten Geschlecht Mann gehören, dürfen wir sicher als Ursache ausschließen.

Aber ich sehe, dass ich mir keine Sorgen machen muss - "Gendermedizin orientiert sich ganz klar an beiden Geschlechtern und sucht eine optimale Therapie für beide“, ...

Kongressfazit? Die Benachteiligung von Frauen darf man nicht übersehen. Grundsätzlich geht es bei der Genderdebatte im Gesundheitswesen aber, so wie bei der um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um gute Lösungen für Frauen und Männer. Dr. med. Christoph Straub, Barmer-GEK, formulierte es so: „Eigentlich wollen wir eine angemessene Medizin.“

Also, ich stelle mir einen Genderkongress so vor -

Alle neigen bedächtig ihre Häupter und sprechen nun, die magische Formel: »Die Benachteiligung von Frauen darf man nicht übersehen.«
Nach diesem religiösen Akt, folgt: Es darf geforscht werden.

Sollten Sie innerlich doch anderer Meinung sein, als es hier verlautbart wird, dann muss es wohl ein Geheimnis zwischen uns bleiben.
Das Stichwort lautet: Fördergelder

Wir werden schon von merkwürdigen Leuten regiert.

Der Feminismus; ausgebrühtet von offensichtlich misogyn und homosexuell veranlagten Frauen, wird zur Staatsreligion.

Als ob das nicht schlimm genug wär, zwingt man noch, vernünftige und intelligente Frauen wie Sie dazu, so ein Ding namens »Gender« als seriöse Wissenschaft darzustellen. Stichwort: Fördergelder

Da sehen Sie, dass es in unserer noch immer jungen Demokratie, erheblichen Nachbesserungsbedarf gibt.
Oder anders gesagt, wer verlangt, dass alle auf eine pseudo Religion schwören müssen, der macht in der Sache, der - Demokratie - sicher etwas falsch.
Unsere Politiker sind ...



Norwegen
am Samstag, 30. März 2013, 16:57

Zusätzliche Plätze für Männer nach Gender-Auswertung

Nachtrag - Allgemeine Recherche im Internet

Med-Uni: Extraplätze nach Protest gegen Gender-Auswertung

Um Proteste nach der Gender-Auswertung zu vermeiden, sollen nun 60 Studenten doch noch einen Studienplatz in Wien erhalten.

Wien. Bis zum Höchstgericht wollen Studenten gehen, die trotz eines guten Aufnahmetests keinen Platz für ein Medizinstudium in Wien bekommen haben. Denn das Testergebnis wurde heuer genderspezifisch ausgewertet, was Frauen bevorzugte. Diese Art der Testauswertung ist rechtlich aber höchst umstritten. Nun kündigt sich in dem schwelenden Streit ein Kompromiss an. http://femokratie.com/zusaetzliche-plaetze-maenner-gender-auswertung/09-2012/

Norwegen
am Samstag, 30. März 2013, 16:28

Gendertheorie – nach der Mann und Frau gleich sind

Aus für Gender...

……zumindest für die staatliche Genderforschung des Nordic Institut ab 2012 mit einem ursprünglichen Jahresbudget von 56 Millionen. Wie war das möglich? Ein intelligenter Komiker mit einem Kamerateam stellte Genderexperten einfache Fragen. Mit ihren Antworten kam eine Lawine ins Rollen, mit Folgen auch für die deutsche Szene……. – Hier ist die Geschichte: http://agensev.de/agens-meint/aus-fur-gender-mit-updates/

Schon recht allgemeine Nachforschungen im Internet ergeben, dass es sich bei «Gender» um eine sehr fragwürdige Ideologie handelt.
S. Schroeder
am Freitag, 29. März 2013, 23:31

Vordergründig

Liebe Frau Rieser,
Generforschung ist grundsätzlich profeministisch. Auch wenn auf derartigen Kongressen eine Ausgewogenheit vorgewinselt wird, so stellt sich bei näherer Betrachtung ganz schnell das Gegenteil raus. Wie sind denn unsere 200 Genderlehrstühle besetzt? Wer saß bei der Vergabe der Mittel in Schlüsselposition? Füttern Sie eine Internetsuchmaschine mal mit diesen Namen! Jungs werden im Bildungsbereich seit Jahren massiv benachteilig. Auch hier wird ein Genderprogramm zur "Beseitigung" aufgefahren und als Abhilfemaßnahme verkauft. Schauen Sie sich doch mal diese Maßnahmen mit -wachem- Auge an! In der medizinischen Forschung sieht dies nicht anders aus! Oder glauben Sie wirklich, dass man den männlichen Depressionen oder der imens höheren Suizidrate wirklich auf den Grund gehen will? Man wird hier Ergebnisse - ebenso wie in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt (Tipp: schauen Sie sich mal die Arbeitslosenquoten der Männer unter 25 Jahren an) - schon zu verschleiern wissen. Mich - und viele andere, schauen Sie auch hier mal aufmerksam die einschlägigen Internetseiten an - kotzt diese Scheinheiligkeit an.

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