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DDR-Medikamententests: Sachsens Kammerpräsident fordert Aufklärung

Dtsch Arztebl 2013; 110(21): A-1012 / B-884 / C-880

Gerst, Thomas

Kammerpräsident Jan Schulze verlangt eine Diskussion über die Entschädigung der Opfer. Foto: Svea Pietschmann

Für die Durchführung von Arzneimittelstudien gab es nach DDR-Recht ähnliche Vorgaben wie in den westlichen Ländern. Darauf hat der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, im Zusammenhang mit kürzlich bekanntgewordenen Medikamententests in der DDR für westliche Pharmafirmen hingewiesen. Alle Medikamententests in der DDR hätten den üblichen Standards für klinische Studien unterlegen. Dazu hätten auch eine umfangreiche mündliche und schriftliche Aufklärung sowie die Einwilligung des Patienten gehört.

Sollte ein Arzt damals diese Aufklärung nicht durchgeführt oder der Patient nicht eingewilligt haben, so habe sich der Arzt, der den Patienten gleichwohl im Rahmen einer Arzneimittelstudie behandelt habe, auch nach DDR-Recht strafbar gemacht. Schulze fordert eine lückenlose Aufklärung, wenn Patienten damals tatsächlich ohne ihr Wissen für Medikamententests missbraucht worden seien. Zudem müsse über eine Entschädigung der Opfer oder deren Angehöriger diskutiert werden, wenn es zu körperlichen Schäden oder gar zu Todesfällen gekommen sein sollte.

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Am Universitätsklinikum Jena nahm mittlerweile eine Expertenkommission, die zur strukturierten Aufarbeitung der mutmaßlichen Medikamententests in der DDR am Klinikstandort Jena beitragen soll, die Arbeit auf. Auf der Grundlage einer damaligen Medikamentenprüfung aus dem Zeitraum 1983 bis 1990 soll modellhaft untersucht werden, ob und in welchem Umfang Patienten in Jena beteiligt waren. TG

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