VARIA: Personalien
Gestorben
Dtsch Arztebl 1998; 95(49): A-3164 / B-2682 / C-2490


Monsignor Dr. Silvano Fain - Viele tausend Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland, Österreich und
anderen Ländern und ihre zahlreichen Familienangehörigen und Begleiter haben ihn im Laufe der Jahrzehnte
während unserer über 50 Fortbildungskongresse als einen Mittelpunkt Grados schätzengelernt: Monsignor Fain,
den Erzpriester der ehrwürdigen Basilika S. Eufemia. Nun ist er am 19. September nach einem Sturz gestorben.
Er wurde 77 Jahre alt.
Bei unseren beiden jährlich in Grado veranstalteten Fortbildungskongressen hielt Monsignor Fain ein festliches
Hochamt im Pontifikalen Ritus für die Kongreßteilnehmer mit einer auch an diese gerichteten besonderen
Ansprache, in denen er oft die biblischen Worte aus dem Buch Jesus Sirach zitierte: "Ehre den Arzt, wie es ihm
zukommt, seinen Diensten gemäß, denn auch ihn hat der Herr erschaffen. Von Gott hat der Arzt die Weisheit . . .
Das Wissen des Arztes erhöht sein Haupt und bewundert wird er bei Fürsten." Hervorgehoben wurden aber
ebenso auch die ethischen Verpflichtungen des Arztes, nicht zuletzt dann, wenn Heilung nicht mehr möglich sei.
Chor und Orchester der Basilika haben diese Festmessen mit ihrer spontanen Musizierfreude zu unvergeßlichen
Erlebnissen werden lassen, die auch viele nicht katholische Kolleginnen und Kollegen berührten - bis hin zur
Gradeser "Nationalhymne" "Madonnina del mare", mit der jedes dieser Hochämter schloß (und das schließlich
auch die deutschen Besucher mitsingen konnten).
Zu den Zeiten von Professor Dr. med. Albert Schretzenmayr, dem Begründer der Fortbildungskongresse der
Bundesärztekammer in Grado - wie in Davos, Badgastein und Montecatini -, ist das herzliche Verhältnis
zwischen Ärztinnen und Ärzten in Grado und der Basilika und ihrem personalen Umfelde - Volk und Hirten -
geprägt worden. So kam es auch zu den Spenden der Kolleginnen und Kollegen (und des Deutschen ÄrzteVerlages) für die Erneuerung denkmalpflegerisch sicherer Glasfenster der Basilika.
Unvergeßlich sind die Abende klassischer Musik in der Basilika, die Monsignor Fain nach der Abendmesse auf
Langspielplatten geboten hat. Die Türen waren offen, jeder hatte Zutritt. Unvergessen aber auch die bei unseren
Kongressen wirkenden "Gradeser Ärzte-Orchester": Mit den mitgebrachten Instrumenten und an der Orgel übten
Ärztinnen und Ärzte, um in der zweiten Kongreßwoche ein Konzert in der Basilika zu bieten.
Die warmherzig-gastfreundliche Atmosphäre, die Persönlichkeit dieses Priesters - eine Gradeser Institution -
wird den Gradesern und den Teilnehmern des Grado-Kongresses fehlen.
Monsignor Fain wurde am 19. Juni 1921 in Cormons im Friaul geboren. Nach seiner Priesterweihe am 3. Juni
1944 studierte er Bibelwissenschaften in Rom, wurde promoviert, kam im Februar 1957 in das MetropolitanKapitel des Bistums Görz/Gorizia und im gleichen Jahr nach Grado. Mit dem Amt an der Basilika waren
Erinnerungen an die weit über ein Jahrtausend lange Würde des Patriarchats Grado/Aquileia verbunden.
Am 23. September wurde Monsignor Fain, begleitet von Tausenden Gradesern und unter dem Tuten der
Schiffs-Sirenen, nicht zuletzt der Fischerboote, zu Grabe getragen, ein Priester, der priesterliche Würde und
volkstümliche Freundlichkeit in seltener Weise vereinte.
Dr. med. Paul Erwin
Odenbach, Köln
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.