MEDIEN

Ärztliche Ethik: Sensibilität für das Individuelle

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2142 / B-1890 / C-1841

Salomon, Fred

Die Verlautbarungen der Bundesärztekammer (BÄK) zu Themen ärztlicher Arbeitsfelder sind wegweisend für die Ärzteschaft und die öffentliche Debatte. In dem vorliegenden Werk analysiert der Autor, Theologe und Arzt, in dem „Set von Handlungsregeln“ die ethischen Aspekte. Er erwartet kein einheitliches ethisches Konzept. Es handelt sich vielmehr um eine „Patchwork-Ethik“, die dennoch ärztliches Denken und Handeln maßgeblich beeinflusst.

Die Verlautbarungen repräsentieren nur einen Teil von Medizinethik, sie sind dennoch ein wichtiger Beitrag zur ärztlichen Ethik. Die Studie konzentriert sich exemplarisch auf Texte zum Lebensanfang und Lebensende. Der Autor stellt den historischen und gesellschaftlichen Rahmen dar, aus dem sie erwachsen sind. Das umfasst das Dritte Reich, Entwicklungen in der Bundesrepublik, DDR und Europa sowie markante Rechtsprechungen. Fußnoten liefern viele Details. Hilfreich ist die Übersicht über die Struktur der Ärztekammer, ihre Gremien und die unterschiedlichen Verbindlichkeiten der Stellungnahmen der BÄK.

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Die Analyse richtet den Blick auf die Entwicklung der Aussagen im Laufe der Zeit und vergleicht sie mit Positionen außerhalb Deutschlands. Kliesch arbeitet die ethischen Positionen heraus, die sich mit ethischen Begriffen – Würde, Wohl, Autonomie – benennen lassen und auch durch neue medizinische Termini ethische Anliegen besser verstehbar machen (zum Beispiel „Therapiezieländerung“ als Ausdruck einer Weiterversorgung bis zum Lebensende).

Im Vergleich mit kirchlichen Verlautbarungen findet Kliesch „eine große Kongruenz von EKD und BÄK, die beide eine gewisse Sensibilität für das Individuelle aufrechterhalten“. Die Verlautbarungen lassen eine Einheitlichkeit unter den Ärzten vermuten, die aber so nicht besteht. Kliesch appelliert an die BÄK, auch die differenten Positionen der Ärzteschaft zu nennen: „Dissense auszuklammern, kann nicht mehr als zeitgemäß gesehen werden.“

Das hervorragende Buch zeigt die Entwicklung ethischer Positionen in der deutschen Ärzteschaft und ihre Rolle im gesellschaftlichen Diskurs. Fred Salomon

Fabian Kliesch: Das Ethos der Bundesärztekammer. Edition Ruprecht, Göttingen 2013, 456 Seiten, gebunden, 74 Euro

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