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VARIA: Geschichte der Medizin

Schicksale jüdischer Ärzte: Spätes Gedenken

Dtsch Arztebl 1999; 96(3): A-140 / B-116 / C-112

Klinkhammer, Gisela

In einer Erklärung erinnerte die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Pädiater.
Die Namen von 708 verfolgten, vertriebenen und ermordeten Kinderärzten enthielt das Programmheft einer Gedenkveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGfK). Die Pädiater erinnerten Ende letzten Jahres in Dresden an die Schicksale ihrer jüdischen Kollegen (dazu Deutsches Ärzteblatt, Heft 50/1998).
Ein spätes Gedenken, wie die Gesellschaft selbst feststellte: "Sehr lange hat die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zu ihrer eigenen Vergangenheit in der Zeit des Nationalsozialismus geschwiegen." So habe die DGfK erst auf ihrer 90. Jahrestagung im Jahr 1994 die Last der Vergangenheit thematisiert. Ein Jahr später beschloß sie, eine Dokumentation beim Institut für Geschichte der Medizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Auftrag zu geben. Sie sollte "die Rolle der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde in der Zeit des Nationalsozialismus kritisch reflektieren und den Schicksalen ihrer jüdischen Kolleginnen und Kollegen nachgehen".
Die ersten erschütternden Ergebnisse stellte Prof. Dr. med. Eduard Seidler, emeritierter Direktor des Freiburger Instituts für Geschichte der Medizin, vor: Danach wurde bereits im April 1933 den niedergelassenen Ärzten die Zulassung bei den Krankenkassen entzogen. Fast über Nacht verloren die meisten ihre Existenzgrundlage. Zahlreiche jüdische Kinderärzte wichen der Gewalt und emigrierten ins Ausland. "Wir wissen von vielen, die im letzten Moment Suizid begingen, um der Deportation zu entgehen, und wir kennen bisher 63 Kinderärztinnen und Kinderärzte, die den Weg in die Vernichtungslager des Ostens antreten mußten", berichtete Seidler. 1938 wurde den noch verbliebenen Ärzten die Approbation entzogen.
Vor diesem Hintergrund gab der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin folgende Erklärung ab:


"Die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde hat in der Zeit des Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen:
1 Herausragende Fachvertreter haben sich der politisch verhängnisvollen Doktrin der Rassereinheit und der völkischen Gesundheitspolitik der nationalsozialistischen Jugendführung zur Verfügung gestellt.
1 Die Mehrzahl der deutschen Kinderärztinnen und Kinderärzte jener Generation hat die Zerstörung der Existenz von über 700 jüdischen oder politisch mißliebigen Kolleginnen und Kollegen widerstandslos geduldet. Sie und auch die Angehörigen der unmittelbaren Nachkriegsgeneration haben dazu geschwiegen.
1 Dieses öffentlich festzustellen und zu bedauern, aber vor allem die Erinnerung an die Schicksale unserer politisch verfolgten, vertriebenen und ermordeten Kolleginnen und Kollegen für zukünftige Generationen wachzuhalten, ist das besondere Anliegen dieser Gedenkstunde."
Die Gesellschaft wies darauf hin, daß die Erklärung "die Last der Vergangenheit nicht vergessen machen lassen kann; sie ist überhaupt nicht vergessen zu machen, sondern anzunehmen". Kli


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