KULTUR

Heilkraft der klassischen Musik: Bach und Mozart gegen Bluthochdruck

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2493 / B-2197 / C-2115

Klinkhammer, Gisela

Studien beweisen, dass Musik das vegetative Nervensystem beeinflusst und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann.

Weihnachten ist auch die Zeit der klassischen und besinnlichen Musik. Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium beispielsweise erklingt in zahlreichen Kirchen und Konzerthäusern und sorgt immer für volle Häuser. Musik hat aber auch Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie senkt die Herzfrequenz und den Blutdruck, beruhigt die Atmung und reduziert Stresshormone, wie neuere Studien zeigen. Welche Musik bei Bluthochdruck geeignet ist und wie sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann, erläuterten Experten auf dem Kongress der Deutschen Hochdruckliga in Münster.

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Studien zeigten, dass Musik das vegetative Nervensystem beeinflusst. „Dadurch kommt es zu emotionalen, aber auch hormonellen Veränderungen“, erläuterte Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Herne. „Nicht nur die Gemütslage kann sich positiv oder negativ verändern. Dadurch, dass das vegetative Nervensystem auch das Herz-Kreislauf-System kontrolliert, hat die Musik indirekten Einfluss auf die Herz- und Atemfrequenz sowie den Blutdruck.“ Klassische Musik besitze die stärkste Heilkraft.

Doch jeder Komponist und jede Kompositionsform hat Trappe zufolge unterschiedliche Effekte auf das Herz-Kreislauf-System. So sei vor allem Musik von Bach, Mozart, Händel, Corelli, Albinoni und Tartini bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlenswert. Eine Studie mit 60 Probanden an der Universitätsklinik Marienhospital Herne unter Trappe zeigte, dass beispielsweise Bachs Orchestersuite Nr. 3 den Blutdruck um durchschnittlich 7,5 zu 4,9 mmHg senkt. Auch die Herzfrequenz ging um etwa sieben Schläge pro Minute zurück. Nach der Beschallung stiegen der Blutdruck und die Herzfrequenz bei den Teilnehmern hingegen wieder an. „Interessanterweise konnten wir auch Blutdrucksenkungen bei Heavy-Metal-Musik nachweisen“, ergänzte Trappe. Da nicht jede Musikrichtung jedem Menschen gefalle, seien immer individuelle Vorlieben zu berücksichtigen. „Dennoch haben sich bestimmte Musikrichtungen bei bestimmten Erkrankungen bewährt“, betonte Trappe.

Dass Musik bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als „Medikament“ etabliert werde, hänge von weiteren Untersuchungen ab. Welche Musik bei welchen Erkrankungen sinnvoll ist und welche Entspannungsübungen helfen, den Blutdruck zu reduzieren, erklärte Trappe vor Journalisten (Kasten).

Gisela Klinkhammer

@Informationen: www.hochdruckliga.de/mit-musik-den-blutdruck-senken.html

Welche Musik wann?

Nicht jede Musik gefällt jedem Menschen. Außerdem spielt die körperliche, geistige und seelische Verfassung eine entscheidende Rolle zusammen mit äußeren Einflüssen, Lebensalter und aktueller Lebenssituation. Dennoch haben sich verschiedene Musikrichtungen bei bestimmten Erkrankungen bewährt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Tomaso Albinoni

Adagio g-moll für Orgel und Streicher

Johann Sebastian Bach

Brandenburgische Konzerte (BWV 1046−1051)

Kantate 147 (Herz und Mund und Tat und Leben) (BWV 147)

Air (aus der Orchestersuite Nr. 3) (BWV 1068)

Das wohltemperierte Klavier (alle Fugen) (BWV 846−869)

Arcangelo Corelli

Adagio

Georg Friedrich Händel

Wassermusik

„Ankunft der Königin von Saba“ (aus dem Oratorium „Salomon“)

Wolfgang Amadeus Mozart

Andante und Variationen G-Dur für Orgel zu vier Händen (KV 501)

Giuseppe Tartini

Adagio cantabile

Förderung der Konzentration, Hilfe bei Depressionen

Johann Sebastian Bach

Englische und französische Suiten (schnellere Sätze)

Toccata und Fuge d-moll (BWV 565)

Ludwig van Beethoven

Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur (op. 58)

Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 94

Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte (schnellere Sätze)

Arie „Dies Bild ist bezaubernd schön“ (aus der Oper „Zauberflöte“) (KV 620)

Domenico Scarlatti

Sonaten

Antonio Vivaldi

Konzerte für Streicher und Cembalo

Charles Marie Widor

Toccata (aus der Orgelsinfonie Nr. 5, op. 42)

Entspannung, Stärkung des Immun- und Nervensystems

Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen (BWV 988)

Ludwig van Beethoven

Mondscheinsonate (op. 27, Nr. 2)

Klavierkonzerte Nr. 4 G-Dur (op. 58)

Frédéric Chopin

Fantasie-Impromptu (op. 66)

Nocturnes

Claude Debussy

La Mer

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 40 g-moll, 2. Satz (KV 550)

Maurice Ravel

Klaviertrio a-moll

Camille Saint-Saëns

Symphonie Nr. 3 c-moll (op. 78)

Quelle: Deutsche Hochdruckliga

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