POLITIK

1. Deutscher Pflegetag: Aufbruchstimmung

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): A-156 / B-136 / C-132

Osterloh, Falk

Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sind Pflegekräfte bislang wenig organisiert und nicht selbstverwaltet. Der Deutsche Pflegerat will das ändern.

Hat viel vor: Andreas Westerfellhaus will die Pflegekräfte in Deutschland besser organisieren. Foto: dpa

Etwas Besonderes war es ohnehin – war es doch der 1. Deutsche Pflegetag, den es je gegeben hat. Speziell wurde es darüber hin- aus jedoch auch durch die Stimmung, die in der Luft lag: Aufbruchstimmung. „In der Berufsgruppe hat ein immenser Wandel stattgefunden. Sie ist sich ihres Wertes bewusst. Sie ist willens und in der Lage, sich selbst zu verwalten“, rief der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, den 1 500 Besuchern des Pflegetages am 23. Januar in Berlin zu. „Unser Angebot an die Politik ist, konstruktiv mitzugestalten. Denn nie wieder dürfen wir die Weiterentwicklung unseres Berufsbildes anderen überlassen.“

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Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag auf eine Pflegereform verständigt, mit der sowohl ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff umgesetzt als auch dem System etwa sechs Milliarden Euro mehr zugeführt werden sollen. „Es reicht nicht zu überlegen, wie eine Pflegereform aussehen kann und wie viel Geld man dafür braucht“, betonte Westerfellhaus hingegen. „Wenn man am Ende nicht die Leistungserbringer hat, die diese Leistungen sicherstellen, wird jede Reform im Ansatz verpuffen. In erster Linie erwarteten die Pflegenden dabei mehr Kollegen, damit sie die Leistungen, zu denen sie angetreten seien, an den Menschen erbringen könnten. „Und wir müssen wegkommen von der Minutenpflege“, sagte Westerfellhaus. „Denn die Minutenpflege macht krank.“

Zusammen mit dem AOK-Bundesverband und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund hat der Pflegerat ein Positionspapier verfasst. Darin fordern die Verbände Strukturen, die den Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglichen. Dazu gehörten wohnortnahe Beratungs- und Dienstleistungsstrukturen sowie Alternativen zur häuslichen Pflege wie Wohngemeinschaften, Generationenwohnen, kleine stationäre Einrichtungen, betreutes Wohnen sowie sinnvolle technische Unterstützungssysteme.

Die Attraktivität des Pflegeberufes solle zudem durch eine Weiterentwicklung der Aufgabenfelder professioneller Pflegefachkräfte gesteigert werden, „insbesondere durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Durchführung der Modellprojekte zur Heilkundeübertragung“. Diese seien ein geeignetes Mittel, die Kooperation der Berufe im Gesundheitswesen und damit auch die Arbeitszufriedenheit der Beteiligten zu verbessern und Versorgungsengpässe aufzufangen.

Ursprünglich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, auf dem 1. Deutschen Pflegetag zu sprechen, um die politische Bedeutung des Themas hervorzuheben. Nach ihrer Beckenverletzung wurde sie durch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vertreten, der die ausgestreckte Hand Westerfellhaus’ ergriff. „Ich nehme Ihr Angebot zur Zusammenarbeit gerne an“, sagte Gröhe. „Denn wir brauchen die Ideen gerade der beruflich pflegenden Menschen aus allen Versorgungsbereichen.“ Die Bundesregierung werde die Pflege zu einem klaren Schwerpunkt ihrer Arbeit machen. „Ich werde mich in dieser Legislaturperiode für Verbesserungen für unsere Pflegeberufe mit ganzer Kraft einsetzen“, versprach der Minister. „Denn eine Abwanderung aus diesem Bereich können wir uns nicht länger leisten.“ Zahlreiche Vorhaben im Pflegebereich sind im Koalitionsvertrag festgehalten. Einige weitere nannte Gröhe am 27. Januar der „Rheinischen Post“: So sei geplant, die Ausbildungszahlen in der Altenpflege bis zum Jahr 2015 um 30 Prozent zu erhöhen. 4 000 Pflegehelfer sollen dabei zu Fachkräften weiterqualifiziert werden.

Falk Osterloh

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