POLITIK

Krankenhäuser: Gröhe will mehr Pflegekräfte

Dtsch Arztebl 2014; 111(7): A-248 / B-216 / C-208

Hibbeler, Birgit

Foto: iStockphoto

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will sich für eine bessere Personalausstattung in den Krankenhäusern einsetzen. Doch bei der Frage, wie das gehen soll, rudert er zurück.

Die Große Koalition will die pflegerische Versorgung in den Krankenhäusern verbessern. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ sollen Kliniken künftig dafür belohnt werden, wenn sie eine ausreichende Zahl von Pflegekräften beschäftigen. Sie sollen mehr Geld erhalten als Einrichtungen mit knapper Personalausstattung. Dazu gebe es Verhandlungen mit dem „Bundesfinanzministerium und anderen Beteiligten“, zitierte die Zeitung Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). „Gute und fachkundige Behandlung ist nur möglich, wenn Pflegekräfte und Ärzte nicht dauerhaft überlastet sind“, betonte Gröhe.

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Zuschläge aus Steuermitteln?

Wird es also in Zukunft neben der Vergütung durch Diagnosis Related Groups (DRGs) einen Zuschlag für Pflegepersonal aus dem Bundeshaushalt – also aus Steuermitteln – geben? Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) dementierte auf Anfrage den Bericht über die angeblich bereits laufenden Verhandlungen. Stattdessen verwies das BMG auf den Koalitionsvertrag. Darin hatten Union und SPD vereinbart, dass in der DRG-Kalkulation die Personalkosten – insbesondere in der Pflege – „in ausreichender Höhe und Gewichtung“ berücksichtigt werden sollen. Details zur konkreten Ausgestaltung wollte das Ministerium nicht nennen. „So weit sind wir noch nicht“, sagte ein BMG-Sprecher.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßte unterdessen die Pläne, mehr Geld für Pflegepersonal zur Verfügung zu stellen. „Nur wenn tarifliche und sonstige Personalkostensteigerungen der Kliniken eins zu eins erstattet werden, kann der Rationalisierungsdruck auf die Personalkosten in den Krankenhäusern beendet werden“, erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Auch Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR) ist froh, dass endlich eine Diskussion über die Personalausstattung in Gang kommt. „Wir brauchen dringend mehr Pflegefachkräfte in deutschen Krankenhäusern“, forderte Westerfellhaus. Das Personal sei vielerorts ausgeblutet, die Arbeitsverdichtung hoch. Die wachsenden Aufgaben müssten mit immer weniger Personal erledigt werden. „Die Pflege wird vielfach als Kostenverursacher gesehen, die Ärzte werden mit Produktivität verbunden“, kritisierte er. Seien Unternehmensberater in Kliniken unterwegs, werde regelmäßig das größte Einsparpotenzial bei den Personalkosten in der Pflege identifiziert. Tatsächlich ist die Zahl der Pflegekräfte in den vergangenen Jahren gesunken (Kasten). Die Zahl der Ärzte hat im gleichen Zeitraum deutlich zugenommen.

DRGs bilden Pflege nicht ab

Für Westerfellhaus liegen die Gründe auch in der derzeitigen Krankenhausfinanzierung. Der Pflegeaufwand werde in den DRGs nicht angemessen abgebildet, Erlöse nicht zielgerichtet der Pflege zugeordnet. So werde für die Abrechnung nur unzureichend berücksichtigt, ob zum Beispiel ein Patient mit Oberschenkelhalsbruch wenig Pflegebedarf habe oder hochgradig dement sei. „Das gibt das DRG-System nicht her“, sagte er. Maßnahmen wie der seit 2012 existierende Pflegekomplexmaßnahmen-Score hätten die Situation nicht verbessert.

Westerfellhaus fordert, es müssten dringend Instrumente für die Vergütung entwickelt werden, die einen ausreichenden Personalschlüssel ermöglichten. Denn aktuell sieht er beim Pflegepersonal eine Stagnation beziehungsweise einen Rückgang. Das Sonderprogramm Pflege habe allenfalls eine vorübergehende Entspannung bewirkt. Die grundsätzlichen Probleme in der Krankenhausfinanzierung seien ungelöst. So kämen viele Bundesländer ihrer Verantwortung etwa für Investitionen nicht nach.

Einen festen Personalschlüssel für Pflegekräfte in Kliniken gibt es bisher nicht. Insofern bleibt die Frage: Wie viel Personal ist ausreichend? Offen ist auch, woher es kommen soll. Die Bundesagentur für Arbeit hat in ihrer aktuellen Fachkräfteengpassanalyse für die Gesundheits- und Krankenpflege einen Fachkräftemangel in allen westdeutschen Bundesländern (außer Bremen) und Berlin ermittelt. Anzeichen für Fachkräfteengpässe gibt es nahezu bundesweit.

Dr. med. Birgit Hibbeler

Klinikpersonal

Die Zahl der Pflegekräfte ist in den vergangenen Jahren gesunken. 1991 arbeiteten etwa 326 000 Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern. 2012 waren es nur noch 313 000 (umgerechnet in Vollkräfte).

Ein Tiefpunkt wurde 2007 mit 298 000 Pflegekräften erreicht. Seitdem hat sich die Lage entspannt. Durch ein Pflegesonderprogramm stand von 2009 bis 2011 eine Milliarde Euro für zusätzliche Pflegestellen zur Verfügung.

Anders die Situation bei den Ärztinnen und Ärzten in Krankenhäusern: Ihre Zahl wuchs seit 1991 kontinuierlich – von 95 000 auf 143 000 im Jahr 2012 (umgerechnet in Vollzeitkräfte). Ein Grund dafür ist die veränderte EU-Arbeitszeitgesetzgebung.

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