VARIA: Personalien
Gotthard Schettler
Dtsch Arztebl 1996; 93(20): A-1358 / B-1139 / C-1064


Am 19. April, kurz nach Vollendung seines 79. Lebensjahres, starb in Heidelberg Prof. Dr. med. Dr.
med. h. c. mult. Gotthard Schettler, emeritierter Lehrstuhlinhaber und Direktor der Medizinischen
Universitätsklinik Heidelberg (Ludolf-Krehl-Klinik).
In Falkenstein im Vogtland geboren und nach dem Medizinstudium in Leipzig, Wien und Tübingen war er
zunächst Assistent im Institut von Erich Letterer in Tübingen. Mit seinem klinischen Lehrer Prof. H. E. Bock
ging er nach Marburg, und von dort wurde er nach kurzer Zeit als Chefarzt der Krankenanstalten Bad
Cannstatt an die II. Medizinische Universitätsklinik der Freien Universität nach Berlin berufen. 1963 folgte er
nach Ablehnung der Rufe nach Mainz und Marburg dem Ruf auf den Lehrstuhl der Medizinischen
Universitätsklinik nach Heidelberg. Hier hat er in der Tradition von Ludolf Krehl und in der Nachfolge von
Richard Siebeck und Karl Matthes sein modernes Konzept der Inneren Medizin entwickelt. Seine in Tübingen
sowohl in der Pathologie als auch in der Biochemie begonnenen Forschungen über die Beziehung von
Blutfetten und Arteriosklerose verschafften ihm schnell internationale Reputation. Er wies bereits zu einer Zeit
auf die Bedeutung des Cholesterins für die Veränderung der Gefäßwand hin, als noch kaum ein Forscher diese
Zusammenhänge ahnte. Seine Arbeiten, die in den ersten Jahren nicht ohne Widerspruch geblieben sind, haben
die Entwicklung der Atheroskleroseforschung bis zum heutigen Tage richtungweisend beeinflußt. Als
akademischer Lehrer an der Universität in Heidelberg lag ihm die Ausbildung seiner Studenten besonders am
Herzen. Seine Lehrbücher der Inneren Medizin wurden Standardwerke. Der Berliner Kongreß für ärztliche
Fortbildung geht auf ihn zurück und zeigte von 1962 bis 1990 seine Handschrift. Gotthard Schettlers
Einladung zu solchen Fortbildungsveranstaltungen folgten nationale und internationale Wissenschaftler von
hohem Rang. Lange Jahre war Schettler auch Mitglied der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion des
"Deutschen Ärzteblattes" in Köln.
Das wissenschaftliche Werk Gotthard Schettlers und seine Person wurden durch zahlreiche Ehrungen
ausgezeichnet. So war er Ehrendoktor der Universitäten München, Edinburgh, Padua, Montpellier, der Freien
Universität Berlin, der Semmelweis-Universität Budapest und der Universität Kingston/ Ontario, Kanada. Er
war Träger zahlreicher Verdienst- und Ehrenmedaillen und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes der
Bundesrepublik Deutschland mit Stern. Er war Träger der Paracelsus-Medaille. Wenige Tage vor seinem Tod
wurde anläßlich der Eröffnung der 102. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden
Gotthard Schettler die höchste Auszeichnung dieser Gesellschaft – die Gustav von Bergmann-Medaille in Gold
– verliehen. Gotthard Schettler war einer der großen Ärzte unserer Zeit, der durch sein Wirken entscheidend
zum Ansehen der Inneren Medizin beigetragen hat. Er hat den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland
durch Knüpfung internationaler Kontakte, insbesondere in die USA, gefördert. Studenten, ehemalige
Mitarbeiter, die große Zahl seiner Schüler, seine vielen Freunde in nahezu allen Ländern der Welt und seine
Patienten trauern um diesen großen Arzt und Wissenschaftler. Ihnen allen wird Gotthard Schettler fehlen.
Heiner Greten, Hamburg
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