VARIA: Schlusspunkt
Grünkohl
Dtsch Arztebl 1999; 96(10): [56] / [56] / [56]


"Otto Schily, Innenminister, ist neuer Grünkohlkönig", war kürzlich der Tagespresse zu entnehmen.
Wundert mich zwar - Schily und Grünkohl -, aber wird schon stimmen. Schließlich steht es schwarz auf weiß
geschrieben. Kaum lese ich aber Grünkohl, muß ich unbedingt an den schachspielenden Kollegen Dr. Hehn
denken. Konditionierter Reflex, nicht mehr rauszubringen. Ist er etwa auch ein Grünkohlliebhaber? Das nein,
aber er kommt von dort, aus Grünkohl, und fügt, damit es sich für alle Zeiten einpräge, hinzu: "Grünkohl wie
Rotkraut!" Doch plötzlich überkommen mich Zweifel, sicherheitshalber prüfe ich es nochmals nach. Und siehe
da - confusio totalis grünkohlis in meinem Hirn. Dr. Hehn kommt in Wirklichkeit aus Grünkraut. Wie Rotkohl.
Liegt übrigens bei Ravensburg.
Aber zurück zu Otto Schily. Der war früher linker Verteidiger beim Fußball. Schon mal sehr sympathisch. Vor
allem aber spielt er gern Schach: "Ich finde, es ist ein sehr friedliches Spiel. Man gibt sich vorher und nachher
die Hand." Nanu, was machen Politiker denn sonst mit ihrer Hand? Doch nicht
gar einen Dolch halten? Schon als Kind erlernte er das Schachspiel: "Während des 2. Weltkriegs habe ich mit
meinem großen Bruder um Lebensmittelmarken gespielt. Heute betreibe ich Schach nur zur Freude." Die Phase
des Broterwerbs ist also vorbei, der reine homo ludens geblieben. Der - auch beim Schach - gerne Bauern und
mehr opfert: "Das ist der schönste Sieg, wenn sie etwas ins Geschäft gesteckt haben und dadurch gewinnen."
Leider liegt mir keine seiner Partien vom letzten Politikerturnier in Berlin vor, bei dem er unter anderem die
Klingen mit Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker kreuzte. Sehr wohl aber eine Stellung, die sein
Vorgänger im Amt, Manfred Kanther, bei einem Empfang im Römer anläßlich des "Frankfurt Chess Classic"
gegen den indischen Vize-Weltmeister Viswanathan Anand zum Matt führte.
Zugegebenermaßen bekam Manfred Kanther diese Stellung mit Weiß am Zug und der Vorgabe "Matt in 2
Zügen" bereits auf dem Präsentierteller, freute sich dann aber um so mehr, als ihm der Geistesblitz kam. Wie
ging’s?
Lösung:
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