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Ärztetag: Unaufgeregt und konstruktiv

Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): A-1031 / B-879 / C-831

Flintrop, Jens

Die Ärztetagswoche Ende Mai in Düsseldorf verlief eher unaufgeregt: keine öffentlich ausgetragenen innerärztlichen Streitigkeiten, keine Abstimmungsergebnisse, die die Arbeit des Vorstands der Bundesärztekammer (BÄK) diskreditiert hätten, und auch keine Störfeuer vonseiten der Krankenkassen in Richtung der Ärzteschaft, wie es in den Vorjahren durchaus üblich war. Größter Aufreger in den Medien war ein Beschluss der Delegierten, mit dem der Gesetzgeber aufgefordert wird, im Falle der Regelung einer Vierwochenfrist für Facharzttermine eine Ausfallentschädigung für von Patienten nicht wahrgenommene Termine zu implementieren. Es ging konstruktiv zu in Düsseldorf.

Vom heftigen Streit, den der Ärztetag im Vorjahr über die Einführung einer ambulanten Pflichtweiterbildung ausgetragen hatte, war in der Düsseldorfer Stadthalle kaum noch etwas zu spüren. Am damals mühsam gefundenen Kompromiss – „Ja“ zum Ausbau der ambulanten Weiterbildung, „Nein“ zur Pflicht – wurde nicht gerüttelt. Deutlich wurde vielmehr, dass Marburger Bund und Kassenärztliche Bundesvereinigung zunächst gemeinsam für eine zusätzliche Finanzierung der Weiterbildung kämpfen wollen, damit die ambulante Weiterbildung tatsächlich wie von beiden gewünscht ausgebaut werden kann. Hier fordert der Ärztetag einen Systemzuschlag auf alle ambulant und stationär abgerechneten Fälle. Die ärztliche Weiterbildung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe („Zusätzliches Geld für zusätzlichen Aufwand“ in diesem Heft).

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Ein klassisches Aufregerthema bei Deutschen Ärztetagen ist auch die überfällige Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Unstrittig ist: Das Gebührenverzeichnis ist veraltet, der Punktwert seit 18 Jahren unverändert. Doch was ist die beste Strategie, um dies zu ändern? Die BÄK-Führungsspitze hat sich – auf sanften politischen Druck hin – entschieden, mit der privaten Krankenversicherung ein abgestimmtes Konzept für eine GOÄ-Reform auszuhandeln. Dies setzt eine gewisse Vertraulichkeit in der Verhandlungsführung und ebenfalls Zugeständnisse an die Kostenträger voraus, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass Bund und Länder die GOÄ-Novellierung auch tatsächlich umsetzen. Der Ärztetag fordert mehr Transparenz bei den GOÄ-Verhandlungen und einen vorgezogenen Inflationsausgleich, trägt den Kurs des BÄK-Vorstands ansonsten aber mehrheitlich mit („Keine Ausreden mehr“).

Jens Flintrop, Stellv. Leiter der politischen Redaktion

Auch für die weitere Arbeit in der für den Aufbau der Telematikinfrastruktur verantwortlichen Betriebsgesellschaft gematik stärkt der Ärztetag dem BÄK-Vorstand mehrheitlich den Rücken. Das ist nach den Erfahrungen der Vorjahre alles andere als selbstverständlich. Wie bei der GOÄ-Reform ist der BÄK-Vorstand ebenfalls bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte überzeugt, dass es für die Belange der Ärztinnen und Ärzte zielführender ist, mit den Kostenträgern über die Konditionen zu sprechen, als dies komplett zu verweigern. Nach dem Sachstandsbericht über die Zusammenarbeit mit der gematik scheint diese Strategie aufzugehen („Ärztliche Expertise wichtiger denn je“).

Ein deutliches Signal an die Öffentlichkeit, dass den Ärztinnen und Ärzten letztlich vor allem die Gesundheit der Menschen am Herzen liegt, sendete der Ärztetag mit seinen Beschlüssen zu den Themen Prävention („Ein integraler Bestandteil ärztlicher Tätigkeit“), öffentlicher Gesundheitsdienst („Die dritte Säule darf nicht bröckeln“) und Schmerzmedizin („Wenn der Schmerz zur Qual wird“).

Jens Flintrop
Stellv. Leiter der politischen Redaktion

Leserkommentare

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isnydoc
am Mittwoch, 11. Juni 2014, 00:22

Sich über den Deutschen Ärztetag aufregen?

Tja, warum sollte man das ... die gute alte GOÄ haben doch alle schon verinnerlicht, warum soll man sie denn dann "kostenneutral" auch noch anpassen?
Hat da jemand sonst nichts zu tun oder weshalb denn das bloß?
Wie kann man denn überhaupt auf die Idee kommen, den jährlichen Höhepunkt der demokratischen Ärztevertretung ... das geheiligte Ärzteparlament der Funktionärs-Nomenklatura - anzuzweifeln?
Dieses Sakrileg wagt wer denn überhaupt hierzulande?

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