Auch die bayerischen Kassenärzte kehren wieder zur pauschalierten Gesamtvergütung zurück. Eine
Allianz der Heilberufe formiert sich zum Protest gegen Bonn.
Nur ein Quartal konnten die bayerischen Kassenärzte Regelleistungsvolumen abrechnen. Die neue
Honorierungsform, in die sowohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung als auch die Kassenärztlichen
Vereinigungen der Länder große Hoffnungen gesetzt hatten, ist durch das GKV-Solidaritätsstärkungsgesetz der
neuen Regierung bundesweit wieder abgeschafft worden. Die Regelleistungsvolumen sollten die starren
Honorarbudgets ablösen und den zusätzlichen Leistungsbedarf wenigstens abgestaffelt vergüten.
Die bayerische KV war die erste und schließlich auch einzige, die noch im vergangenen Jahr eine Vergütung
nach Regelleistungsvolumen mit den Krankenkassen vereinbaren konnte. Die Regelung galt seit dem vierten
Quartal 1998 - und wird jetzt wohl auslaufen. Zwar haben die Krankenkassen der KV Bayerns eine Fortsetzung
der Vergütung nach Regelleistungsvolumen angeboten - jedoch nur unter Budgetbedingungen.
Für Dr. med. Lothar Wittek ist das nicht akzeptabel. "Das ginge eindeutig zu Lasten der Kassenärzte", sagt der
bayerische KV-Vorsitzende. Sollten die niedergelassenen Ärzte mit ihren Abrechnungen das festgesetzte Budget
überschreiten, entfiele die Honorierung der überschießenden Leistungen. Im umgekehrten Falle, bei einer
Unterschreitung des Budgets, profitierten hingegen alleine die Krankenkassen. Wittek: "Da ist uns schon der
vom Gesetz vorgesehene doppelte Grundlohnzuwachs lieber."
Der bayerische KV-Vorsitzende wirft der neuen Bundesregierung vor, sie habe eine perspektivenreiche Option
vorzeitig beendet, so daß nun wieder ausschließlich der Mangel verwaltet werden könne. Die bayerischen
Kassenärzte müßten nun wieder damit leben, daß sie - im Unterschied zu den Regelleistungsvolumen - zum
Zeitpunkt der Leistungserbringung nicht wüßten, wieviel Geld sie dafür bekämen.
Aus Sicht der KV Bayerns sind mit dem GKV-Solidaritätsstärkungsgesetz jedoch nicht nur die
Regelleistungsvolumen aufgehoben. Auch alle anderen Verträge mit den Krankenkassen, die durch das Gesetz
"eingedeckelt" würden, seien jetzt nichtig und müßten neu verhandelt werden. Die Anrufung der Schiedsämter
sei dabei nicht auszuschließen.
200 000 Unterschriften gegen die Bonner Politik
Unterdessen verstärkt sich in Bayern der Protest gegen die neue Gesundheitspolitik. Seit Beginn dieses Jahres
haben bayerische Kassenärzte mehr als 200 000 Unterschriften von Patienten gesammelt. Auf Initiative der KV
hat sich ferner eine Allianz der Heilberufe gegründet, die sich "Bündnis für Gesundheit in Bayern" nennt. Neben
den Kassenärzten wirken die Zahnärzte, Apotheker, Physiotherapeuten, Masseure und Arzthelferinnen mit.
Die Angehörigen der Heilberufe kritisieren hauptsächlich die Budgetierung im Gesundheitswesen. Damit seien
unweigerlich Einschränkungen der medizinischen Versorgung verbunden. Welche Leistungen künftig den
Patienten vorenthalten werden müssen, sei eine von der Politik zu treffende Entscheidung. Josef Maus
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