POLITIK

Demenz: Vom Problemfall zur Chance

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2100 / B-1782 / C-1711

Richter-Kuhlmann, Eva

Bislang bedeuten Demenzpatienten eine Störung des normalen Krankenhausalltags. Pilotprojekte erproben Verbesserungen.

Honig im Kopf“ heißt der ab Weihnachten in den Kinos laufende deutsche Film, der zeigt, dass Demenz mehr als nur eine Erkrankung ist. Demenz ist eine Herausforderung für die Familie und die gesamte Gesellschaft. Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr in Medizin und Öffentlichkeit durch. „Das Thema ist auch in der Politik angekommen“, sagte Andreas Storm (CDU), Ende Oktober noch Gesundheitsminister des Saarlandes, beim Forum der Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen zum Thema Demenz „Vom Problemfall zur Chance“ in Berlin. Wie man die Versorgung von hochbetagten und demenzerkrankten Patienten im Krankenhaus verbessern könne, beschäftige derzeit die Bund-Länder-Kommission für die Krankenhausreform.

Krankenhausreform: Diskutiert wird auch der Einsatz von „Demenzbegleitern“ im Krankenhaus. Foto: dpa
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„In der Pflege und auch in der Krankenversorgung sollte man sich auf die Demenz konzentrieren. Hier sind zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen nötig“, ist Storm überzeugt. Der Mehrbedarf bei der ärztlichen und pflegerischen Versorgung müsse in den DRGs abgebildet werden. Aber auch eine Finanzierung über den geplanten Innovationsfonds sei denkbar, meinte Storm. Dort sollen gerade auch Netzwerke gefördert werden. Storm zeigte sich optimistisch, dass zielgerichtet auf das Thema Demenz Lösungen gefunden werden können.

Der Altenbericht der Bundesregierung bezeichnet die Demenz als „eine der häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter, die neben außergewöhnlichen Belastungen für Betroffene und Pflegende mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist.“ Aber neben Geld sind auch neue Ideen gefragt. Mittlerweile gibt es einige Initiativen, die die Lebens- und Versorgungssituation demenzkranker Menschen und ihrer Angehörigen verbessern sollen. Erst im Sommer haben Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Agenda „Gemeinsam für Menschen mit Demenz“ unterzeichnet. Die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ist einer der Arbeitsschwerpunkte der Demografiestrategie der Regierung.

Etabliert haben sich bereits vielerorts lokale Allianzen für Menschen mit Demenz, von denen das Bundesfamilienministerium in Abstimmung mit den Ländern bundesweit 500 fördern will. „Im Saarland haben wir es als erstes Bundesland geschafft, flächendeckend in allen Landkreisen lokale Allianzen zu etablieren, berichtete Storm. Kommunen, Vereine, Mehrgenerationenhäuser und Ärzte bildeten die Netzwerke und unterstützten Demenzkranke und ihre Familien. Zudem existieren bundesweit niederschwellige Angebote, die meist auf den Ausbau von Unterstützungsangeboten für die häusliche Versorgung zielen.

Krankenhäuser sind kaum auf Demente eingerichtet

Zunehmend geraten jetzt auch die Krankenhausversorgung von Menschen mit Demenz und die damit verbundenen Herausforderungen in den Blick: „Angesichts der demografischen Entwicklung ist gerade auch dort mit einem starken Anstieg der Krankenzahlen und damit der Anzahl demenziell erkrankter Krankenhauspatienten zu rechnen“, sagte Storm. Bislang seien jedoch die Abläufe im Krankenhaus kaum auf die Probleme und Bedürfnisse von dementen Patienten eingestellt. „Wir brauchen dringend eine diesbezüglich verbesserte Infrastruktur im Krankenhaus“, forderte Storm. Bestehende Pilotprojekte zur sektorübergreifenden Versorgung müssten breit übertragen werden. „Bis 2015 soll eine umfassende Demenz-Strategie für das Saarland stehen“, erklärte der Gesundheitspolitiker. Als kleinstes Bundesland habe es einen hohen Anteil an hochbetagten Menschen. Storm: „Viele bundesweit erst kommende Probleme sind bei uns bereits Alltag.“

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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