POLITIK

Vergütung in der Pflege: Eintausend Euro Differenz

Dtsch Arztebl 2015; 112(6): A-222 / B-192 / C-188

Osterloh, Falk

Mit Hilfe einer Studie wurde ermittelt, wie viel Fachkräfte und Helfer in der Alten- und Krankenpflege verdienen, aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Das Ergebnis: Sowohl die Unterschiede zwischen Kranken- und Altenpflege als auch zwischen den Bundesländern sind sehr hoch.

Die Diskussion über den Fachkräftemangel in der Pflege wird emotional geführt – zum einen, weil abzusehen ist, dass der Mangel in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich größer werden wird. Und zum anderen, weil jeder weiß, dass er eines Tages selbst davon betroffen sein könnte. Einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion wollte nun der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, leisten. Beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) hat er eine Studie über die Vergütung in Auftrag gegeben, die in der Pflege gezahlt wird.

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Der Unterschied ist groß

Zu einer Entemotionalisierung der Diskussion können die in der Studie ermittelten Zahlen jedoch nicht beitragen. Denn der Unterschied in der Vergütung zwischen der Alten- und der Krankenpflege ist groß. So verdient eine Fachkraft in der Altenpflege in Ostdeutschland im Mittel 1 945 Euro brutto pro Monat und damit fast ein Drittel weniger als eine Fachkraft in der Krankenpflege, die 2 738 Euro erhält. In Westdeutschland beträgt die Differenz etwa ein Fünftel: Fachkräfte in der Altenpflege verdienen hier 2 568 Euro, Fachkräfte in der Krankenpflege 3 139 Euro (siehe Grafik). Die hohe Lohnschere zwischen Fachkräften in der Kranken- und in der Altenpflege sei „nicht vernünftig zu begründen“, kommentierte Laumann bei der Vorstellung der Studie Ende Januar in Berlin.

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Große Unterschiede gibt es in der Vergütung zwischen der Alten- und der Krankenpflege, aber auch im Vergleich zu der Vergütung aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB).

Auch die regionalen Unterschiede in der Vergütung von Pflegekräften sind groß. Während Fachkräfte in der Altenpflege in Baden-Württemberg 2 735 Euro brutto verdienen und in Bayern 2 709 Euro, sind es in Sachsen lediglich 1 784 Euro und in Sachsen-Anhalt 1 743 Euro. Neben einem deutlichen West-Ost-Gefälle gibt es dabei auch ein Süd-Nord-Gefälle. „Ich kritisiere nicht, dass Fachkräfte in Bayern mehr verdienen als in Sachsen-Anhalt“, betonte Laumann. Denn die Löhne müssten ja mit denen anderer Fachkräfte in der Region vergleichbar sein. „Wenn in allen Bundesländern die Fachkräfte der Altenpflege gegenüber vergleichbaren anderen Fachkräften bis zu 19 Prozent weniger verdienen, läuft aber etwas falsch“, meinte er.

Flächendeckend faire Löhne

Laumann erklärte jedoch zugleich, dass eine Erhöhung der Löhne nicht Sache der Politik sei, sondern der Tarifvertragspartner: „Wir brauchen in der Altenpflege endlich flächendeckend faire und angemessene Löhne, die von den Sozialpartnern in Tarifverträgen vereinbart werden.“ Sonst werde es immer schwieriger, junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern.

Untersucht wurde in der Studie auch der Anteil der Teilzeitkräfte in Pflegeberufen. In der Krankenpflege stehen dabei 293 400 vollzeitbeschäftigten Fachkräften 283 500 Fachkräfte gegenüber, die in Teilzeit arbeiten – das entspricht einer Teilzeitquote von 49 Prozent. In der Altenpflege arbeiten 103 200 Fachkräfte in Vollzeit und 116 100 in Teilzeit (53 Prozent). Noch höher ist die Teilzeitquote bei den Pflegehelfern: In der Krankenpflege liegt sie bei 61 Prozent (48 800 Vollzeitstellen stehen hier 77 000 Teilzeitstellen gegenüber) und in der Altenpflege bei 71 Prozent (56 200 Vollzeitbeschäftigte gegenüber 135 900 Teilzeitbeschäftigten).

Die Gründe dafür sind in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. In Ostdeutschland beantwortete die Mehrzahl der Studienteilnehmer die Frage, weshalb sie in Teilzeit arbeitetet, damit, dass sie keine Vollzeittätigkeit gefunden hätte. In Westdeutschland begründete es die Mehrzahl der Befragten mit ihrer persönlichen oder finanziellen Situation.

Falk Osterloh

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Große Unterschiede gibt es in der Vergütung zwischen der Alten- und der Krankenpflege, aber auch im Vergleich zu der Vergütung aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB).

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