POLITIK

Organspenden in Deutschland und Europa: Das Vertrauen zurückgewinnen

Dtsch Arztebl 2015; 112(6): A-234 / B-197 / C-193

Klinkhammer, Gisela; Richter-Kuhlmann, Eva

Die Organspendezahlen in Deutschland haben sich auf „niedrigem Niveau“ stabilisiert. In der EU stehen immer noch rund 63 800 Menschen auf der Warteliste.

Durch die Maßnahmen für mehr Kontrolle und Transparenz ist für eine bessere Sicherheit in den Transplantationszentren und in den Entnahmekrankenhäusern gesorgt worden. Das erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, anlässlich der Präsentation der Organspendezahlen Ende Januar. Notwendig waren die Reformschritte wegen Manipulationen auf den Wartelisten geworden. „Unter anderem haben wir das Mehraugenprinzip bei der Anmeldung von Wartelisten-Patienten eingeführt und eine unabhängige Vertrauensstelle ‚Transplantationsmedizin‘ zur Meldung von Auffälligkeiten und Verstößen gegen das Transplantationsgesetz eingerichtet“, erläuterte Montgomery. Zudem seien die Befugnisse der Prüfungs- und Überwachungskommission erheblich ausgeweitet worden.

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Die Transplantationsmedizin sei heute so sicher wie nie zuvor. Leider spiegele sich das noch nicht in der Zahl der Organspendewilligen wider. Das Vertrauen in die Organspende war offenbar durch den Manipulationsskandal stark beeinträchtigt worden. Doch jetzt haben sich die Zahlen immerhin „auf niedrigem Niveau stabilisiert“, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. med. Axel Rahmel. 2014 wurden bundesweit 864 Menschen nach ihrem Tod zu Organspendern, 2013 hatte es 876 Organspender gegeben. Das teilte die DSO mit (Tabelle). Insgesamt wurden im Jahr 2014 in Deutschland 3 169 Organe aus dem Eurotransplant-Verbund transplantiert, im Vorjahr waren es 3 248.

Postmortale Organspender* in den Jahren 2008 bis 2014
Tabelle
Postmortale Organspender* in den Jahren 2008 bis 2014

Im europäischen Bereich rangiert die Bundesrepublik im unteren Drittel. „Im Jahr 2013 kamen in Deutschland 10,7 Spender auf eine Million Einwohner“, berichtete Hélène Le Borgne, Beauftragte für Transplantationen und Organspenden der EU-Kommission, auf einem Journalistenworkshop der Europäischen Union in Brüssel. Insgesamt hält sie nach wie vor die Zahlen für alarmierend – mehr als 63 800 Patienten standen in der Europäischen Union am 31. Dezember 2013 auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Die Zahl der Patienten, die 2013 auf der Warteliste verstorben sind, wird in den 28 Mitgliedsländern der EU auf 4 100 geschätzt. Dennoch sei in der EU zwischen 2004 und 2013 ein Anstieg der Organspenden (33 %) zu verzeichnen gewesen. Während im Jahr 2004 EU-weit 26 340 Organe transplantiert wurden, waren es im Jahr 2013 immerhin 31 165.

Vertrauen in das spanische Spendesystem

An der Spitze steht laut EU-Kommission Spanien mit 35,3 Spendern pro eine Million Einwohner, gefolgt von Malta (35,0), Belgien (29,2) und Portugal (27,8). Rafael Matesanz, der im Jahr 1989 die spanische nationale Transplantationsorganisation (Organización Nacional de Transplantes, ONT) ins Leben rief und der er bis heute vorsteht, berichtete: „Wenn man Spanier vor 20 Jahren nach ihrer Organspendebereitschaft fragte, lag die Zustimmung bei 60 Prozent. Und diese Zustimmungsrate hat sich bis heute nicht verändert. Dennoch hat sich die Zahl der Organspenden und Transplantationen im gleichen Zeitraum vervielfacht.“ Es sei unerheblich, wie viele Menschen einen Ausweis tragen oder sich theoretisch zur Organspende bekennen. „Was zählt, ist die Zahl der tatsächlichen Spender“, betonte er. Wichtig seien also nicht gezielte Werbekampagnen, sondern die Organisation in den Krankenhäusern.

Die spanische ONT habe seit 1989 mehr als 15 000 Intensivmediziner, Krankenpfleger, Notfallärzte und Transplantationsbeauftragte geschult. Dabei gehe es um Gespräche mit den Angehörigen, aber auch darum, potenzielle Spender zu identifizieren.

Gisela Klinkhammer
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Postmortale Organspender* in den Jahren 2008 bis 2014
Tabelle
Postmortale Organspender* in den Jahren 2008 bis 2014

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