MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Malignes Melanom: Kombinations-Immuntherapie ist hochwirksam

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): A-416 / B-362 / C-354

Gulden, Josef

Checkpoint-Inhibitoren gehören zu den neuen Immuntherapien und lösen Blockaden der Aktivierung von T-Zellen. In einer randomisierten Phase-II-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom ist der CTLA-4-Inhibitor Ipilimumab mit dem Granulozyten-Makrophagen-Koloniestimulierenden Faktor (GM-CSF) Sargramostim kombiniert worden. GM-CSF verstärkt die Antigen-Präsentation durch dendritische Zellen und die Effekte von T- und B-Lymphozyten.

Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben von Melanom-Patienten bei Ipilimumab-Therapie mit und ohne Sargramostim
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben von Melanom-Patienten bei Ipilimumab-Therapie mit und ohne Sargramostim

Die Eastern Cooperative Oncology Group schloss in ihre Studie 245 Patienten mit Melanom im Stadium III/IV (nicht resezierbar), mindestens einer vorhergehenden Therapie, ohne Hirnmetastasen und mit einem ECOG-Performancestatus von 0 oder 1 ein. Sie erhielten Ipilimumab (10 mg/kg i. v. zunächst 4-mal im Abstand von je 3 Wochen und danach alle 12 Wochen) und in jedem dreiwöchigen Zyklus randomisiert entweder 2 Wochen lang täglich Sargramostim (250 µg s. c.) oder keine zusätzliche Behandlung.

Beim primären Endpunkt Gesamtüberleben war die Kombination mit im Median 17,5 vs. 12,7 Monaten signifikant überlegen. Nach einem Jahr lebten im Kombinationsarm noch 68,9 %, im Monotherapiearm 52,9 % der Patienten (Hazard Ratio 0,64; p = 0,01). Die Zeit des progressionsfreien Überlebens war mit median 3,1 Monaten in beiden Armen vergleichbar. Nebenwirkungen vom Grad 3–5 waren mit Sargramostim signifikant seltener (44,9 % vs. 58,3 %; p = 0,04).

Fazit: In dieser Studie waren die Überlebensraten höher als in früheren Studien, vielleicht weil Ipilimumab im Gegensatz zur gewöhnlichen Praxis in einer höheren Dosierung (10 und nicht 3 mg/kg) und als Erhaltungstherapie weitergegeben worden war. Für die Abkoppelung des Gesamt- vom progressionsfreien Überleben gibt es eine Erklärung: Sargramostim und Ipilimumab lösen inflammatorische Reaktionen in Tumorläsionen aus, was radiologisch als Vergrößerung des Tumors imponieren kann. Die Immuncheckpoint-Blockade, so Prof. Dr. med. Carola Berking, München, sei ein großer Fortschritt für Patienten mit metastasiertem Melanom, erstmals habe sich das Gesamtüberleben damit verlängert. Allerdings profitiere nur ein Teil der Patienten, und immunologische Nebenwirkungen schränkten nicht selten die Anwendung ein. Deshalb seien Kombinationen von Ipilimumab mit anderen Wirkstoffen wie GM-CSF extrem spannend, wenn sie das Gesamtüberleben ohne vermehrte Toxizität verbesserten. Josef Gulden

Hodi FS, et al.: Ipilimumab plus sargramostim vs ipilimumab alone for treatment of metastatic melanoma. JAMA 2014; 312: 1744–53.

Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben von Melanom-Patienten bei Ipilimumab-Therapie mit und ohne Sargramostim
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Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben von Melanom-Patienten bei Ipilimumab-Therapie mit und ohne Sargramostim

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