ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege

Der Arbeitgeberverband Pflege will 150 chinesische Pflegefachkräfte nach Deutschland holen, damit sie hier in der Altenpflege arbeiten. Warum ist das aus Ihrer Sicht wichtig und ethisch vertretbar?

Dtsch Arztebl 2015; 112(11): [4]

Osterloh, Falk

Im Rahmen eines Pilotprojektes hat der Arbeitgeberverband Pflege zunächst 27 Krankenschwestern aus China nach Baden-Württemberg geholt, die dort eine Weiterbildung zur Altenpflegerin erhalten. Insgesamt sollen in den Länder Hessen, Baden-Württemberg, Hamburg und Bayern bis Jahresende 150 chinesische Pflegefachkräfte weitergebildet werden.

Der Arbeitgeberverband Pflege will 150 chinesische Pflegefachkräfte nach Deutschland holen, damit sie hier in der Altenpflege arbeiten. Warum ist das aus Ihrer Sicht wichtig und ethisch vertretbar?

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Greiner: In China werden heute viel mehr Krankenschwestern und Krankenpfleger ausgebildet, als dieses große Land derzeit benötigt. Viele der hervorragend ausgebildeten Fachkräfte in der Pflege, die alle über ein Hoch- oder Fachschulstudium verfügen, finden momentan in ihrem Heimatland keine Anstellung in ihrem Beruf. Daher gehen jährlich, durch die chinesische Arbeitsverwaltung CHINCA vermittelt, über 200 000 Absolventen medizinischer Berufsgruppen ins Ausland. Beispielsweise in die USA, aber auch nach Australien, Großbritannien oder nach Kanada. Diese Länder beschäftigen seit Jahren sehr erfolgreich junge Chinesinnen und Chinesen in der Kranken- und in der Altenpflege. Sie erwerben im Ausland praktisches Fachwissen, Führungs- und Managementkenntnisse und internationales Know-how. Das kommt dann nach einer möglichen Rückkehr, durchschnittlich nach fünf Jahren, dem chinesischen Gesundheitssystem bewusst zugute. Viele werden aber auch für länger oder für immer im Ausland bleiben. In Deutschland fehlen uns derzeit mehr als 30 000 Fachkräfte alleine in der Altenpflege. Tendenz steigend. Aller intensiven Bemühungen zum Trotz, die Aus- und Fortbildungen, die Weiterqualifikationen und Umschulungen zu steigern, werden wir die entstehende Lücke nicht schließen können. Wir brauchen deshalb auch in der Pflegewirtschaft die qualifizierte Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten. Innerhalb unseres Pilotprojektes mit chinesischen Pflegefachkräften haben wir bisher hervorragende Erfahrungen sammeln können. Die jungen Damen aus China fühlen sich in Hessen und Baden-Württemberg sehr wohl, werden analog zu den deutschen Kolleginnen und Kollegen bezahlt und haben sehr schnell die deutsche Sprache auf gutem B2-Niveau erlernt. Das freut die Bewohner in den Pflegeeinrichtungen und die Arbeitgeber in der Pflege allemal. fos

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