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Betrugsaffären: Mit zweierlei Maß
Dtsch Arztebl 1999; 96(17): A-1085 / B-904 / C-846


Zwei Mitarbeiter der Barmer Ersatzkasse in Berlin haben die Versichertengemeinschaft um immerhin
2,5 Millionen DM geprellt. Drei Jahre lang fälschten sie Rechnungen für Zahnersatz, Krankengeld und häusliche
Krankenpflege. Das Geld haben sie Mitgliedern der Barmer überwiesen, die an dem Betrug beteiligt waren.
Aufgeflogen ist der bei einer internen Routineprüfung der Krankenkasse.
Ein Großteil des Geldes ist nach Angaben eines Sprechers der Barmer mittlerweile sichergestellt worden. Die
beiden Mitarbeiter, die eine Vertrauensstellung innehatten, wurden fristlos entlassen; die Staatsanwaltschaft
ermittelt.
Soweit der Sachverhalt einer Nachricht, die kürzlich in den Medien verbreitet wurde. Die breite Öffentlichkeit
wird davon kaum nachhaltig beeindruckt sein - die Ärzte wundert es schon: keine Rede von "mafiösen
Krankenkassen-Kartellen" oder vom "größten Kassenbetrug". Niemand fordert eine Sonderarbeitsgruppe, die
bundesweit alle Kassenmitarbeiter überprüfen soll. Keiner rechnet den finanziellen Schaden auf ganz
Deutschland hoch oder macht gar die beiden korrupten Kassenmitarbeiter für die knappen finanziellen Mittel der
Gesetzlichen Krankenversicherung verantwortlich.
In dieser Weise haben einzelne Krankenkassen indes in der Vergangenheit reagiert, als Ärzte unter Verdacht
standen, Rechnungen zu manipulieren. In der Öffentlichkeit zeichneten sie das Bild des Arztes als Abzocker, der
sich auf Kosten der Beitragszahler bereichert. Durch pauschale Verurteilungen und Falschinformationen
machten sie alle Ärzte zu Kriminellen und verunsicherten die Patienten.
Die Barmer Ersatzkasse hat aus dem Vorfall Konsequenzen gezogen und will ihr internes Sicherheitssystem
überprüfen. Und das ist gut so. Das Gesundheitswesen ist nicht sicher vor Manipulationen - ganz gleich, auf
welcher Seite. Dr. Sabine Glöser
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