POLITIK

Deutscher Pflegetag: „Auf Augenhöhe mit der Ärzteschaft“

Dtsch Arztebl 2015; 112(12): A-505 / B-431 / C-419

Osterloh, Falk

Auf dem 2. Deutschen Pflegetag fordern die Pflegeverbände mehr Selbstbewusstsein der Profession. Der Pflegebeauftragte Laumann will sich für mehr politisches Gewicht der Verbände einsetzen und ruft die Pflegenden auf, sich besser zu organisieren.

Es tut sich etwas in der Pflege. War schon im vergangenen Jahr auf dem 1. Deutschen Pflegetag die Aufbruchstimmung in der Branche zu spüren, so war der Wunsch nach Veränderung in diesem Jahr noch größer – ebenso wie das Interesse der Pflegekräfte. Nach 1 500 Besuchern im letzten Jahr kamen am 12. und 13. März zum
2. Deutschen Pflegetag etwa 4 000 Teilnehmer nach Berlin. Wichtig ist den Pflegekräften dabei vor allem mehr Wertschätzung, mehr Kollegen und mehr Gehalt.

„Wir sind es leid, dass wir zum Kostenfaktor degradiert und die Ärzte als diejenigen angesehen werden, die die Erlöse erwirtschaften.“ Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates
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So forderte der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Andreas Westerfellhaus, dass die Erlöse, die das Personal im Krankenhaus erwirtschaftet, auch für die Personalfinanzierung verwendet werden müssten. „Wir sind es leid, dass die Pflegekräfte zum Kostenfaktor degradiert und nur die Ärzte als diejenigen angesehen werden, die die Erlöse erwirtschaften“, sagte er, betonte jedoch: „Ich will keinen Zwist zwischen Ärzten und Pflegekräften säen. Wir erbringen die Leistungen am Patienten gemeinsam.“

Unterstützung erhielt er vom Pflegebeauftragten der Bundesregierung. Karl-Josef Laumann (CDU) betonte, dass die Pflege künftig auf gleicher Augenhöhe mit den anderen Gesundheitsberufen agieren müsse: „Die Pflege ist kein Anhängsel im Gesundheitswesen, sondern eine eigenständige Profession.“ Sie komme in Deutschland eher aus einer dienenden Tradition. Es sei nun aber an der Zeit, dass sie sich emanzipiere. „In dem Zusammenhang müssen wir auch mit den Ärzten sprechen, was stärker in den Pflegebereich integriert werden soll“, sagte Laumann. „Ich kann mir viele Bereiche vorstellen, wo die Pflege qualitativ eine genauso gute Arbeit erbringen kann.“

„Wir haben geregelt, dass die Kostenträger die Tariflöhne akzeptieren müssen. Den Rest müsst ihr euch selber holen.“ Karl-Josef Laumann, Pflegebeauftragter der Bundesregierung

Grundlage für eine solche Übertragung heilkundlicher Aufgaben auf Pflegekräfte ist die Heilkundeübertragungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Jahr 2011, auf deren Basis Modellprojekte nach § 63 Sozialgesetzbuch V gestartet werden können. Dass dies bislang noch nicht geschehen ist, kritisierte Westerfellhaus: „Es müssen endlich die Modellprojekte im Rahmen der Heilkundeübertragung umgesetzt werden. Wir müssen auch tun dürfen, wofür wir qualifiziert sind. Und wir brauchen angemessene Tarifverträge für alle.“

Laumann erklärte im Anschluss, dass viele Pflegeeinrichtungen überhaupt nicht in Tarifverhandlungen einträten. Er forderte die Pflegekräfte daher auf, sich besser zu organisieren: „Die Bundesebene hat geregelt, dass die Kostenträger die Tariflöhne akzeptieren müssen. Den Rest müsst ihr euch schon selber holen.“

Die größte Herausforderung sei jedoch, dass „wir die Menschen finden, die sich um immer mehr Pflegebedürftige kümmern“, betonte Laumann. Um den Beruf attraktiver zu machen, „müssen wir in dieser Wahlperiode vom Kästchendenken wegkommen und eine generalistische Ausbildung in der Pflege einführen“. Im Sommer will Laumann dafür einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

Wichtig ist den Pflegeverbänden auch, an den politischen Entscheidungen beteiligt zu werden. Dafür „fordern wir, dass die Selbstverwaltung der Pflege in allen Bundesländern eingeführt wird, damit die Profession die Gestaltung eigenverantwortlich mit übernehmen kann“, sagte Westerfellhaus.

Laumann sagte zu, dafür kämpfen zu wollen, dass die Pflegeverbände bei Umgestaltung der Pflegenoten auf Augenhöhe mit am Tisch sitzen. In der Karwoche will er dazu einen konkreten Vorschlag vorlegen. Denn: „Die Pflegenoten sind nicht mehr zu retten.“

Abschließend rief Westerfellhaus die anwesenden Pflegekräfte dazu auf, selbstbewusster für ihren Berufsstand einzutreten: „Alle Pflegekräfte sind aufgerufen, für sich und ihre Interessen einzustehen. Sie alle leisten für die Gesellschaft etwas, was niemand anderes leisten kann. Tragen Sie das mit Selbstbewusstsein vor sich her!“

Falk Osterloh

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