THEMEN DER ZEIT

Psychiatrische Versorgung: Das Krankenhaus-Psych-Budget – ein Alternativkonzept

Dtsch Arztebl 2015; 112(13): A-574 / B-488 / C-476

Berger, Mathias; Adli, Mazda; Beine, Karl H.; Bschor, Tom; Herpertz, Sabine; Lauterbach, Karl

Die Autoren lehnen das pauschalierende Entgeltsystem PEPP in der jetzigen Form ab und plädieren für eine umfassende Reform der psychiatrischen-psychotherapeutischen Versorgung.

Die spätestens bis 2017 vorgesehene Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems für die psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychosomatischen Krankenhäuser (PEPP) würde nach dem jetzigen Stand ein massives Missverhältnis zwischen den ihnen gestellten Aufgaben in der Patientenversorgung und den dafür bereitgestellten finanziellen Mitteln bedeuten. Dafür sprechen die folgenden Fakten:

Foto: dpa
  • Das PEPP-System soll den Schlüssel zur Verteilung eines Gesamtbudgets vorgeben und die Vergütung nach tagesgleichen Pflegesätzen ablösen. Es ist vorgesehen, die Höhe des Gesamtbudgets in einer schrittweisen Konvergenz zu einem landesweiten Basisentgeltwert zu vereinheitlichen. Bisher regelt die Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) seit 1991 die Maßstäbe zur Ermittlung des Mindestbedarfs an qualifiziertem Personal für eine „ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche“ Krankenhausbehandlung. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Vorgaben der Psych-PV im bundesweiten Durchschnitt jedoch immer noch nicht erfüllt sind. Der Psych-PV-Erfüllungsgrad beträgt für die Erwachsenenpsychiatrie bundesweit insgesamt etwa 90 Prozent (1). Da von diesem Finanzniveau bei Einführung des PEPP ausgegangen werden soll, würde das geplante neue System mit einer Unterfinanzierung der Personalausstattung beginnen.
  • Verschärfend kommt hinzu, dass die Psych-PV in den 1980er Jahren konzipiert wurde, als personalintensive Psychotherapien in der stationären Behandlung eine untergeordnete Rolle spielten. Die Psych-PV ermöglicht in der Regelversorgung (A1) nur eine Psychotherapiestunde pro Patient in der Woche. Inzwischen legen jedoch die aktuellen S3-Leitlinien für die wichtigsten psychischen Erkrankungen fest, dass Psychotherapie fast ausnahmslos eine „first line“Empfehlung darstellt (Übersicht in 2). PEPP würde damit ein veraltetes und nicht leitliniengemäßes Finanzierungsinstrument fortschreiben und nicht einmal die Personalausstattung auf bisherigem Niveau sichern.
  • Das PEPP-System hat das Ziel, nur historisch zu verstehende Unterschiede in den Pflegesätzen verschiedener Kliniken zu nivellieren. Dies wird in einigen bisher unterfinanzierten Kliniken zu einer Budgetverbesserung, aber in vielen Krankenhäusern, insbesondere in Universitätskliniken, zu einer Budgetabsenkung führen.
  • Die geplante Einführung des PEPP-Systems zielt lediglich auf eine veränderte Vergütungspraxis im stationären und teilstationären Bereich. Es greift damit jedoch zu kurz, da die hierzulande bestehende evidente Unterversorgung psychisch Erkrankter im ambulanten Versorgungssystem und die dadurch ständig ansteigenden Anforderungen an das klinische Versorgungssystem ignoriert werden. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund einer diagnostizierten psychischen Erkrankung hat in den letzten zehn Jahren in Deutschland deutlich zugenommen (3). Die Folge ist auch eine gestiegene Inanspruchnahme des Gesundheitssystems.
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Trotz einer im europäischen Vergleich hohen Zahl von niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie, zusätzlichen Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie einer besonders hohen und wachsenden Zahl an Psychologischen Psychotherapeuten bestehen selbst in den Großstädten bei Fachärzten mehrwöchige und bei Psychotherapeuten mehrmonatige Wartezeiten (4). Außerhalb der Großstädte ist die Versorgungssituation noch wesentlich schlechter. Dies hängt vor allem mit deutlichen finanziellen Fehlanreizen für ambulant tätige Fachärzte und Psychologische Psychotherapeuten zusammen, die nur langfristig korrigierbar sein dürften. Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, die bisher neben den Hausärzten den größten Teil der Patienten versorgt haben, wandern zunehmend in die wesentlich besser finanzierte Richtlinien-Psychotherapie ab (5). Sie erhalten dann nicht circa 50 Euro pro Patient und Quartal, sondern 80 Euro pro Psychotherapiesitzung. Dadurch steigt die unversorgte Patientenzahl drastisch.

Die große Mehrheit der Patienten mit psychischen Erkrankungen wird deshalb von Hausärzten versorgt, die jedoch dafür nicht adäquat ausgebildet und mit 35 Euro Quartalspauschale hierfür ebenfalls massiv unterfinanziert sind. Die ambulante Unterversorgung ist mitursächlich für einen deutlichen Anstieg der stationären Behandlungsfälle bei erheblicher Verkürzung der Liegezeiten. Zwischen 2005 und 2013 erfolgte eine Zunahme der Krankenhausaufenthalte um 37 Prozent (6). Das Bemühen, die Bettenkapazitäten für psychische Erkrankungen entscheidend zu reduzieren, scheiterte. Die Reduktion der psychiatrisch-psychotherapeutischen Betten in den vergangenen 30 Jahren von 113 000 auf 53 000 wurde durch einen drastischen Anstieg von Betten in Psychosomatischen Akut- und Rehakliniken auf inzwischen circa 40 000 wettgemacht (7, 8). Die in PEPP vorgesehene Degression der Kostenerstattung bei längeren Aufenthalten im Krankenhaus führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu kürzeren Liegezeiten; damit einhergehend ist eine zunehmende „Drehtür-Psychiatrie“ zu befürchten. Unausweichlich wird in der Folge auch die Unterversorgung im ambulanten Sektor zunehmen (9).

Anforderungen an ein anderes Versorgungssystem

Ein medizinisch vertretbares psychiatrisch-psychotherapeutisches Vergütungssystem muss also den folgenden Anforderungen gerecht werden:

1. Im stationären Bereich muss der seit den 1980er Jahren veränderten Evidenzlage, die störungsspezifische Psychotherapien als „first line“-Therapie der meisten psychischen Erkrankungen ausweist, Rechnung getragen werden. Dies bedeutet, dass eine den Leitlinien entsprechende Krankenhausbehandlung ein angepasstes Vergütungssystem erfordert und nicht die Personalausstattung auf Basis der Psych-PV unverändert fortgeschrieben oder gar noch vermindert werden kann.

2. Innerhalb des bisherigen PEPP-Systems ist nicht berücksichtigt, dass für Kliniken mit einer sogenannten Pflichtversorgung für eine Region andere Kosten anfallen als für Kliniken mit auch überregionalen Spezialaufgaben. Psychiatrisch-psychotherapeutische Universitätsabteilungen übernehmen häufig beide Aufgaben und müssen deshalb entsprechende Angebote parallel vorhalten.

3. Es war die explizite Absicht des Gesetzgebers, ein praktikables Vergütungssystem zu entwickeln (10). Krankenhäuser, die bereits für das PEPP-System optiert haben, berichten jedoch einen gewaltigen Anstieg des Dokumentationsaufkommens und der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Dies hat zur Folge, dass therapeutische und pflegerische Zeit von der direkten Behandlung der Patienten abgezogen werden muss. Ein Alternativkonzept muss deshalb eine bürokratieärmere, aber dennoch ausreichend transparente Kostenerstattung vorgeben.

4. Die derzeit unzureichende Sicherstellung der ambulanten Versorgung muss verbessert werden. Monatelange Wartezeiten für Psychotherapieplätze oder gar für eine psychiatrisch-psychotherapeutische Basisversorgung sind nicht akzeptabel. Verbindliche Terminfristen für einen Facharzttermin, wie es im Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz beschrieben wird, müssen auch für psychische Erkrankungen gelten; andernfalls wäre dies als klare Stigmatisierung psychisch Kranker zu verstehen. Stationäre Krankenhausbehandlungen allein aufgrund zu langer Wartezeiten bei ambulanten Fachärzten und Psychologischen Psychotherapeuten oder überhaupt fehlende wohnortnahe ambulante Behandlungsmöglichkeiten darf es nicht geben. Des Weiteren gibt es lange stationäre und teilstationäre Krankenhausaufenthalte häufig deshalb, weil eine intensive ambulante Nachsorge nicht bereitgestellt werden kann (11). Im gegenwärtigen Versorgungssystem kann eine adäquate ambulante Versorgung häufig nur dann sichergestellt werden, wenn die Krankenhäuser – möglichst in enger Abstimmung und Vernetzung mit dem vertragsärztlichen Bereich – entsprechend dem Versorgungsstärkungsgesetz einen regionalen Versorgungsauftrag auch im ambulanten Bereich wahrnehmen können.

5. Wie in anderen Bereichen der Medizin ist eine bessere Verzahnung der Sektoren dringend erforderlich. Im Bereich der psychischen Erkrankung ist eine Behandlungskontinuität beim Übergang von stationärer zu teilstationärer hin zu ambulanter Behandlung noch von größerer Bedeutung als in vielen somatischen Fächern. Es gibt nur einzelne Versuche, durch integrierte Konzepte die ambulante Versorgungssituation in enger Verzahnung mit den stationären Akut- und Rehaleistungen zu verbessern.

6. Ein neues Vergütungssystem sollte an konkrete und verbindliche Vorgaben zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität geknüpft werden, die über Qualitätsindikatoren mit vertretbarem Aufwand überprüfbar sind. Die Ergebnisqualität sollte bei Entlassung mittels der Symptomausprägung, Funktionseinbuße und Lebensqualität und bei Katamneseerhebungen zusätzlich über Rückfälle und Wiederaufnahmeraten erfasst werden (12).

Alternativ-Vorschlag: Das Krankenhaus-Psych-Budget

Als Alternative zum PEPP-System wird ein „Krankenhaus-Psych-Budget“ vorgeschlagen. In einem ersten Schritt sollen – so wie der Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz vorsieht – zunächst als Übergangslösung zur raschen Behebung der ambulanten Unterversorgung die Kliniken für die ambulante Versorgung sowohl für psychiatrische Leistungen, psychosoziale Interventionen als auch für Psychotherapien geöffnet werden. Der Versorgungsauftrag kann in Abhängigkeit von regionalen Gegebenheiten übernommen werden entweder in vernetzter Form gemeinsam vom Krankenhaus und den Vertragsärzten und Psychologischen Psychotherapeuten oder – wenn das ambulante Versorgungssystem nicht innerhalb einer festzulegenden Frist (vorgesehen im Gesetzentwurf sind vier Wochen) zu einer adäquaten Versorgung beitragen kann – auch alleine vom Krankenhaus.

Der Hauptpunkt des Alternativkonzepts sieht vor, dass die Kliniken ein Gesamtbudget erhalten und verpflichtet werden, Menschen mit psychischen Erkrankungen einer definierten Region bedarfsgerecht zu behandeln. Psychosomatische Akutkliniken sollen in diese Pflichtversorgung miteinbezogen werden. Dabei unterliegt die Entscheidung, ob und wie lange ein Patient komplexambulant, teilstationär oder stationär behandelt wird, dem Krankenhaus entsprechend den allgemein üblichen Vorgaben. Dadurch kommt es zu einer Flexibilisierung innerhalb des Krankenhauses zwischen ambulant, teilstationär und stationär, so dass die Therapie auf den einzelnen Patienten zentriert und individuell unter Wahrung der Kontinuität der Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte erfolgen kann.

Dies wird zu einer teilweisen Verlagerung und intensiveren Verzahnung der diagnostischen und therapeutischen Kapazitäten des stationären in den teilstationären und ambulanten Bereich führen. Das Gesamtbudget der Kliniken wird auf der Mindestgrundlage einer 100-prozentigen Psych-PV-Finanzierung, zuzüglich der Erlöse aus institutsambulanten Leistungen, vereinbart und entsprechend der gesetzlich vorgegebenen Veränderungsraten jährlich fortgeschrieben. Durch die Integration des ambulanten und des teil- und vollstationären Sektors und die sich dadurch erge-bene Verkürzung der Krankenhausverweildauer wird eine budgetneutrale Intensivierung des stationären Behandlungsteils notwendig und möglich. Darüber hinaus soll es, ebenso wie im somatischen Bereich, überregionale Zentren für Krankheitsbilder geben, die eine hochspezialisierte Diagnostik und Therapie erfordern. Für diese sind gesonderte Budgetvereinbarungen notwendig.

Ziel dieses Systems ist vorrangig, die zukünftige Finanzierung im Krankenhausbereich so zu regeln, dass diagnostische und therapeutische Leistungen nach evidenzbasierten Leitlinien qualitätsgerecht und leistungsbasiert vergütet werden. Zur Leistungsbeschreibung werden überschaubare, medizinisch unterscheidbare, aufwandshomogene Gruppen gebildet, deren Behandlung sich an den evidenzbasierten Leitlinien der Krankheitsbilder ausrichtet. Zur Qualitätssicherung verpflichten sich die Kliniken, nach evidenzbasierten Leitlinien zu behandeln, die als Komplexleistung dokumentiert werden und Grundlage für die aufwandshomogenen Gruppen sind. Dadurch kann der Dokumentationsaufwand bei gleichzeitig höherer Behandlungsqualität gesenkt und gleichzeitig ein Anreizsystem geschaffen werden, das eine leitlinienkonforme Therapieausführung fördert. Werden für komplizierte Verläufe (zum Beispiel therapieresistente Depression) oder Komorbiditätskonstellationen (zum Beispiel HIV-Infektion und psychische Störung) aufwendigere Leistungen notwendig, so ist dies gesondert
zu berücksichtigen. Durch die Beseitigung der ambulanten Unterversorgung und die Reduzierung der stationären Behandlungsdauern werden Ressourcen frei, die für eine
intensivierte leitliniengerechte Behandlung notwendig sind.

  • Zitierweise dieses Beitrags:
    Dtsch Arztebl 2015; 112(13): A 574–6

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Mathias Berger
Ärztlicher Direktor der Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 5, 79104 Freiburg
mathias.berger@uniklinik-freiburg.de

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1315
oder über QR-Code

1.
Wolff J, Berger M, Normann C, Godemann F, Hauth I, Klimke A, et al.: Wohin führt die Konvergenz? – Ein Vergleich von Psych-PV-Vorgaben und den tatsächlichen Personalressourcen. Nervenarzt; im Druck.
2.
Berger M: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie. 5. Auflage. München: Urban & Fischer, Elsevier 2014; 936.
3.
Techniker Krankenkasse: Gesundheitsreport 2014.
4.
Melchinger H: Vertragsärztliche Versorgung psychisch Kranker: Ungleiche Chancen für Patienten. Z Allg Med. 2009; 85: 247–53.
5.
Melchinger H: Ambulante psychiatrische Versorgung: Umsteuerungen dringend geboten. Dtsch Arztebl 2008; 105 (46): A 2457. VOLLTEXT
6.
Steinhart I, Wienberg G, Koch C: Krankenhausersetzende psychiatrische Behandlung in Deutschland. GGW 2014; 4: 15–26.
7.
Statistisches Bundesamt: Grunddaten der Krankenhäuser 2012. www.destatis.de.
8.
Statistisches Bundesamt: Grunddaten der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen 2012. www. destatis.de.
9.
Spiessl H, Binder H, Cording C, Klein H, Hajak G: Klinikpsychiatrie unter ökonomischem Druck. Dtsch Arztebl 2006; 103 (39): A 2549. VOLLTEXT
10.
§17 d KHG, Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen, Absatz 1.
11.
Berger M: Probleme und Perspektiven der aktuellen psychosozialen Versorgung in Deutschland am Beispiel der Behandlung depressiver Störungen. Depression – Familie und Arbeit. Frankfurt: Referenz-Verlag 2015; im Druck
12.
Cohen RM, Greenberg JM, Ishak WW: Incorporating multidimensional patient-reported outcomes of symptom severity, functioning, and quality of life in the Individual Burden of Illness Index for Depression to measure treatment impact and recovery in MDD. JAMA Psychiatry 2013; 70: 343–50. CrossRef MEDLINE
*Die Autoren danken C. Normann und J. Wolff, Universitätsklinikum Freiburg, für ihre Mitarbeit an dem Manuskript.; Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg: Prof. Dr. med. Berger; Fliedner-Klinik Berlin; Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, CCM, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Priv.-Doz. Dr. med. Adli; Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, St. Marienhospital Hamm: Prof. Dr. med. Beine; Abteilung für Psychiatrie, Schlosspark-Klinik Berlin: Prof. Dr. med. Bschor; Klinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg: Prof. Dr. med. Herpertz; Mitglied des Deutschen Bundestags, Berlin; Institut für Gesundheitsökonomie und Epidemiologie der Universität Köln:Prof. Dr. med. Lauterbach
1. Wolff J, Berger M, Normann C, Godemann F, Hauth I, Klimke A, et al.: Wohin führt die Konvergenz? – Ein Vergleich von Psych-PV-Vorgaben und den tatsächlichen Personalressourcen. Nervenarzt; im Druck.
2. Berger M: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie. 5. Auflage. München: Urban & Fischer, Elsevier 2014; 936.
3. Techniker Krankenkasse: Gesundheitsreport 2014.
4. Melchinger H: Vertragsärztliche Versorgung psychisch Kranker: Ungleiche Chancen für Patienten. Z Allg Med. 2009; 85: 247–53.
5. Melchinger H: Ambulante psychiatrische Versorgung: Umsteuerungen dringend geboten. Dtsch Arztebl 2008; 105 (46): A 2457. VOLLTEXT
6.Steinhart I, Wienberg G, Koch C: Krankenhausersetzende psychiatrische Behandlung in Deutschland. GGW 2014; 4: 15–26.
7.Statistisches Bundesamt: Grunddaten der Krankenhäuser 2012. www.destatis.de.
8.Statistisches Bundesamt: Grunddaten der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen 2012. www. destatis.de.
9. Spiessl H, Binder H, Cording C, Klein H, Hajak G: Klinikpsychiatrie unter ökonomischem Druck. Dtsch Arztebl 2006; 103 (39): A 2549. VOLLTEXT
10.§17 d KHG, Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen, Absatz 1.
11. Berger M: Probleme und Perspektiven der aktuellen psychosozialen Versorgung in Deutschland am Beispiel der Behandlung depressiver Störungen. Depression – Familie und Arbeit. Frankfurt: Referenz-Verlag 2015; im Druck
12. Cohen RM, Greenberg JM, Ishak WW: Incorporating multidimensional patient-reported outcomes of symptom severity, functioning, and quality of life in the Individual Burden of Illness Index for Depression to measure treatment impact and recovery in MDD. JAMA Psychiatry 2013; 70: 343–50. CrossRef MEDLINE

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MedComment
am Freitag, 15. Mai 2015, 15:04

Schwierige Situation: Versorgung und Vergütung in der Psychiatrie

Die Situation in der psychiatrischen Versorgung in Deutschland ist problematisch. So bekommt nur höchstens ein Drittel der Erkrankten eine Therapie, betonte kürzlich der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte, Dr. Frank Bergmann. Seiner Ansicht nach hat die schlechte Vergütung zur schwierigen Versorgungslage beigetragen. Für die psychiatrischen Krankenhäuser wird seit Jahren versucht, die komplizierten Leistungen mit dem PEPP-System finanziell abzubilden.

Doch ob Depression, Schizophrenie oder Suchtprobleme - der Behandlungsverlauf ist oft schwer abzusehen. Die Patienten müssen oft Wochen oder Monate lang auf der psychiatrischen Station bleiben. Jeder bringt seine individuellen Voraussetzungen mit, nicht jeder Behandlungsansatz führt gleich zum Erfolg. Die Therapie einer psychischen Erkrankung ist meist komplizierter und schlechter planbar als die einer somatischen, was auch die Entwicklung und Einführung eines pauschalierenden Kalkulationssystems schwierig macht.
Daher hat der Gesetzgeber im Juli 2014 die Einführungsphase des neuen pauschalierenden Vergütungssystems für psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser und Fachabteilungen (PEPP) um zwei Jahre verlängert. So haben die Einrichtungen mehr Zeit, sich auf die obligatorische Einführung 2017 einzustellen.

Dennoch stellt die PEPP-Einführung alle psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen vor neue Herausforderungen. Insbesondere in der Administration sind neue Strukturen und Prozesse zu gestalten. So ist es entscheidend für die Häuser, auch für die Optionshäuser, rechtzeitig und umfassend auf das PEPP-System vorbereitet zu sein, um keine Verluste zu riskieren.
BVDN-Bergmann
am Mittwoch, 8. April 2015, 11:16

Eher ein schlechter Aprilscherz

Für einen schlechten Aprilscherz mochten einige Leser vielleicht diesen Beitrag halten von Mathias Berger und anderen Autoren zum Thema „Psychiatrische Versorgung: Das Krankenhaus-Psych-Budget ein Alternativ-Konzept.“

Neben einer (erneuten) Philippika gegen die vorgesehene Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems für die psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychosomatischen Krankenhäuser (PEPP) beklagen die Autoren die bestehende evidente Unterversorgung psychisch Erkrankter im ambulanten Versorgungssystem in Deutschland. Sie sehen sich dadurch mit ständig ansteigenden Anforderungen an das klinische Versorgungssystem konfrontiert.
Sie beklagen Wartezeiten bei Psychiatern und Psychotherapeuten, sowohl in Großstädten wie auch in eher ländlichen Regionen, verweisen (zu Recht) auf deutliche Fehlanreize für ambulant tätige Fachärzte und psychologische Psychotherapeuten und stellen fest, dass Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zunehmend in die Richtlinien-Psychotherapie abwandern. Nachvollziehbar ist die Feststellung, dass die unterversorgte Patientenzahl dadurch drastisch ansteigt.
Die ambulante Unterversorgung sei mit ursächlich für einen deutlichen Anstieg der stationären Behandlungsfälle bei erheblicher Verkürzung der Liegezeiten – so die Hypothese.
Völlig daneben ist der Vorschlag der Autoren eines „Krankenhaus-Psych-Budget“. Zur „raschen Behebung“ der ambulanten Unterversorgung solle man als Übergangslösung die Kliniken für die ambulante Versorgung öffnen, und zwar für psychiatrische Leistungen, psychosoziale Interventionen und auch Psychotherapien. Hauptpunkt des Alternativ-Konzeptes solle sein, dass die Kliniken ein Gesamtbudget erhalten und verpflichtet würden Menschen mit psychischen Erkrankungen einer definierten Region bedarfsgerecht zu behandeln.
Durch die „Integration“ des ambulanten und des teil- und vollstationären Sektors und die sich daraus ergebende Verkürzung der Krankenhausverweildauer werde eine budgetneutrale Intensivierung des stationären Behandlungsteils notwendig und möglich. (….) Ziel dieses Systems sei, vorrangig die zukünftige Finanzierung im Krankenhausbereich so zu regeln, dass diagnostische und therapeutische Leistungen nach evidenzbasierten Leitlinien qualitätsgerecht und leistungsbasiert vergütet werden könnten.
Dies ist ein übergriffiger Versuch, personell unterbesetzte und unterfinanzierte psychiatrische Kliniken auf Kosten des ambulanten vertragsärztlichen Sektors zu sanieren. Viele Fachkliniken können schon jetzt ihren Versorgungsauftrag nur noch mit Mühe erfüllen, nicht zuletzt aufgrund unbesetzter Facharztstellen. Dessen ungeachtet werden die ambulanten Angebotsstrukturen an den Kliniken zügig ausgebaut, hat sich doch längst unter den Betreibern herumgesprochen, dass man mit einer florierenden Ambulanz die Finanzierungsgrundlage der Klinik deutlich verbreitern kann. Begriffe wie Vernetzung und Integration müssen hier als Alibi herhalten und kaschieren nur mühsam, dass es im Grunde um eine Übernahme des ambulanten Versorgungssektors geht.
Derartige Konzepte sind nicht nur von vorgestern, sie sind ungeeignet, bestenfalls naiv, vor allem aber unlauter. Der ambulante vertragsärztliche Sektor, namentlich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die neurologisch-psychiatrischen sowie psychotherapeutischen Berufsverbände entwickeln seit Jahren klinische Behandlungspfade und streiten für eine sinnvolle Vernetzung des ambulanten und stationären Sektors. Statt in diesem Sinn für Kooperation im zu werben, zementieren die Autoren Vorbehalte und Vorurteile. Das ist nicht nur kontraproduktiv, das ist ärgerlich.


Dr. med. Frank Bergmann
Vorsitzender BVDN / Spitzenverband ZNS

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