MEDIZIN: Diskussion
Fehler in der psychiatrischen Begutachtung: Schlußwort
Dtsch Arztebl 1999; 96(17): A-1140 / B-973 / C-894
Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Gunter Heinz in Heft 41/1998


Die wissenschaftliche Erkenntnis, die H. Sjövall, damaliger Direktor
des Instituts für gerichtliche Medizin Stockholm, aus der Nachuntersuchung von 34 Fällen von traumatischer
Subarachnoidalblutung gewann und 1970 unter dem Titel "Objektivität oder Subjektivität bei der Begutachtung"
in der Münchner Medizinischen Wochenschrift veröffentlichte, lautet wörtlich wie folgt: "Der Obduzent wird in
seiner wissenschaftlichen (objektiven) Beurteilung durch die mitmenschlichen (subjektiven) Umstände des
Falles beeinflußt, die ihm in der Regel bereits bei der Obduktion und auf jeden Fall beim Abfassen seiner
Begutachtung bekannt sind. Hat er es mit einem rücksichtslosen und rohen, vorbestraften Täter zu tun, zögert der
Obduzent nicht, die Kausalität zwischen Trauma und Tod in seiner Begutachtung zu bejahen. Wenn der Täter
hingegen ein sonst "anständiger" Mensch ist, der "ohne Überlegung" oder sogar aus Selbstverteidigung handelt,
so tut der Obduzent sein möglichstes, um selbst Milderungsgründe zu finden und die Kausalität zwischen
Trauma und Tod aufzulockern oder auszuschließen."
Weshalb Höhmann diese Untersuchung als nicht zitierfähig beziehungsweise als Irreführung bezeichnet, ist mir
unverständlich. Der Vorwurf der methodischen Mangelhaftigkeit wird nicht näher begründet, entsprechende
wissenschaftliche Untersuchungen werden nicht angeführt. Daß es ausschließlich um die Darstellung forensischpsychiatrischer Fehlerquellen ging, sollte deutlich geworden sein. Die Arbeit Sjövalls wurde herangezogen, weil
sie aus Sicht eines anderen Fachgebietes die Frage nach der Beeinflussung der gutachterlichen Beurteilung durch
persönliche Umstände stellt. Die Praxis der rechtsmedizinischen Begutachtung in Zweifel zu ziehen, liegt mir
völlig fern.
Prof. Dr. med. Gunter Heinz
Abteilung Forensische Psychiatrie der Universität Göttingen
Chefarzt der Abteilung Forensische Psychiatrie am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Göttingen
Rosdorfer Weg 70 · 37081 Göttingen
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