VARIA: Immobilien
Wohnungsneubau: Seit kurzem wieder mehr Eigenheime
Dtsch Arztebl 1999; 96(17): A-1149 / B-981 / C-921


Innerhalb des Wohnungsneubaus haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Schwerpunkte
verschoben. Während Ende der 80er Jahre noch das Wohneigentum dominierte, hat der Mietwohnungsbau nicht
zuletzt dank zahlreicher steuerlicher Abschreibungsvergünstigungen bis zur Mitte der 90er Jahre eindeutig
überwogen. Nach Angaben des Bonner Städtebauinstituts ist die Zahl der neugebauten Wohnungen in Ein- und
Zweifamilienhäusern in Westdeutschland in der Zeit von 1989 bis 1995 zwar von 141 000 auf 167 000
gestiegen. Der Anteil des Eigenheimbaus am gesamten Neubau hat sich aber von 59 Prozent im Jahr 1989 auf
knapp 33 Prozent im Jahr 1995 fast halbiert. Im gleichen Zeitraum habe sich die Zahl der Wohnungen in
Mehrfamilienhäusern von 72 000 auf 264 000 fast vervierfacht. Ihr Anteil sei damit von 30 auf fast 53 Prozent
gestiegen. Hinzu kämen Wohnungen in Wohnheimen und durch Ausbauten geschaffene Wohnungen, die
überwiegend zur Vermietung bestimmt seien.
Trendwende
Mitte der 90er
Erst Mitte der 90er Jahre, so das Institut, habe sich mit der neuen Eigentumsförderung und der Reduzierung der
steuerlichen Förderung des Mietwohnungsbaus wieder eine Tendenzwende ergeben. Der Anteil des
Eigenheimbaus sei wieder auf 45 Prozent gestiegen (1998), während die Anteile des Mehrfamilienhausbaus auf
knapp 42 Prozent sanken.
Insgesamt sind nach den Berechnungen des Instituts in den letzten zehn Jahren in Westdeutschland 3,8 Millionen
Wohnungen neu gebaut worden, darunter 1,5 Millionen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, knapp 1,8
Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und mehr als eine halbe Million sonstige Wohnungen.
Markt ist nicht
ausgeglichen
Dr. Stefan Jokl, Leiter des Städtebauinstituts, interpretierte die Daten so: "Bei einem Wohnungsbestand von gut
37 Millionen Wohnungen und 37,5 Millionen Haushalten in Deutschland scheint der Wohnungsmarkt heute
nahezu ausgeglichen, doch diese Gegenüberstellung täuscht. Die von der amtlichen Statistik ausgewiesene Zahl
der Wohnungen basiert auf Fortschreibungen der Wohnungszählungen, die die laufende Verringerung durch
Abbruch, Umwidmung und Zusammenlegung erheblich unterschätzen." Hinzu komme, daß eine gewisse Zahl
von Wohnungen dem Markt nicht zur Verfügung stehe, da diese - zum Beispiel wegen Umzug oder
Renovierung - für eine gewisse Zeit nicht zu nutzen sind. Die Zahl der verfügbaren Wohnungen dürfte deshalb
nach Berechnungen des Instituts um gut eine Million unter der aktuellen Zahl der Haushalte liegen. Deswegen
bestehe immer noch ein Versorgungsdefizit, meinte Jokl.
Ähnliche strukturelle Verschiebungen hat es in Ostdeutschland gegeben. Hier sei der Anteil des Eigenheimbaus
von knapp 55 Prozent im Jahr 1993 auf etwa 31 Prozent 1997 zurückgegangen und erst 1998 wieder auf 41,5
Prozent gestiegen. Das Fördergebietsgesetz begünstigte den Neubau von Mehrfamilienhäusern und von
Wohnungen im Bestand (Steigerung von 45 Prozent im Jahr 1993 auf 69 Prozent 1997). 1998 sank der Anteil
dann wieder auf 58,5 Prozent. Seit der Wiedervereinigung seien 660 000 Wohnungen fertiggestellt worden, 250
000 in Ein- und Zweifamilienhäusern, 260 000 in Mehrfamilienhäusern und 150 000 sonstige Wohnungen.
EB
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