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Versorgung von Pflegebedürftigen: Quadratur des Kreises

Dtsch Arztebl 2015; 112(19): A-837 / B-709 / C-685

Richter-Kuhlmann, Eva

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redaktion

Zur Entwicklung der Zahl der Pflege- und Assistenzbedürftigen in Deutschland gibt es jede Menge Hochrechnungen und Prognosen, zum Teil regional sehr unterschiedlich. Doch wie man es auch dreht und wendet, die Zahlen lassen sich nicht schön rechnen. Die Versorgung des immer größer werdenden Anteils von älteren Menschen an der Bevölkerung gleicht der Quadratur des Kreises. Weder im ärztlichen noch im pflegerischen Bereich werden dafür ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen – zumindest nicht, wenn die Versorgungsstrukturen so bleiben, wie sie sind.

Um jedoch die bedarfs- und bedürfnisgerechte Versorgung assistenzbedürftiger Menschen auch künftig aufrechtzuerhalten, gilt es, den Mangel an pflegenden Menschen durch Innovation und Qualität der Versorgung auszugleichen. Dies wird nur durch eine Kooperation von Ärzten, Zahnärzten und Pflegekräften zu gewährleisten sein. Darüber waren sich Vertreter dieser Berufsgruppen auf der ersten gemeinsamen Tagung von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) am 27. April in Berlin einig.

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„Die Problematik, die auf uns zukommt, ist alles andere als trivial und nicht einfach mit mehr Pflegeheimen zu lösen. Wir müssen an einem Strang ziehen“, betonte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der KBV. Dringend erforderlich sind nach ihrer Ansicht Versorgungsverbesserungen für ältere Menschen im häuslichen Umfeld. Hier müssten die Professionen intensiver zusammenarbeiten und die Kooperation in Praxisverbünden sowie den Einsatz von Telemedizin und Tele-care erproben. „Der Koordination durch den Hausarzt kommt dabei eine besondere Rolle zu“, sagte sie und erhielt Unterstützung vom Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU). „Bei der Versorgung Pflegebedürftiger ist die hausärztliche Frage entscheidend“, betonte dieser. Mit Modellen ließe sich allerdings die Versorgung nicht auf Dauer regeln: „Wir brauchen bundesweite Strukturen.“

Die Tagungsteilnehmer wiesen zugleich auf veränderte Ziele in der Versorgung Pflegebedürftiger hin: Es gelte, dem Eintritt von Gesundheits- und Funktionseinbußen sowie von Pflegebedürftigkeit vorzubeugen oder ihn zumindest zu verzögern. Noch nicht ausgeschöpfte präventive Potenziale müssten dabei besser genutzt werden. Dies müsse auch bei der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten beachtet werden. Auf den Erhalt und die Förderung von Lebensqualität und Selbstständigkeit setzt auch die Zahnmedizin: „Die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen ist schlechter als die des Bevölkerungsdurchschnitts“, sagte Dr. med. dent. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV. Dies könne durch kooperative Lösungen jedoch verändert werden. „Es gilt, neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben“, bekräftigte auch Prof. Dr. rer. pol. Rolf Rosenbrock, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Sicher, auf der Tagung gelang nicht die Quadratur des Kreises. Dennoch könnte das gemeinsame Treffen zu einem Meilenstein werden: Der breite Konsens zwischen den Gesundheitsberufen ist ein positives Signal und ein Schritt hin zu einer Kooperation, die auf gegenseitiger Wertschätzung beruht. Nur durch diese werden die künftigen Herausforderungen in der Pflege zu bewältigen sein.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Politische Redaktion

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