POLITIK

Ambulante Versorgungsziele: KBV-Katalog für die Krankenkassen

Dtsch Arztebl 2015; 112(25): A-1120 / B-937 / C-909

Rieser, Sabine

Gemeinsame Versorgungsziele – das war ein Thema in den Honorarverhandlungen 2015. Nun legt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihre Vorschläge vor.

Der medizinische Fortschritt führt nicht nur dazu, dass die Menschen in Deutschland älter werden. Er sorgt auch dafür, dass viele Behandlungen, die früher nur im Krankenhaus möglich waren, heute ambulant erfolgen können. Das ist sinnvoll und angenehm für die Patienten, stellt Ärztinnen und Ärzte in ihren Praxen aber vor zusätzliche Herausforderungen, weil ihre Kapazitäten begrenzt sind. Insgesamt geht die Schere zwischen dem ambulanten Versorgungsbedarf der Versicherten einerseits und den finanziellen und personellen Versorgungskapazitäten im ambulanten Bereich immer weiter auseinander (siehe Grafik). Auf diesen Zusammenhang haben Mitte Juni die beiden Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen, Dr. med. Andreas Gassen und Dipl.-Med. Regina Feldmann.

Grafik
Ambulante Versorgung: Die Schere zwischen Versorgungsbedarf und Kapazitäten geht immer weiter auseinander.
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Angesichts der anstehenden Honorarverhandlungen für 2016 betonten sie, dass es bei der Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung nicht allein um Honoraraspekte im engeren Sinn gehe, also um die jährliche Anpassung des Orientierungswerts und um die Festsetzung der Veränderungsrate der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung. Dritter wichtiger Punkt seien die Empfehlungen zur extrabudgetären Vergütung (feste Preise, keine Mengenbegrenzung) und damit die Fixierung von Versorgungszielen.

KBV und Krankenkassen hatten während der Honorarverhandlungen im Sommer 2015 folgendes beschlossen: „Der Bewertungsausschuss wird prüfen, ob die Abgrenzung der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung mit Wirkung zum 1. Januar 2016 angepasst werden soll, um gemeinsame Versorgungsziele im haus- und fachärztlichen Bereich besser erreichen zu können.“

Welches sinnvolle Versorgungsziele wären und wie man sie erreichen könnte – dazu legten Feldmann und Gassen nun Vorschläge vor. Im Fokus stehen fünf Ziele:

  • Sicherstellung der ärztlichen Versorgung beim Älterwerden: Hier schlägt die KBV vor, die allgemeine ambulante palliativmedizinische Versorgung durch einen Zuschlag auf die bislang finanzierten Leistungen von Hausärzten zu fördern. Zusätzlich plädiert sie dafür, die Förderung der Delegation von Leistungen auszubauen. Das könnte durch einen Zuschlag auf Hausbesuche von nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen bei palliativmedizinischen Patienten geschehen. Auch die ärztliche Versorgung von Patienten in Heimen/beschützenden Wohnheimen sollte besser honoriert werden. Ende 2013 lag die Zahl der Pflegebedürftigen bei 2,6 Millionen. Ein Drittel von ihnen lebt in Heimen und ist dort ärztlich zu versorgen – Tendenz steigend.
  • Förderung der ärztlichen Versorgung beim Aufwachsen: Die KBV will sich für die Förderung des Transitionsprozesses einsetzen, weil der Übergang beispielsweise von herzkranken Kindern oder Jugendlichen mit Mukoviszidose in die Erwachsenenversorgung für den überleitenden Arzt aufwendig ist, wenn er gelingen soll. Die KBV schlägt hierfür eine eigene Abrechnungsziffer vor.
  • Förderung der Grundversorgung in der Psychiatrie und Psychotherapie: Vor allem die Förderung der Gesprächsführung außerhalb der Richtlinien-Psychotherapie sei sinnvoll, so der KBV-Vorstand. So ließen sich Wartezeiten reduzieren und Patienten helfen, die zwar einen erhöhten Gesprächsbedarf haben, aber keine Richtlinien-Psychotherapie benötigen.
  • Verbesserung der Schnittstelle zwischen konservativer und (ambulant) operativer Versorgung: Neben der Förderung des zuletzt leicht rückläufigen ambulanten Operierens durch eine bundeseinheitliche Definition und angemessene Honorierung der sogenannten Begleitleistungen plädiert die KBV für eine Vergütung des prästationären MRSA-Screenings.
  • Bundeseinheitliche Vergütungen in besonderen Leistungsbereichen: Neben einer Anpassung der Vergütung im Rahmen der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung will die KBV die Kassen davon überzeugen, besonders formlose Anfragen angemessen zu honorieren.

Sabine Rieser

Grafik
Ambulante Versorgung: Die Schere zwischen Versorgungsbedarf und Kapazitäten geht immer weiter auseinander.

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