POLITIK

Honorarverhandlungen: 250 Millionen Euro mehr

Dtsch Arztebl 2015; 112(35-36): A-1403 / B-1181 / C-1153

Korzilius, Heike

Die niedergelassenen Ärzte erhalten im nächsten Jahr mehr Honorar, weil der Behandlungsbedarf der Patienten steigt. Eine Einigung über die Anpassung der Preise für ärztliche Leistungen wurde auf September vertagt.

Es gibt erste Ergebnisse in den Honorarverhandlungen für 2016. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) haben sich bereits am 13. August darauf verständigt, dass die Krankenkassen im nächsten Jahr aufgrund des steigenden Behandlungsbedarfs der Bevölkerung rund 250 Millionen Euro mehr Honorar bereitstellen.

Foto: APOTHEKE ADHOC
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Wie die KBV mitteilt, ergibt sich der Honorarzuwachs aus den regionalen Veränderungsraten bei den Diagnosen und der demografischen Entwicklung. Nach den Berechnungen des Bewertungsausschusses müsste die Menge ärztlicher Leistungen 2016 allein infolge einer wachsenden Krankheitslast im Bundesdurchschnitt um etwa 2,1 Prozent steigen. Die älter werdende Bevölkerung wirkt sich mit 0,2 Prozent aus.

Die auf Bundesebene erzielte Einigung dient als Grundlage für die anschließenden Verhandlungen in den Regionen. Denn darüber, wie hoch dort der finanzielle Mehrbedarf aufgrund des steigenden Behandlungsbedarfs sein wird, verhandeln die Kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen vor Ort.

Die Sitzung am 13. August bildete den Auftakt der diesjährigen Honorarverhandlungen für die rund 165 000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten. Die zweite Runde eine Woche später blieb zunächst ohne Ergebnis. Zum einen verhandelte der Bewertungsausschuss über eine Anpassung des Orientierungswerts für 2016. Zum anderen ging es anschließend im Erweiterten Bewertungsausschuss um die Höhe der psychotherapeutischen Vergütung.

Foto: Georg J. Lopata

KBV und Krankenkassen vertagten die Verhandlungen über den Orientierungswert, der maßgeblich den Preis für eine Untersuchung oder Behandlung bestimmt, auf September. Er beträgt zurzeit rund zehn Cent. Was die künftige Höhe betrifft, „liegen die Vorstellungen von GKV-Spitzenverband und KBV noch weit auseinander“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Andreas Gassen. „Wir sind der Ansicht, dass unsere Forderungen berechtigt und angemessen sind.“ Darüber müsse man jetzt intensiv diskutieren.

Bei der Anpassung des Orientierungswertes müssen nach dem Gesetz insbesondere die Entwicklung der Investitions- und Betriebskosten, Einsparmöglichkeiten sowie die allgemeine Kostendegression bei steigenden Fallzahlen berücksichtigt werden. Die Krankenkassen hätten jedoch ein Gutachten in die Verhandlungen eingebracht, das „eine völlige Abkehr von der bisherigen Systematik“ zur Preisermittlung bedeute, kritisierte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann.

Der GKV-Spitzenverband hält dagegen, das Gutachten diskutiere, ausgehend von den Vorgaben in § 87 Abs. 2 g SGB V, unter anderem Kostendegression und Produktivität bei niedergelassenen Ärzten. Man müsse nicht gleich von einem neuen Berechnungsmodell sprechen, nur weil die Gutachter alle Anpassungskriterien analysierten.

Über die Angemessenheit der psychotherapeutischen Vergütung wurde im Erweiterten Bewertungsausschuss beraten. Auch darüber konnten KBV und GKV-Spitzenverband noch keine Einigung erzielen. Man sei aber ein Stück weiter, betonte Gassen. „Es ist jetzt die Frage, wie die Finanzvolumen in der endgültigen Höhe zu beziffern sind und vor allem, von wem sie aufzubringen sind.“

Eine Überprüfung der KBV hatte ergeben, dass die antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapeuten zu niedrig bewertet sind. Die KBV will erreichen, dass die Honorierung rückwirkend ab 2012 um rund 5,4 Prozent erhöht wird und überdurchschnittlich ausgelastete Praxen einen Strukturzuschlag von bis zu 15 000 Euro im Jahr erhalten.

Heike Korzilius

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