THEMEN DER ZEIT

Digitale Medizin: Ruf nach Regulierung

Dtsch Arztebl 2015; 112(38): A-1514 / B-1270 / C-1242

Krüger-Brand, Heike E.

Hier die Telematikinfrastruktur unter staatlicher Regie, dort der Wildwuchs von Gesundheits-Apps – noch passt beides nicht recht zusammen.

Die Techniker Krankenkasse (TK) erprobt seit kurzem die Online-Sprechstunde per Videochat gemeinsam mit einer Gruppe von bundesweit ausgewählten niedergelassenen Dermatologen. Auch sonst will sich die TK als Vorreiter der „digitalen Medizin“ profilieren und setzt verstärkt auf Online-Angebote wie etwa Apps für Chroniker und Telemedizin. „Digitalisierung wird den Versorgungsalltag dramatisch verändern“, schreibt die Krankenkasse in ihrem Geschäftsbericht 2014. In welche Richtung und mit welchen Chancen und Risiken, war Thema eines von der TK veranstalteten Zukunftskongresses in Berlin.

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„Dreh- und Angelpunkt für die Digitalisierung des Gesundheitswesens insgesamt ist die sichere Telematikinfrastruktur, um darauf aufbauend andere Möglichkeiten zuzulassen und Zugänge zu schaffen“, betonte Gastredner Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG). Neben telemedizinischen Anwendungen spielt Stroppe zufolge dabei zunehmend auch der Bereich der mobilen Lösungen eine Rolle. So sei unter anderem zu klären, was mit den Gesundheitsdaten etwa aus Apps und Wearables geschehen solle. „Gehört mein Puls eigentlich noch mir?“, fragte Stroppe. „Wie geht es mit dem Datenschutz weiter? Wie mit der solidarischen Krankenversicherung? Was soll, was muss der Staat regeln?“ Um Fragen wie diese zu beantworten, hat das BMG zwei Studien in Auftrag gegeben, die Ende des Jahres vorliegen sollen.

Unbekümmerter Umgang

„Patienten haben gar nicht so viele Sorgen mit der iWatch, aber die Ärzte“, erklärte hingegen der Mathematiker und Philosoph Prof. Dr. Gunter Dueck, der für mehr Gelassenheit im Umgang mit der digitalen Welt plädierte. Viele hilfreiche digitale Innovationen würden nur nicht genutzt, weil Abrechnungsfragen nicht geklärt seien, so Dueck.

Unterstützung erhielt er von Shari Langemak vom ärztlichen Wissensportal Medscape Deutschland. Sie verwies auf eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov von Ende 2014, wonach jeder Dritte sich vorstellen könnte, gesundheits- und fitnessbezogene Daten zu messen und mit seiner Krankenversicherung zu teilen, um dadurch Vorteile zu erhalten.

E-Health-Literacy für Ärzte

Der Arzt und E-Learning-Experte Kai Sostmann, Charité Berlin, hingegen warnte davor, Nutzerdaten von Fitness-Trackern und Gesundheits-Apps an die mobilen Anbieter zu transferieren, die diese für Marketingzwecke weiterverwerten. Dies müsse man Patienten klarmachen, aber auch den Ärzten, damit sie ihre Patienten darauf hinweisen könnten, sagte Sostmann. Zur lebenslangen Fortbildung der Ärzte gehöre daher auch die E-Health-Literacy für Ärzte.

Im Hinblick auf die Tatsache, dass bei vielen mobilen Anwendungen sensible Gesundheitsdaten automatisiert auf Server, die im Ausland stehen, übertragen werden, wurde Regulierungsbedarf der Politik angemahnt. „Wo sind Regelungen, die verbieten, dass Gesundheitsdaten in den USA landen, oder die dies sogar unter Strafe stellen?“, fragte Dr. med. Peter Langkafel, Healthcubator. Hier seien eigene deutsche oder europäische Datenschutzlösungen nötig, die etwa festlegen, dass medizinische Daten nur auf Servern in Deutschland oder in Europa gespeichert werden dürfen.

Heike E. Krüger-Brand

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