SPEKTRUM: Leserbriefe
Gesundheitsreform: Paradigmenwechsel überfällig
Dtsch Arztebl 1999; 96(41): A-2552 / B-2194 / C-2041
Zu dem Leitartikel in Heft 33/1999 "Bündnis Gesundheit 2000: Diese Gesundheitsreform macht krank!" von Norbert Jachertz:


An dieser Einigkeit mag ich mich nicht beteiligen: Ist der hippokratische Eid jetzt der
Arbeitsmarktsituation zum Opfer gefallen - und mit ihm das Wohl der Patienten? Darf ich Prävention empfehlen
oder praktizieren, wenn ich in den Verdacht gerate, Arbeitsplätze im "Gesundheitswesen" zu gefährden, ist nur
der Kranke ein gutes Mitglied unseres Gemeinwesens?
Im übrigen scheint es beinahe, die offiziellen Vertreter der Gesundheitsberufe halten den Menschen für eine
evolutionäre Fehlkonstruktion, die man vom Uterus bis zum Totenbett manipulierenderweise beglücken müsse.
Natürlich nimmt man dann nur ungern zur Kenntnis, daß es längst praktizierte Konzepte für Gesundheit gibt, die
dem Ansatz folgen, daß der Homo sapiens sich zum Homo humanus zu entwickeln in der Lage ist und wieder
lernt, sich selbst zu vertrauen anstatt fragwürdig wissenschaftlich abgesicherten Behandlungsstrategien.
Der Paradigmenwechsel in der Medizin ist längst überfällig - hin zu einer die individuellen Ressourcen des
Patienten respektierenden und fördernden Haltung und Herangehensweise. Das jetzige Geschrei wird ihn
allerdings auch nicht mehr aufhalten können, denn es sind momentan wohl nicht die Patientenverbände, die
Sturm laufen.
Dr. med. Heidje Duhme, Wentzelstraße 10, 22301 Hamburg
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