SPEKTRUM: Leserbriefe
Antibiotika: Andere Gründe
Dtsch Arztebl 1999; 96(41): A-2554 / B-2180 / C-2043
Zu dem Medizinreport "Therapieentscheidung wider besseres Wissen: Warum Ärzte gegen Viren mit Antibiotika vorgehen" von Klaus Koch in Heft 27/1999:


. . . Aus meiner Sicht als seit 17 Jahren niedergelassenem Arzt für Allgemeinmedizin und Hausarzt muß
ich korrigierend vermerken, daß diese Aufstellung keineswegs die Entscheidungsfindung von mir und vielen
meiner Kollegen trifft. Was mich betrifft, kann ich mich nicht entsinnen, in den vergangenen Jahren jemals ein
Antibiotikum ohne Indikation und nur aus Augendienerei einem Patienten gegenüber verordnet zu haben. Wohl
spielen verschiedene andere Gründe eine Rolle, die der Autor hier nicht berücksichtigt hat.
Es ist nicht immer einfach, in der Sprechstunde und der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit die
Unterscheidung zwischen einem viralen und einem bakteriellen Erreger sicher zu treffen. Wenn der Patient nicht
die Zeit und Bereitschaft zu einer laborchemischen oder andersartigen Diagnostik hat, muß im Zweifelsfall auch
eine antibiotische Abdeckung erfolgen.
Patienten mit vorbekannten Risiken wie Asthma bronchiale mit rezidivierenden Entgleisungen im Rahmen von
Atemwegsinfekten werden sinnvollerweise beim Hausarzt auch zu Beginn eines Virusinfektes zum Schutz vor
einer bronchialen Superinfektion antibiotisch behandelt beziehungsweise "abgedeckt".
Der Zeitpunkt der Erstbehandlung ist in der ambulanten Medizin sehr unterschiedlich. Wenn es sich um
verschleppte beziehungsweise protrahiert verlaufene Infekte handelt mit Sekundärsymptomen, die im Verlauf
hinzutraten, ist ohne schnell durchführbare Sofortdiagnostik im Zweifelsfall davon auszugehen, daß sich eine
bakterielle Superinfektion der durch den protrahierten Schleimhautinfekt beeinträchtigten Lokalabwehr gebildet
hat.
Dr. med. G. Riehl, Rathausstraße 11, 57234 Wilnsdorf
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