VARIA: Schlusspunkt
Humor in der Therapie: "Klinik-Clowns" und "Gelächterzimmer"
Dtsch Arztebl 1999; 96(41): [56] / [56] / [56]


Beim Lachen legt sich die Nase in Falten, die Nasenlöcher weiten sich. Der Kopf wird zurückgeworfen,
die Augen werden geschlossen. Der Zygomaticus-Muskel zieht den Mund nach oben und sorgt für einen
glücklichen Ausdruck. Der Augenmuskel wird angespannt und aktiviert im Gehirn positive Gefühle. Der
"Lachmuskel" spannt 15 Gesichtsmuskeln an, darunter die des Tränensacks, so daß man "unter Tränen lachen
kann". Der Mund weitet sich, weil die Ein- und Ausatmung (stoßweise) vervielfacht wird. Dabei werden die
Stimmbänder in Schwingung versetzt, so daß es die typischen stakkatoartigen Lachlaute gibt. Der Brustkorb
wird gezerrt (manchmal schmerzhaft). Der Körper schaukelt hin und her. Das Zwerchfell "hüpft" und massiert
die Eingeweide.
Die Frage nach dem dafür verantwortlichen Reiz hat schon Erich Kästner aufgeworfen: "Worüber lacht der
Mensch?" Er lacht, wenn man ihn kitzelt. Oder er lacht, wenn er andere lachen hört. Aber worüber lacht der
Mensch, wenn sein Herz und sein Verstand bei der Sache sind? Das ist rasch gesagt: Er lacht meist über
Kontraste. "Kontraste" ergeben sich immer dann, wenn etwas Unerwartetes auftritt. Das kann schon der Fall
sein, wenn ein Opernsänger einen Schluckauf kriegt oder eine Autoritätsperson auf der berühmten
Bananenschale ausrutscht. Dies erscheint allemal lustig, doch ob dabei wirklich herzhaft gelacht werden kann
oder darf, das hängt auch von der Kontrolle des Gewissens ab. Von harmlosen Kontrasten leben übrigens
absurde Witze, paradoxe Wortspiele und geistreiche Scherze. Ein Beispiel bringt uns Woody Allen: "Der
Nihilismus behauptet, daß es kein Leben nach dem Tode gibt. Ein deprimierender Gedanke, besonders für einen,
der sich nicht rasiert hat!"
Lachen "auf Krankenschein" gibt es bislang nicht. In vielen amerikanischen Krankenhäusern gibt es jedoch
festangestellte "Hu-morberater". "Gelächterzimmer" wurden etabliert, und Humor- und Lachprogramme werden
angeboten. Viele Krankenschwestern und (Kinder-)Ärzte haben sich zum "Klinik-Clown" fortgebildet. Diese
Tendenz besteht auch in Deutschland, wo es eine Reihe von Vereinen gibt, die "Klinik-Clowns"
beziehungsweise "Clowndoktoren" ausbilden. In Basel beschäftigte sich kürzlich sogar ein Kongreß mit dem
Thema "Humor in der Therapie".
Michael Titze/Peter Hain
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