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VARIA: Schlusspunkt

Humor in der Therapie: "Klinik-Clowns" und "Gelächterzimmer"

Dtsch Arztebl 1999; 96(41): [56] / [56] / [56]

Titze, Michael; Hain, Peter

Beim Lachen legt sich die Nase in Falten, die Nasenlöcher weiten sich. Der Kopf wird zurückgeworfen, die Augen werden geschlossen. Der Zygomaticus-Muskel zieht den Mund nach oben und sorgt für einen glücklichen Ausdruck. Der Augenmuskel wird angespannt und aktiviert im Gehirn positive Gefühle. Der "Lachmuskel" spannt 15 Gesichtsmuskeln an, darunter die des Tränensacks, so daß man "unter Tränen lachen kann". Der Mund weitet sich, weil die Ein- und Ausatmung (stoßweise) vervielfacht wird. Dabei werden die Stimmbänder in Schwingung versetzt, so daß es die typischen stakkatoartigen Lachlaute gibt. Der Brustkorb wird gezerrt (manchmal schmerzhaft). Der Körper schaukelt hin und her. Das Zwerchfell "hüpft" und massiert die Eingeweide.
Die Frage nach dem dafür verantwortlichen Reiz hat schon Erich Kästner aufgeworfen: "Worüber lacht der Mensch?" Er lacht, wenn man ihn kitzelt. Oder er lacht, wenn er andere lachen hört. Aber worüber lacht der Mensch, wenn sein Herz und sein Verstand bei der Sache sind? Das ist rasch gesagt: Er lacht meist über Kontraste. "Kontraste" ergeben sich immer dann, wenn etwas Unerwartetes auftritt. Das kann schon der Fall sein, wenn ein Opernsänger einen Schluckauf kriegt oder eine Autoritätsperson auf der berühmten Bananenschale ausrutscht. Dies erscheint allemal lustig, doch ob dabei wirklich herzhaft gelacht werden kann oder darf, das hängt auch von der Kontrolle des Gewissens ab. Von harmlosen Kontrasten leben übrigens absurde Witze, paradoxe Wortspiele und geistreiche Scherze. Ein Beispiel bringt uns Woody Allen: "Der Nihilismus behauptet, daß es kein Leben nach dem Tode gibt. Ein deprimierender Gedanke, besonders für einen, der sich nicht rasiert hat!"
Lachen "auf Krankenschein" gibt es bislang nicht. In vielen amerikanischen Krankenhäusern gibt es jedoch festangestellte "Hu-morberater". "Gelächterzimmer" wurden etabliert, und Humor- und Lachprogramme werden angeboten. Viele Krankenschwestern und (Kinder-)Ärzte haben sich zum "Klinik-Clown" fortgebildet. Diese Tendenz besteht auch in Deutschland, wo es eine Reihe von Vereinen gibt, die "Klinik-Clowns" beziehungsweise "Clowndoktoren" ausbilden. In Basel beschäftigte sich kürzlich sogar ein Kongreß mit dem Thema "Humor in der Therapie".
Michael Titze/Peter Hain
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