69 Artikel im Heft, Seite 54 von 69

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Intensivierte Diabetestherapie: Super-Depotinsulin in der Entwicklung

Dtsch Arztebl 1999; 96(47): A-3059 / B-2600 / C-2408

Bischoff, Angelika

Die Ergebnisse der 1993 veröffentlichten DCCT-Studie mit Typ-1-Diabetikern und die 1998 veröffentlichten Daten der UKPDS-Studie mit Typ-2-Diabetikern haben zu einem Wandel in der Insulintherapie geführt. Beide Studien zeigten, daß das Risiko für diabetische Spätschäden deutlich durch optimale Stoffwechseleinstellung herabgesetzt werden kann.
Zur Therapie des Typ-1-Diabetes kommt heute nur noch eine intensivierte Insulintherapie in Frage mit mehrfachen Injektionen während des Tages in Kombination mit einem Verzögerungsinsulin am späten Abend. Diese intensivierte Therapie sollte gestartet werden, sobald die Diagnose feststeht, wie Prof. Rolf Renner (München) bei einem Symposium der Firma Hoechst Marion Roussel mitteilte. Der Zeitpunkt der Dosierung und die Dosis selbst müßten dabei individuell angepaßt werden, um langfristig eine gute Stoffwechselkontrolle zu erzielen.
Auch beim insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Bisher war in Deutschland die zweimalige Applikation einer 25/75- beziehungsweise 30/70-Mischung üblich. Doch diese Art der Insulintherapie verlangt, daß der Patient Zwischenmahlzeiten einnimmt, die seine Kalorienaufnahme und damit das Körpergewicht erhöhen. Immer mehr setzt sich deshalb inzwischen auch beim Typ-2-Diabetes eine intensivierte Insulintherapie mit kurzwirksamen Insulinen zu den Mahlzeiten durch. Denn gerade zu Beginn seiner Erkrankung leidet der Typ-2-Diabetiker nur postprandial an einem Insulinmangel. Genügt dies nicht, um den Glukosespiegel normnah einzustellen, kann zusätzlich am Abend Metformin gegeben oder ein Verzögerungsinsulin gespritzt werden.
Alle bisherigen Verzögerungsinsuline verlangen aber therapeutische Kompromisse, da entweder die Resorption intraindividuell erheblich schwankt (Zink-Insuline) oder die Wirkdauer zu kurz ist (NPH-Insulin). Mit HOE 901 (Glargine) wird derzeit bei Hoechst Marion Roussel ein neues Verzögerungsinsulin entwickelt mit deutlich verbesserter Depotwirkung. Durch eine Strukturvariation im Molekül wird erreicht, daß die Substanz im physiologischen pH-Wert-Bereich schwer löslich wird und damit verzögert aus dem subkutanen Depot in den Blutkreislauf gelangt. In pharmakologischen Untersuchungen mit HOE 901 fand man ein flaches, lang dauerndes Wirkprofil ohne Peak. Dies sollte in der Praxis eine Einmaldosierung ermöglichen. Der fehlende Peak läßt zudem ein geringeres Hypoglykämierisiko erwarten. Vergleichende Phase-II-Studien zwischen HOE 901 und NPH-Insulin bei Typ-1- und bisher nicht mit Insulin behandelten Typ-2-Diabetikern über jeweils vier Wochen bestätigen diese Erwartungen. Bei Typ-1-Diabetikern erreichte man mit HOE 901 gleichzeitig einen niedrigeren PlasmaGlukosespiegel und HbA1c-Wert. Der Unterschied in der Stoffwechseleinstellung fiel bei Typ-2-Diabetikern nicht signifikant aus, wahrscheinlich, weil der Effekt der erstmaligen Insulingabe in beiden Gruppen so groß war, daß innerhalb von vier Wochen keine Unterschiede zwischen beiden Präparaten auftraten.
Dr. med. Angelika Bischoff

Anzeige

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
69 Artikel im Heft, Seite 54 von 69

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
6 / 2013 3 0
5 / 2013 14 0
4 / 2013 12 0
3 / 2013 9 0
2 / 2013 4 0
1 / 2013 5 1
2013 47 1
2012 46 3
2011 47 3
2010 50 8
2009 38 4
2008 228 19
2007 391 26
2006 125 60
2005 14 25
Total 986 149

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in