SPEKTRUM: Bücher
Neger, Neger, Schornsteinfeger!
Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-578 / B-479 / C-466


Biographie
Schwarzer Deutscher
Hans J. Massaquoi: Neger, Neger, Schornsteinfeger! Meine Kindheit in Deutschland. Aus dem Englischen von
Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Fretz & Wasmuth im Scherz Verlag, Bern, München, Wien, 1999, 416
Seiten, 29 Fotos, gebunden, mit Schutzumschlag, Lesebändchen, 49,90 DM
Hans Jürgen Massaquoi wurde 1926 als Sohn des Liberianers Al-Haj Massaquoi und der Hamburger
Krankenschwester Berta Baetz geboren. Aufgrund seiner Hautfarbe war er schon sehr früh Anfeindungen und
Demütigungen ausgesetzt. "Neger, Neger, Schornsteinfeger" - diesen Spottreim hörte er immer wieder, wenn er
draußen auf den Straßen Hamburgs spielte. Fasziniert war Massaquoi zunächst, als er 1933 die Aufmärsche und
Uniformen der Nationalsozialisten sah. Doch rasch wich diese Faszination der Erkenntnis, dass er zu den
Ausgegrenzten der Nazi-Gesellschaft gehörte. Er überlebte die zwölf Jahre bis zum Kriegsende, weil er trotz
vieler Anfeindungen die Unterstützung Einzelner fand. Nach 1945 machte Massaquoi in den USA als
Chefredakteur des Magazins "Ebony" Karriere. Die Beobachtungen eines schwarzen Deutschen in der Zeit des
Nationalsozialismus zeigen eindringlich, wie rasch sich die Ausgrenzung der nichtarischen Bevölkerung vollzog.
Dass Massaquoi selbst dem NS-Terror nicht zum Opfer fiel, hatte er wohl nur dem Umstand zu verdanken, dass
er einer Minderheit angehörte, für die die Nazis kein Vernichtungskonzept entwickelt hatten.
Marianne Bechhaus-Gerst, Köln
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