Supplement: Praxis Computer
Telekommunikationstechnik in der Arztpraxis: Mehr Service durch schnellere Kommunikation
Dtsch Arztebl 2000; 97(11): [32]


Gleichgültig, ob es um Anrufe von Patienten, Kollegen, Kostenträgern oder um die interne Information
geht: Durch den Einsatz eines
modernen ISDN-Kommunikations- systems lassen sich die Arbeitsabläufe in einer Arztpraxis
effizienter gestalten und auch der Service deutlich verbessern.
Angesichts zunehmender Konkurrenz und steigender Ansprüche der Patienten ist die Kommunikation zu einem
entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die Arztpraxis geworden. Ein optimaler Informationsfluss verkürzt
interne Arbeitsabläufe und ermöglicht einen hochwertigen Service. So erwarten die Patienten auch am Telefon
eine schnelle, kompetente und zuvorkommende "Behandlung". Überlastete Telefonleitungen, uninformierte
Mitarbeiterinnen oder gar Anrufe, die ins Leere laufen, weil niemand erreichbar ist, kann sich eine Arztpraxis
immer weniger leisten. Um den Patienten das sichere Gefühl persönlicher Betreuung zu geben, ist die
Erreichbarkeit oder zumindest ein umgehender Rückruf sowie die rasche Erledigung telefonisch vorgebrachter
Anliegen besonders wichtig. Wer nicht erreichbar ist, verliert hingegen Patienten.
Um dies zu vermeiden, speichern moderne Telekommunikationsanlagen, wenn niemand den Hörer abhebt, die
ISDN-Nummer des Anrufers in einer Liste. Diese Rückrufliste wird im Display des Telefons oder am PC
angezeigt und kann anschließend abgearbeitet werden. Um keine Zeit mit der Suche nach Telefonnummern zu
verlieren, gibt es ein zentrales elektronisches Telefonbuch, das auch Zusatzinformationen wie Anschrift und
Faxnummer eines Gesprächspartners im Display anzeigt. Wenn das nicht ausreicht, sorgt eine Verbindung von
Telekommunikationssystem und Computer - die so genannte Computer-Telefon-Integration (CTI) - für noch
mehr Schnelligkeit.
Mehr Effizienz, weniger Gebühren
Vieles lässt sich dann direkt am PC schneller und einfacher erledigen. Dies beginnt schon beim Wählen: Statt die
Nummer am Telefon eintippen zu müssen, genügt ein Mausklick am Praxiscomputer, und die Verbindung wird
hergestellt. Klingelt das Telefon, "erkennt" das System den Anrufer anhand seiner Telefonnummer und kann so
beispielsweise dem Arzt oder seiner Mitarbeiterin schon zu Beginn des Gesprächs die Stammdaten des Patienten
am Bildschirm anzeigen. Ruft der Patient wegen eines Wiederholungsrezeptes an, können die Daten und das
entsprechende Medikament noch während des Gesprächs in ein Rezeptformular übernommen und ausgedruckt
werden. Die Arbeitsproduktivität steigt, denn keine Zeit geht mehr durch das Suchen und (fehleranfällige)
Eintippen von Telefonnummern oder durch das Herausholen und Blättern in der Patientenakte verloren.
Angesichts steigender Praxiskosten ist auch die integrierte "Least Cost Routing"-Funktion (LCR), die für jedes
Gespräch automatisch den jeweils preiswertesten Carrier nach dem Call-by-Call-Prinzip wählt, interessant. Da
die Gebühren durch den Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern erheblich ins Rutschen gekommen sind, ist
diese Funktion bares Geld wert. Auch das systematische Gebührenmanagement, das die Erfassung, Archivierung
und verursachergerechte Zuordnung der Telefonkosten ermöglicht, hat einen erfreulichen Nebeneffekt: Die
Mitarbeiterinnen sehen per Ausdruck oder auf dem Telefondisplay, was ihre Gespräche kosten. Manches
Telefonat wird dadurch kürzer und preisgünstiger.
In sehr großen Praxen oder Praxiskliniken bietet auch ein Schnurlostelefonsystem ein beträchtliches
Sparpotenzial. Damit sind Ärzte und Mitarbeiterinnen überall im Gebäude sowohl für interne als auch für
externe Gesprächspartner direkt erreichbar: Parallel zum Telefon auf dem Schreibtisch läutet auch das
Schnurlostelefon, das der Arzt bzw. die Helferin stets bei sich führen, wenn sie in der Praxis unterwegs sind.
Sämtliche Gespräche werden automatisch auf das Mobiltelefon umgeleitet. Der Anrufer merkt davon nichts, er
muss sich weder eine Handy-Nummer notieren noch ein zweites Mal wählen; und es fallen auch keine teuren
Mobilnetzgebühren an. Absprachen zwischen den Ärzten bzw. zwischen Ärzten und Mitarbeiterinnen sind
möglich, ohne den Gesprächspartner erst suchen zu müssen, Anrufern von außerhalb bleibt die Zeit in der
Warteschleife, bis sie verbunden werden, erspart, und die lästige "Zettelwirtschaft" sowie Fehler bei der
Übermittlung von Nachrichten fallen weg. Weil Rückrufe nur noch selten nötig sind, sinkt auch die
Telefonrechnung.
Kürzere Kommunikationswege
Über einen Kommunikationsserver können auch Durchsagen in das Wartezimmer oder in einzelne
Behandlungsräume schnell und einfach realisiert werden. Ebenso lassen sich Telefonkonferenzen per
Knopfdruck schalten. So muss in einer Gemeinschaftspraxis bei Gesprächen, in denen es um Vereinbarungen
mit einem Dritten geht, die alle Partner betreffen, nicht endlos hin- und hertelefoniert werden, sondern alle
Beteiligten können notwendige Absprachen sofort im direkten Gespräch miteinander treffen.
Für einen schnellen Informationsfluss und eine bessere Erreichbarkeit sorgen auch elektronische Sprachboxen,
die sich für jedes Mitglied des Praxisteams einrichten lassen - eine Lösung, die vor allem in größeren
Praxisgemeinschaften oder Gemeinschaftspraxen von Vorteil ist. Sprachboxen bieten wesentlich mehr Komfort
als ein herkömmlicher Anrufbeantworter. Dazu gehört die individuelle Ansage oder die Möglichkeit, die
gespeicherten Nachrichten - wenn gewünscht, sogar mit einem Kommentar versehen - auch weiterzuverteilen,
zum Beispiel an das Mobilfunkhandy eines Arztes oder einer Helferin, die zu Hausbesuchen unterwegs sind. Die
Voice-Mail-Box kann unter Benutzung einer individuell festlegbaren Codenummer von jedem beliebigen
Telefon aus abgehört werden, auch von außerhalb der Praxis.
Über Fax und E-Mail lassen sich heute auch schriftliche Informationen wesentlich schneller als früher
übermitteln. Hier kann beispielsweise über Adapter ohne zusätzlichen Verkabelungsaufwand und Steckdosen für
Computer oder andere Bürogeräte eine Verbindung zur Außenwelt geschaffen werden. Die Adapter werden ganz
ohne Werkzeug an der Rückseite der Telefone eingesteckt und mit einem Faxgerät, einem Modem oder einer
ISDN-Karte verbunden. So lässt sich über die Telefondrähte eine flexible Praxisorganisation verwirklichen, die
bei Bedarf auch problemlos erweitert werden kann.
Barbara Heckerott
Rückrufkosten sind keine Kleinigkeit
Eine Beispielrechnung zeigt das Kosteneinsparungspotenzial:
Rückrufgebühren/Tag bei 5 Rückrufen im Nah- und
Fernbereich à 5 Min. (0,42 DM durchschnittliche Gebühr
über alle Tarife = 2,10 DM/Gespräch) ca. 10 DM
Kosten für zusätzlich aufgewendete Arbeitszeit - Notizen,
Suchvorgänge, Weiterleitung von Informationen etc. pro Rückruf 5 Min. = 25 Min. ca. 25 DM
(bei durchschnittlichen Lohnkosten 60 DM/Std.)
Rückrufkosten/Tag gesamt 35 DM
Vermeidbare Gesamtkosten/Jahr (200 Arbeitstage) ca. 7 000 DM
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.