72 Artikel im Heft, Seite 69 von 72

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundesärztekammer

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "UAW-News" - International

Dtsch Arztebl 2000; 97(12): A-796 / B-657 / C-615

Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalem Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.


Noch einmal: Johanniskrautpräparate - Gefährliches Interaktionsrisiko


Interaktion Ciclosporin und Hypericum perforatum


Von akuten Abstoßungsreaktionen bei zwei transplantierten Patienten wird berichtet. Die Abstoßungsreaktion wird auf eine metabolische Interaktion von Hypericum perforatum und Ciclosporin zurückgeführt (1).
Im ersten Fall handelt es sich um einen 61-jährigen herztransplantierten Patienten, der mit Ciclosporin, Azathioprin und Corticoiden immunsuppressiv behandelt wurde. Wegen einer leichten Depression behandelte sich der Patient selbst(!) mit einem Hypericumpräparat. Drei Wochen später traten erste Symptome einer Abstoßungsreaktion auf, was erst durch das Absetzen von Hypericum und einer intensiven immunsuppressiven Stoßtherapie erfolgreich therapiert werden konnte. Bei dem zweiten Fall handelt es sich um einen 63-jährigen Patienten, der sich vor 20 Monaten einer Herztransplantation unterzogen hatte und unter einer immunsuppressiven Therapie mit Ciclosporin, Azathioprin und Corticoiden stand. Nach einer durch den Psychiater wegen Angst und Depressionen initiierten Behandlung mit Hypericum zeigte sich eine Abstoßungsreaktion des Herztransplantates. In beiden Fällen war die Ciclosporin-Plasmakonzentration kurz nach Beginn der Johanniskraut-Behandlung auf ca. die Hälfte der bestehenden Plasma-Spiegel abgefallen. Nach Absetzen des Hypericum kehrte die PlasmaCiclosporin-Konzentration zu den Ausgangswerten zurück.
Interaktion Indinavir und Hypericum perforatum


Hypericum reduzierte die Fläche unter der Plasmakonzentration-/Zeitkurve (AUC) des HIV-1-ProteaseInhibitors Indinavir um mehr als die Hälfte. Eine Reduktion der Indinavir-Konzentration von derartiger Größenordnung kann zum Therapieversagen aufgrund einer sub-optimalen antiviralen Plasmakonzentration führen (2).
Die vermehrten Hinweise auf Wech-selwirkungen von Hypericum mit ande-ren Arzneimitteln (3, 4), die zu schwer-wiegenden therapeutischen Konsequenzen führen können, lassen nach Auffas-sung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft nunmehr die Frage dringlich werden, ob Johanniskrauthaltige Arzneimittel nicht der Verschrei-bungspflicht unterstellt werden müssen.


Literatur
1. Ruschitzka F, Meier PJ, Turina M, Lüscher TF, Noll G: Acute heart transplant rejection due to Saint John’s wort, The Lancet, Vol 355, February 12, 2000.
2. Piscitelli SC, Burstein AH, Chaitt D, Alfaro RM, Falloon J: Indinavir concentrations and St. John’s wort, The Lancet, Vol 355, February 12, 2000.
3. "UAW-News" - International, Dt Ärztebl 2000; 97: A-274 [Heft 5].
4. Johanniskraut - Einfluss auf andere Arzneimittel, Dt Ärztebl 2000; 97: A-4 [Heft 1-2].
Erratum:
"UAW-News" - International, Johan-niskrautpräparate - Gefährliches Inter-aktionsrisiko, Dt. Ärztebl., Heft 5 vom 4. Febr. 2000
Die AkdÄ hatte über das gefährliche Interaktionsrisiko mit Johanniskraut-präparaten berichtet. Unter anderem hatte sie geschrieben: So können unter Umständen durch eine gleichzeitige Ein-nahme von Johanniskrautpräparaten die Plasmakonzentrationen folgender Thera-peutika vermindert werden: Cumarin, Warfarin, einige Antikonvulsiva, orale Kontrazeptiva oder Antiinfektiva.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) machte uns auf ein mögliches Missverständnis aufmerksam, das wir an dieser Stelle korrigieren wollen. Richtig muss es heißen: So können unter Umständen durch eine gleichzeitige Einnahme von Johannis-krautpräparaten die Plasmakonzentrationen folgender Therapeutika vermin-dert werden: Medikamente vom Cuma-rintyp wie Phenprocoumon und Warfarin, einige Antikonvulsiva, orale Kontrazeptiva oder Antiinfektiva.
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233-237, 50931 Köln, Tel 02 21/40 04-5 19, Fax -5 39, E-Mail: akdae@t-online.de

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