Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "UAW-News" - International
Dtsch Arztebl 2000; 97(12): A-796 / B-657 / C-615
Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalem
Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.
Noch einmal:
Johanniskrautpräparate - Gefährliches Interaktionsrisiko
Interaktion Ciclosporin und Hypericum perforatum
Von akuten Abstoßungsreaktionen bei zwei transplantierten Patienten wird berichtet. Die Abstoßungsreaktion
wird auf eine metabolische Interaktion von Hypericum perforatum und Ciclosporin zurückgeführt (1).
Im ersten Fall handelt es sich um einen 61-jährigen herztransplantierten Patienten, der mit Ciclosporin,
Azathioprin und Corticoiden immunsuppressiv behandelt wurde. Wegen einer leichten Depression behandelte sich der Patient selbst(!) mit einem Hypericumpräparat. Drei Wochen später traten
erste Symptome einer Abstoßungsreaktion auf, was erst durch das Absetzen von Hypericum und einer intensiven
immunsuppressiven Stoßtherapie erfolgreich therapiert werden konnte.
Bei dem zweiten Fall handelt es sich um einen 63-jährigen Patienten, der sich vor 20 Monaten einer
Herztransplantation unterzogen hatte und unter einer immunsuppressiven Therapie mit Ciclosporin, Azathioprin
und Corticoiden stand. Nach einer durch den Psychiater wegen Angst und Depressionen initiierten Behandlung
mit Hypericum zeigte sich eine Abstoßungsreaktion des Herztransplantates.
In beiden Fällen war die Ciclosporin-Plasmakonzentration kurz nach Beginn der Johanniskraut-Behandlung auf
ca. die Hälfte der bestehenden Plasma-Spiegel abgefallen. Nach Absetzen des Hypericum kehrte die PlasmaCiclosporin-Konzentration zu den Ausgangswerten zurück.
Interaktion Indinavir und Hypericum perforatum
Hypericum reduzierte die Fläche unter der Plasmakonzentration-/Zeitkurve (AUC) des HIV-1-ProteaseInhibitors Indinavir um mehr als die Hälfte. Eine Reduktion der Indinavir-Konzentration von derartiger
Größenordnung kann zum Therapieversagen aufgrund einer sub-optimalen antiviralen Plasmakonzentration
führen (2).
Die vermehrten Hinweise auf Wech-selwirkungen von Hypericum mit ande-ren Arzneimitteln (3, 4), die zu
schwer-wiegenden therapeutischen Konsequenzen führen können, lassen nach Auffas-sung der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft nunmehr die Frage dringlich werden, ob
Johanniskrauthaltige Arzneimittel nicht der Verschrei-bungspflicht unterstellt werden müssen.
Literatur
1. Ruschitzka F, Meier PJ, Turina M, Lüscher TF, Noll G: Acute heart transplant rejection due to Saint John’s
wort, The Lancet, Vol 355, February 12, 2000.
2. Piscitelli SC, Burstein AH, Chaitt D, Alfaro RM, Falloon J: Indinavir concentrations and St. John’s wort, The
Lancet, Vol 355, February 12, 2000.
3. "UAW-News" - International, Dt Ärztebl 2000; 97: A-274 [Heft 5].
4. Johanniskraut - Einfluss auf andere Arzneimittel, Dt Ärztebl 2000; 97: A-4 [Heft 1-2].
Erratum:
"UAW-News" - International, Johan-niskrautpräparate - Gefährliches Inter-aktionsrisiko, Dt. Ärztebl., Heft 5
vom 4. Febr. 2000
Die AkdÄ hatte über das gefährliche Interaktionsrisiko mit Johanniskraut-präparaten berichtet. Unter anderem
hatte sie geschrieben: So können unter Umständen durch eine gleichzeitige Ein-nahme von
Johanniskrautpräparaten die Plasmakonzentrationen folgender Thera-peutika vermindert werden: Cumarin,
Warfarin, einige Antikonvulsiva, orale Kontrazeptiva oder Antiinfektiva.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) machte uns auf ein mögliches
Missverständnis aufmerksam, das wir an dieser Stelle korrigieren wollen. Richtig muss es heißen: So können
unter Umständen durch eine gleichzeitige Einnahme von Johannis-krautpräparaten die Plasmakonzentrationen
folgender Therapeutika vermin-dert werden: Medikamente vom Cuma-rintyp wie Phenprocoumon und Warfarin, einige Antikonvulsiva, orale Kontrazeptiva oder Antiinfektiva.
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233-237, 50931 Köln, Tel 02 21/40 04-5
19, Fax -5 39, E-Mail: akdae@t-online.de
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