MEDIZIN: Diskussion
Stufenplan zur Behandlung der essenziellen Trigeminusneuralgie: Schlusswort
Dtsch Arztebl 2000; 97(15): A-1005 / B-835 / C-781
Zu dem Beitrag von Dr. med. Baschar Al-Khalaf Prof. Dr. med. Friedrich Loew Prof. Dr. med. Erich Donauer in Heft 49/1999


Das lebhafte Interesse, das die von uns vorgeschlagene Behandlungsstrategie der essenziellen
Trigeminusneuralgie gefunden hat, bestätigt die Nützlichkeit eines solchen Stufenplanes für die praktische
Medizin. Für die in den voranstehenden Zuschriften vorgeschlagenen Anregungen und Ergänzungen sind wir
dankbar.
Den Ausführungen von Böker und Jödicke stimmen wir zu, vor allem auch dem Hinweis, dass nicht das
kalendarische, sondern das biologische Alter, mit anderen Worten, die operative Belastbarkeit, maßgeblich sind
für die Entscheidung für oder gegen eine mikrovaskuläre Dekompression.
Auf die noch relativ neue Möglichkeit der Behandlung mittels hochdosierter fokussierter Bestrahlung (Gamma
Knife, LINAK) haben Böker und Jödicke, Wowra sowie Horstmann hingewiesen. Für die seltenen Fälle, auf die
wir nicht eingegangen waren, die weder auf eine adäquate konservative noch auf eine operative Behandlung
ansprechen, halten wir deren Einsatz für gerechtfertigt und empfehlenswert. Vor einer allgemeinen Empfehlung
zum Einsatz der Strahlentherapie möchten wir allerdings die Ergebnisse größerer Serien und längerer
Nachbeobachtungszeiten abwarten.
Die Hinweise von Häussermann und von Stürenburg auf neuere Antiepileptika wie Gabapentin und Lamotrigin
sind wertvoll und bereichern die konservativen Behandlungsmöglichkeiten. Es versteht sich von selbst, und ist
deshalb von uns nicht näher ausgeführt worden, dass bei aller medikamentösen Therapie klinischpharmakologische und gerontologische Grundsätze berücksichtigt werden müssen.
Die Wirksamkeit von Doxepin, das von Wörz empfohlen wird, ist bei nur 43 Prozent Schmerzbefreiung und 21
Prozent wesentlicher Schmerzlinderung geringer als die der gängigen Antiepileptika. Bei deren Versagen oder
zu deren Unterstützung kann sein Einsatz aber gerechtfertigt sein.
Die Lokalanästhesie von Trigeminusästen oder des Trigeminusganglions, auf die Bauch hinweist, gehört zu den
schon früh zur Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzten Verfahren. Es kann eine akute Serie von
Schmerzattacken unterbrechen, bringt aber nach übereinstimmenden Berichten der Literatur und eigenen
Erfahrungen keine Dauerheilungen. Dies gilt auch für die von Häussermann empfohlene ganglionäre lokale
Opioid-Analgesie. Sein Hinweis, dass - entgegen den Literaturberichten - nach seinen eigenen Erfahrungen
auch durch Glyzerininjektion in die Trigeminuszisterne eine Anaesthesia dolorosa ausgelöst werden kann, ist
wertvoll. Er bestärkt uns in unserer zurückhaltenden Bewertung dieses Behandlungsverfahrens. Leider werden
solche negativen Erfahrungen nur selten publiziert.
Generell gilt, dass es in Anbetracht der häufigen spontanen Remissionen im Verlauf der essenziellen Trigeminusneuralgie besonders schwer ist, die Wirksamkeit von Behandlungsverfahren zu beurteilen. Das
setzt Langzeitbeobachtungen von großen Serien voraus.
Dr. med. Baschar Al-Khalaf
Prof. Dr. med. Erich Donauer
Prof. Dr. med. Friedrich Loew
Am Gedünner 15
66424 Homburg/Saar
E-Mail: f.loew@t-online.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.