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VARIA: Schlusspunkt

Der Genuss von Grünkern-Gnocchi: Unterschiede zwischen Chirurgen und Internisten

Dtsch Arztebl 2000; 97(15): [64] / [64] / [64]

Bürgstein, Hubertus

Chirurgen und Internisten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Arbeitsweise im Kampf für die Volksgesundheit. Auch im nicht unmittelbar professionellen Leben treten oft gravierende Gegensätze auf, die selbst in der Kantine immer wieder deutlich werden. Während wir Internisten zuerst sorgsam den Speiseplan studieren und die Mahlzeit auf ihre Auswirkungen auf unser zukünftiges Leben hin überprüfen, hasten die schneidenden Kollegen schnell an uns vorbei und fragen am Tresen kurz: "Was gibts?" Sekunden später wird ihr Teller beladen, und auf dem Weg von der Kasse zum Sitzplatz haben sie bald die Hälfte der Portion verzehrt. An guten Tagen haben wir zu diesem Zeitpunkt die kontroverse Diskussion um die beste Menüwahl gerade erst abgeschlossen.

Am Freitag gibt es neben saurem Hering in Gelee als Auswahlgericht Grünkern-Gnocchi, wozu ich mich entscheide. So etwas habe ich noch nie gegessen, und Gnocchi erinnern mich an meinen letzten Italien-Urlaub. Ehe ich die Tragweite dieser Entscheidung erfasst habe, befindet sich auch schon ein Teller auf meinem Tablett. Zwei grünliche Halbkugeln, die aussehen wie zerkochte Tennisbälle, glotzen mich von dort an. Dazu gesellt sich eine unförmige ockerfarbene Masse, die laut Speiseplan Vollkornnudeln darstellen sollten. Ohne archäologische Basiskenntnisse ist es mir jedoch nicht möglich, ihre ursprüngliche Form zu rekonstruieren.

Wenn man zum ersten Mal ein neues Gericht isst, darf man sich etwas wünschen, sagt meine Frau immer. Das Problem ist hier jedoch, dass man es essen muss. Während ich noch überlege, ob es sinnvoll sein kann, sich zu wünschen, keinen Hunger mehr zu haben, höre ich lautes Scheppern neben mir. Mein Kollege Uwe aus der Chirurgie ist an meinem Tisch zwischengelandet, um einen Geleewürfel mit Kartoffeln einzunehmen. "Hallo!" ruft er zackig und setzt sich, während er den ersten Bissen nach raschen Kaubewegungen hinunterschluckt.

Plötzlich hält er inne und raunzt: "Das Salz ist schwach!" Ein beherzter Griff zum Salzstreuer, Deckel abgeschraubt, kurze Kippbewegung, und schon ist das Problem für ihn gelöst.
Neidisch sehe ich meinem pragmatischen Kollegen bei der Nahrungsaufnahme zu. Warum nur können wir Internisten die Dinge nie auf das Wesentliche beschränken? Als Uwe bereits wieder fröhlich pfeifend entschwindet, verlasse ich hungrig die Kantine. Und wieder einmal schwöre ich mir: Morgen bewerbe ich mich in der Chirurgie!

Dr. med. Hubertus Bürgstein

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